Die DZ Bank und WGZ haben mehrere Anläufe für ihre Fusion gebraucht. Die Verschmelzung der IT-Landschaften verlief aber verhältnismäßig reibungslos.

DZ Bank

30.01.18
Banking & Berater

DZ Bank und WGZ: So gelang die IT-Fusion

Die Fusion der DZ Bank und WGZ Bank war ein Mammutprojekt, auch wegen der höchst unterschiedlichen IT-Landschaften. Wie die Migration der riesigen Datenbestände trotzdem in Rekordzeit geklappt hat – und welche Rolle IFRS 9 dabei gespielt hat.

Es war die größte Bankenfusion seit der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank im Jahr 2010: Im Juli 2016 schlossen sich die Genossenschaftsbanken DZ Bank und WGZ Bank zusammen und wurden zur drittgrößten Bank Deutschlands direkt nach der Commerzbank und der Deutschen Bank. Dabei hatte es in der Vergangenheit bereits mehrere vergebliche Fusionsversuche gegeben, der letzte scheiterte 2009 in der Finanzkrise.

Die Fusionsverhandlungen waren langwierig und nervenaufreibend. Das Zusammenführen der beiden IT-Systeme verlief dagegen wesentlich schneller. „Die ganze Migration der IT-Landschaften ist so geräuschlos über die Bühne gegangen, dass wir es selbst kaum glauben konnten“, erzählt Jörg Waldmann von der DZ Bank.

Waldmann hat als Leiter des „Programms Migration“, in dem 49 Einzelprojekte gesteuert wurden,  gemeinsam in einem vierköpfigen Team aus DZ- und ehemaligen WGZ-Mitarbeitern die IT-Migration verantwortet. Er bezeichnet das Programm als „besonders ambitioniertes Unterfangen“.

Riesige Datenmengen in kürzester Zeit migriert

„Wir haben alles daran gesetzt, rechtzeitig fertigzuwerden.“

Jörg Waldmann, DZ Bank

Tatsächlich sollten aus der IT-Landschaft der ehemaligen WGZ Bank riesige Datenmengen in die der DZ Bank migriert werden: Mehr als 5.000 Darlehen, 200.000 Fördermittelkredite, 7.000 Kontokorrentkonten und 9.000 Kapitalmarktgeschäfte waren betroffen.

Und dies alles innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit: Ende 2015 wurde die Fusion bekanntgegeben, zwei Jahre später sollte die Migration der IT-Landschaft komplett fertig sein. Dabei kann die Zusammenführung von zwei riesigen Datenbeständen und unterschiedlichen, teils stark individualisierten IT-Systemen durchaus mehrere Jahre in Anspruch nehmen, weiß man aus anderen M&A-Projekten.

Anfang 2016 begann Waldmann mit seinem Team, die zentralen Schritte zu planen. Die wichtigsten Fragen, die zuerst geklärt werden mussten: Welche Daten sollen in welcher Reihenfolge migriert werden, welche Voraussetzungen sind dafür zu schaffen und wie sollen die Altsysteme archiviert und dann abgeschaltet werden? „Die Kernbankensysteme waren sehr unterschiedlich. Während die WGZ eine Eigenentwicklung im Einsatz hatte, nutzte die DZ Bank mit SAP ein wesentlich standardisierteres Tool“, berichtet Waldmann.

IT-Fusion von DZ Bank und WGZ nicht rein IT-getrieben

Darauf fußte die Entscheidung, die Systeme der ehemaligen WGZ Bank abzuschalten. „Da der Datenbestand dort wesentlich kleiner als bei der DZ war, war eine Migration in Richtung DZ Bank sinnvoller.“ Wichtig war laut Waldmann, dass der Vorstand schnell und klar kommuniziert hat, dass die DZ Bank die Zielwelt sein wird, „da gab es dann seitens der Mitarbeiter keine langen Diskussionen“.

Was allerdings nicht bedeutete, dass es keine Kommunikation gab – im Gegenteil. Insgesamt waren 17 Fachbereiche involviert, die Migration war kein rein IT-getriebenes Thema, sondern verlief in gemeinsamer Verantwortung mit den Fachbereichen. Der enge Austausch war laut Waldmann erfolgsentscheidend.

Offiziell mit der Überführung begonnen wurde im August 2016, am Ende waren es drei Schritte. Der erste große Brocken waren die Daten aus dem Kapitalmarktbereich: „Es war ein tranchenmäßiges Vorgehen, wir haben über ein Jahr verteilt einzelne Handelsbücher migriert“, erklärt Waldmann. Vorteil: Die Spezialisten konnten einzelne Bücher sauber getrennt voneinander überführen, was viel Arbeit ersparte. In einem zweiten Schritt wurden nach und nach alle Daten überführt, die nichts mit dem Kapitalmarkt-, Firmenkunden- und Zahlungsverkehrsgeschäft zutun hatten.

IFRS 9 saß DZ Bank und WGZ Bank im Nacken

Die letzte Welle war ein kleiner Showdown: Alle Daten zum Firmenkundengeschäft und Zahlungsverkehr wurden auf einmal an einem einzigen Wochenende Ende September vergangenen Jahres überführt. Mit diesem „Big Bang“, wie Waldmann es nennt, war die Migration offiziell abgeschlossen. Jetzt stehen nur noch „kleinere Nacharbeiten“ und „Schönheitskorrekturen“ an. Laut Waldmann zahlt es sich jetzt aus, dass die beiden Banken im Vorfeld viel Zeit in Testläufe investiert haben, sodass es im Nachgang möglichst wenig nachzubessern gibt.

Vom offiziellen Start des Projekts bis zum großen Migrationswochenende dauerte es nur 15 Monate. Das ist kurz. Doch viel mehr Zeit hätten sich die beiden Banken auch gar nicht lassen können, denn ihnen saß der 1. Januar 2018 im Nacken. An diesem Tag trat  der neue Bilanzierungsstandard IFRS 9 in Kraft. Der Standard ist eine der bedeutendsten Änderungen in der Rechnungslegung von Banken seit Jahren, er verändert unter anderem die Bewertung finanzieller Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, die Bestimmung von Wertminderungen und die Bilanzierung von Hedging-Geschäften. 

IT-Fusion kostet niedrigen dreistelligen Millionenbetrag

Für IFRS 9 müssen alle Banken ihre IT-Landschaften zum Teil stark anpassen. Um die Arbeit nicht doppelt für beide IT-Systeme machen zu müssen, entschieden sich die beiden Fusionspartner dazu, die erforderlichen Anpassungen nur in den Systemen der DZ Bank vorzunehmen.

Das war aber auch ein Risiko: Wäre die Migration der Daten nicht rechtzeitig gelungen, hätte die WGZ womöglich nicht mehr genug Zeit gehabt, um ihr IT-System an IFRS 9 anpassen. Einen Plan B gab es zwar theoretisch, „allerdings wäre dies eine massive Verschiebung der Migration gewesen“, sagt Waldmann. „Wir haben daher einfach alles daran gesetzt, rechtzeitig fertigzuwerden.“

Die Kosten für Überführung beziffert der Projektleiter mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Einsparen will die DZ Bank in der IT durch Synergieeffekte bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr – in wenigen Jahren dürften sich die Migrationskosten bereits amortisiert haben.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de