Die EZB macht mit ihrem negativen Einlagenzins den Banken zu schaffen.

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22.12.16
Banking & Berater

Deutsche Banken zahlen 1,1 Milliarden Euro Strafzinsen

Deutschlands Banken müssen in diesem Jahr für ihre Geldeinlagen bei der Bundesbank über 1 Milliarde Euro Strafzinsen zahlen – und die Summe wird weiter steigen.

Geld anlegen kostet: Das spüren im derzeitigen Niedrigzinsumfeld vor allem die Banken. Für die überschüssige Liquidität, die sie bei den Zentralbanken parken, verlangt die Europäische Zentralbank seit Juni 2014 einen negativen Einlagenzins. Derzeit liegt er bei minus 0,4 Prozent. Für die 380 Milliarden Euro an Liquidität, die deutsche Banken gerade bei der Bundesbank halten, müssen sie laut einer Berechnung des Analysehauses Barkow Consulting in diesem Jahr Strafzinsen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bezahlen. Im Jahr 2015 beliefen sich die Kosten noch auf vergleichsweise bescheidene 300 Millionen Euro. Da die Zentralbankeinlagen weiter anwachsen, beziffert Barkow die auf ein Jahr hochgerechnete Zinslast der Banken auf Basis dieses Monats sogar schon auf 1,5 Milliarden Euro.

In der gesamten Eurozone ist die Tendenz die gleiche. Für das Jahr 2016 fallen bei den europäischen Banken negative Einlagenzinsen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro an, annualisiert mit Basis Dezember sogar 4,7 Milliarden Euro. Die Geldinstitute haben insgesamt rund 1,2 Billionen Euro bei ihren jeweiligen Zentralbanken geparkt.

Mehr als 4 Prozent des Vorsteuergewinns fließt in Strafzinsen

Banken profitieren zwar an anderer Stelle auch vom Niedrigzinsumfeld, insbesondere beim Funding, klagen jedoch immer lauter über die hohe Ergebnisbelastung durch die negativen Einlagenzinsen der EZB. Indes: Noch ist die relative Dimension der Sonderkosten beherrschbar – vor allem dann, wenn man die positiven Effekte gegenrechnet. Laut Barkow belaufen sich diesjährigen Strafzinsen der deutschen Banken auf 4,3 Prozent ihres Vorsteuergewinns aus 2015. Bei dem annualisierten Betrag für Dezember 2016 beträgt der Anteil 5,7 Prozent.

Um den Kosten zu entgehen, prüfen viele Banken Alternativen. Einige erwägen sogar, überschüssige Liquidität lieber selbst im eigenen Tresor zu lagern, anstatt die Strafzinsen in Kauf zu nehmen. Das berichteten Versicherer gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer. Die meisten Banken geben die negativen Zinsen zumindest in Teilen inzwischen aber auch an ihre Firmenkunden weiter und reduzieren damit ihre Sonderkosten.

Noch gelingt es trotzdem  vielen Unternehmen, Negativzinsen für ihre Bankeinlagen zu vermeiden. Die Barkow-Analyse zeigt jedoch, dass der Zinsdruck auf die Firmenkunden im nächsten Jahr weiter steigen könnte – und das bei gleichzeitig anziehenden Refinanzierungszinsen.

In den nächsten Tagen dürfte sich die Lage für CFOs und ihre Treasurer noch ein wenig weiter verkomplizieren: Gerade zum Jahresende dürften zahlreiche Banken kurzfristige Einlagen ablehnen, da zum Bilanzstichtag die Gebühr berechnet wird, die die Banken für den Einlagensicherungsfonds zu zahlen haben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de