Die deutschen Banken haben am Kapitalmarkt vertrauen zurückgewonnen. Die Lücke zur internationalen Konkurrenz konnten sie aber nicht schließen.

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25.10.17
Banking & Berater

Deutsche Bank kann Lücke bei CDS-Spreads nicht schließen

In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die CDS-Spreads im deutschen Bankensektor spürbar erholt. Dennoch vertrauen Fremdkapitalgeber der Deutschen Bank und Commerzbank lange nicht so sehr wie der internationalen Konkurrenz.

Vor rund einem Jahr noch war das Vertrauen von Kapitalmarktversicherern in den deutschen Bankensektor erschüttert. Um das Ausfallrisiko der Deutschen Bank abzusichern, verlangten sie einen Risikoaufschlag von 220 Basispunkten auf eine fünfjährige Unternehmensanleihe. Bei keiner anderen relevanten internationalen Großbank war dieser sogenannte CDS-Spread (Credit Default Swap) höher. 

Credit Default Swaps sind börsengehandelte Derivate, die als Risikoprämie interpretiert werden können. Je höher der Spread ist, für desto wahrscheinlicher halten es die Investoren, dass der Emittent ausfällt. Gleichzeitig werden die Swaps oft von Spekulanten genutzt, die auf den weiteren Verfall des zugrundeliegenden Papiers wetten.

CDS-Spread von Commerzbank und Deutsche Bank sinken

Inzwischen hat sich die Lage aber wieder entspannt. Laut Daten von Credit Market Analysis, einem zu S&P Capital IQ gehörenden Anbieter von OTC-Kreditdaten, liegt der CDS-Spread der Deutschen Bank aktuell bei rund 91 Basispunkten und hat sich damit in den vergangenen zwölf Monaten um fast 60 Prozent erholt. Der starke Rückgang dürfte vor allem an der 8 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung im März dieses Jahres und der Beilegung der teuersten Rechtstreitigkeiten in den USA liegen.

Die Spreads der Commerzbank reduzierten sich im gleichen Zeitraum um fast 50 Prozent auf rund 65 Basispunkte. Allein im Oktober sank die Risikoprämie von 70 auf 65 Basispunkte, was vor allem an den jüngsten Übernahmegerüchten der Commerzbank durch die französische BNP Paribas liegen könnte. Deren Ausfallprämie spielt mit aktuell rund 35 Basispunkten in einer anderen Liga. 

Große CDS-Lücke zur internationalen Konkurrenz

Die klaffende Lücke zur internationalen Konkurrenz konnten die beiden größten deutschen Geldhäuser allerdings nicht schließen. Besonders starkes Vertrauen bringen Kapitalmarktversicherer französischen und niederländischen Banken entgegen. Neben der BNP Paribas sind aktuell auch die Spreads der Crédit Agricole (33 Basispunkte) und der Société Générale (37 Basispunkte) sehr niedrig. Die niederländische Rabobank kommt aktuell auf einen CDS-Spread von 53 Basispunkten und die ING sogar auf 24 Basispunkte, was im internationalen Vergleich dem drittniedrigsten Wert überhaupt entspricht. 

Dazwischen positionieren sich die US-amerikanischen Geldhäuser Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley, deren Spreads im Schnitt aktuell bei 53 Basispunkten liegen. Sie hatten die Finanzkrise deutlich schneller hinter sich gelassen als die deutsche Konkurrenz und schreiben inzwischen wieder Milliardengewinne. 

Vertrauen zurückgewonnen haben in den zurückliegenden zwölf Monaten auch die britischen Häuser Barclays Bank und Royal Bank of Scotland. Der Spread von Barclays sank um 54 Prozent auf 49 Basispunkte, der Risikoaufschlag der RBS um sogar um 60 Prozent auf 55 Basispunkte. Ihre Spreads waren im vergangenen Jahr im Zuge des Brexits nach oben geschossen. Inzwischen haben die meisten Banken jedoch einen Brexit-Plan vorgelegt, was der Kapitalmarkt offenbar honoriert.

UBS Investmentbank ist bei CDS-Spreads Maß der Dinge

Mithalten kann bei den CDS-Spreads aus deutscher Sicht nur die HSBC Deutschland, ehemals HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ihre Risikoprämie liegt aktuell bei 23,5 Basispunkten und muss damit im internationalen Vergleich nur der UBS Investmentbank den Vortritt lassen. Deren Spread sank in den zurückliegenden zwölf Monaten von 72,6 auf 22,5 Basispunkte. Bei der HSBC Deutschland muss jedoch berücksichtigt werden, dass sich die Spreads auf den internationalen Konzern und nicht explizit auf die deutsche Niederlassung beziehen. 

Gleiches gilt für die zur Unicredit gehörende Hypovereinsbank, deren CDS-Spread aktuell bei und 71 Basispunkten liegt. Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier hat den Italienern ein strenges Restrukturierungsprogramm auferlegt, was sich positiv in der Spread-Entwicklung widerspiegelt. Vor zwölf Monaten betrug die Risikoprämie noch rund 100 Basispunkte.

Landesbanken mit Licht und Schatten

Das Bild bei den deutschen Landesbanken birgt Licht und Schatten. Die Spreads der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) sind mit 45 beziehungsweise 49 Basispunkten im internationalen Vergleich zwar eher niedrig. Ihre Geschäftsmodelle sind allerdings auch deutlich weniger riskant als die der großen Investmentbanken.

Die HSH Nordbank verharrt dagegen weiter bei überdurchschnittlich hohen 164 Basispunkten und konnte ihren Spread in den vergangenen zwölf Monaten nicht nennenswert senken. Die Bank soll weiterhin bis Anfang 2018 verkauft werden. Gelingt das nicht, muss die Bank nach EU-Vorgaben abgewickelt werden. 

Für andere deutsche Häuser, wie die Bayerische Landesbank (BayernLB), die Norddeutsche Landesbank (NordLB) oder das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank, veröffentlicht Credit Market Analysis keine Spread-Daten.

Deutsche Banken kämpfen mit Schiffen und sich selbst

Zwar haben die deutschen Banken im vergangenen Jahr viele Hausaufgaben erledigt, sich restrukturiert und Risiken reduziert, was sich jetzt zum Teil auch in den Spreads widerspiegelt. Dennoch schlummern in ihren Bilanzen noch immer faule Schiffskredite im Wert von rund 20 Milliarden Euro, die im Schnitt nur zur Hälfte mit Rückstellungen gedeckt sind – ein Fakt, der Kapitalmarktversicherern nicht gefallen dürfte. 

Auch sind die Restrukturierungen der Commerzbank und der Deutschen Bank noch lange nicht abgeschlossen. Commerzbank-CEO Martin Zielke verbuchte im ersten Halbjahr Restrukturierungsaufwendungen über rund 800 Millionen Euro und bezeichnete die Jahre 2017 und 2018 als Transformationsjahre. Und auch die deutsche Bank tritt auf der Stelle. Das sieht auch die Rating-Agentur Fitch so, weshalb sie ihr Rating für die Deutsche Bank Anfang Oktober von A- auf BBB+ gesenkt hat.