Deutsche Bank gibt Transaktionsbank noch mehr Macht

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01.08.19
Banking & Berater

Deutsche Bank gibt Transaktionsbank noch mehr Macht

Treasurer werden künftig nicht mehr von den Investmentbankern, sondern von den Zahlungsverkehrsspezialisten der Deutschen Bank angesprochen. Zudem übernimmt Transaction-Banking-Chef Stefan Hoops mehr Verantwortung.

Die Deutsche Bank hat die Zuständigkeiten ihrer neuen Unternehmensbank geregelt und ihr mehr Kompetenzen zugesprochen. Außerdem übernimmt Transaction-Banking-Chef Stefan Hoops vorübergehend mehr Verantwortung innerhalb der Bank. Dies zeigt ein internes Schreiben von Hoops, das FINANCE vorliegt. Das „Handelsblatt“ hatte zuerst darüber berichtet.

Kern der Neuordnung ist eine klare Regelung, wer genau künftig für die Firmenkundenansprache zuständig ist. Bisher seien Treasurer von Unternehmen je nach Land unterschiedlich von Investmentbankern oder von Zahlungsverkehrsexperten angesprochen worden. Künftig erhalten die Transaktionsbanker von Hoops mehr Freiheiten und dürfen Finanzverantwortliche weltweit direkt ansprechen. 

Unternehmensbank bekommt Devisengeschäft

Die von CEO Christian Sewing Anfang Juli ins Leben gerufene Unternehmensbank bekommt aber noch mehr Kompetenzen zugesprochen, die bisher im Investmentbanking angesiedelt waren. Dem internen Schreiben zufolge wird das Wertpapierleihegeschäft dem Wertpapierverwahrgeschäft für Fonds zugeordnet, das bereits in der Unternehmensbank angesiedelt ist. „Darüber hinaus entwickeln wir eine ehrgeizige Strategie für das Kundensegment Fintech und Plattformen, welches eine wesentliche Komponente für das zukünftige Wachstum unseres Geschäfts sein wird“, schreibt Hoops. 

Auch das Devisengeschäft soll fest in der Unternehmensbank verankert werden. Aus Sicht von Hoops ist der Devisenhandel ein wichtiger Teil der Wertschöpfungskette für Unternehmen, insbesondere im Zusammenhang mit Zahlungslösungen. Außerdem sitzen aus dem von Ram Nayak geleiteten Anleihe- und Währungsteam künftig drei Manager im neuen Führungsteam der Unternehmensbank: Sameen Farooqui, Russell LaScala und Jonathan Tinker. Das Team soll damit künftig sowohl für die Investment- als auch die Unternehmensbank arbeiten.

Hoobs regelt auch die personellen Verantwortlichkeiten: Auf der Produktseite wird für das Cash Management Ole Matthiessen verantwortlich sein. Trade Finance & Lending wird von Daniel Schmand geführt. Trust & Agency Services unterstehen Jose Sicilia und Securities Services Michaela Ludbrook. 

Hoops bekommt Bender und Müller an seine Seite

Ludbrook trägt künftig auch die regionale Verantwortung für Amerika, David Lynne für die Asien-Pazifik-Region. Um Großbritannien kümmert sich Paul Maley. Für die EMEA-Region – ohne Deutschland und Großbritannien – ist Daniel Schmand verantwortlich. Die Unternehmensbank in Deutschland selbst leitet übergangsweise Stefan Hoops, der dabei von Stefan Bender und Ralph Müller unterstützt werden soll, die bisher das aus der Privatkundensparte stammende Mittelstandsgeschäft der Deutschen Bank geleitet haben.

Zusätzlich übernimmt Hoops auf der Coverage-Seite (Kundenbetreuung) übergangsweise die Verantwortung der Unternehmensbank für die EMEA-Region. Für die Coverage in Amerika ist Dean Bellissimo verantwortlich, für die Coverage des Asien-Pazifik-Raums Kevin Burke.

Hoops selbst machte nochmal deutlich, dass Sewing – der die Unternehmensbank wie gehabt im Vorstand verantwortet – dieses Segment als „Herz der Organisation und Wachstumsmotor der Deutschen Bank“ ausgemacht habe. Alle Augen seien daher jetzt auf die Performance der Unternehmensbank gerichtet. 

Erträge im Investmentbanking brechen ein

Alles zusammengenommen bedeutet dies einen deutlichen Zuwachs an Macht und Eigenständigkeit für die die Unternehmensbank. Bislang waren die dort gebündelten Geschäfte sowohl Teil der Privatkunden- als der der Corporate & Investmentbank.

Vor allem die Performance der Investmentbank fiel im ersten Halbjahr mau aus. Während die Erträge der Transaktionsbank mit rund 1,9 Milliarden Euro stabil blieben, brachen im Eigen- und Fremdkapitalgeschäft die Erträge sowohl im Emissions- (Origination) als auch im Handelsgeschäft stark ein: In der Equity Origination um 35 Prozent auf 118 Millionen Euro, bei der Debt Origination um 16 Prozent auf 530 Millionen Euro. 

Im Equity Trading gaben die Erträge um 25 Prozent auf 837 Millionen Euro nach, im Anleihe- und Währungshandel um 13 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Und auch im Beratungsgeschäft sackten die Erträge im ersten Halbjahr um 18 Prozent auf 861 Millionen Euro ab. Unter dem Strich sanken dadurch die Erträge der alten Corporate & Investment Bank um 16 Prozent auf rund 6,3 Milliarden Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de