Ertragsdilemma der Deutschen Bank hält an

code6d/iStock/Thinkstock/GettyImages

24.10.18
Banking & Berater

Ertragsdilemma der Deutschen Bank hält an

Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal zwar ihre Kosten im Griff – nicht jedoch ihre Erträge. Vor allem die Corporate & Investmentbank blutet und schickt die Aktie auf ein neues Allzeittief.

Keine Milliardenstrafen, keine Milliardenaufwendungen für Restrukturierung, keine überproportionalen Kostensprünge: Die Deutsche Bank wird dieses Jahr vermutlich zum ersten Mal seit vier Jahren wieder einen Gewinn zum Jahresende ausweisen können.

Außerdem hatte das Management zuletzt alles dafür getan, die Erwartungen an die heute veröffentlichten Quartalszahlen zu dämpfen. Dennoch gab die Aktie der Deutschen Bank im Laufe des heutigen Vormittags um über 3 Prozent nach und markierte mit zeitweise unter 9 Euro ein neues Allzeittief.

Aktie der Deutschen Bank sinkt auf neues Allzeittief

Ertragsschwund im CIB nicht zu stoppen

Das dürfte vor allem daran liegen, dass es der Deutschen Bank immer noch nicht gelungen ist, die seit Jahren schrumpfenden Erträge zu stabilisieren – allen voran im Corporate und Investment Banking unter der Leitung von Garth Ritchie: Im dritten Quartal sackten die Erträge dort um 13 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro ab. Auf Neunmonatsbasis fiel der Rückgang mit 9 Prozent auf rund 10,5 Milliarden Euro etwas geringer aus.

Die von CEO Christian Sewing als Stabilitätsanker auserkorene Transaktionsbank büßte im dritten Quartal und auf Neunmonatsbasis jeweils 5 Prozent ein und erwirtschaftete 912 Millionen Euro im dritten Quartal beziehungsweise rund 2,8 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten. Damit die Rückgänge enden, hat die Bank vor wenigen Tagen ihren Kapitalmarktchef Stefan Hoops zum Chef der Transaktionsbank befördert

Erneut Federn lassen musste die Deutsche Bank beim Handel mit Aktien sowie Anleihen, Währungen und anderen festverzinslichen Wertpapieren (FIC). Beide Bereiche büßten im dritten Quartal jeweils 15 Prozent ein. Der Aktienhandel erwirtschaftete Erträge über 466 Millionen Euro. Im FIC (Fixed Income & Currencies) standen rund 1,3 Milliarden Euro zu Buche.

Wie die gesamte Branche leidet die Deutsche Bank in dem Bereich unter dem niedrigen Zinsniveau und den bis vor kurzem wenig volatilen Märkten, wodurch die Kunden in den zurückliegenden Monaten weniger Absicherungsprodukte nachfragten. Rückgänge im Geschäft mit Hedgefonds seien jedoch teilweise durch Wachstum im Derivategeschäft ausgeglichen worden, teilte die Deutsche Bank mit.

Deutsche Bank mit Fortschritt im Eigenkapitalgeschäft

Licht und Schatten gab es im Corporate-Finance-Geschäft. Während die Erträge im dritten Quartal im Beratungsgeschäft um 24 Prozent auf 92 Millionen Euro und im Fremdkapitalgeschäft um 6 Prozent auf 270 Millionen Euro nachgaben, verbuchte die Bank im Eigenkapitalmarktgeschäft einige Prestige-Erfolge. So hat sie nach eigener Aussage vier der fünf größten Börsengänge in Europa begleitet. Auch bei dem vor kurzem erfolgreich absolvierten Milliarden-IPO von Knorr-Bremse war die Bank im Lead. Die Erträge im Eigenkapitalgeschäft stiegen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 61 Prozent auf 105 Millionen Euro an.

Bei aller vorsichtigen Euphorie in dieser Nische des Firmenkundengeschäfts: Auf Neunmonatsbasis liegt die Deutsche Bank bei den Erträgen in allen drei Bereichen hinter dem Vorjahr zurück. Unter dem Strich lässt die Ertragswende der Deutschen Bank also weiter auf sich warten. Das weiß auch Bankchef Sewing, wie er in einem Brief an die Mitarbeiter deutlich machte, aus dem mehrere Medien zitieren. Die Bank sei nun aber wieder in einer Position, aus der sie angreifen könne, meint Sewing.

Wo soll die Deutsche Bank wachsen?

Stellt sich die Frage, in welchen Bereichen der Angriff kommen könnte. Sewing verweist in dem Mitarbeiterbrief unter anderem auf den Leveraged-Finance-Bereich, in dem die Bank heute einen höheren Marktanteil habe als vor einem Jahr. Als sicheren Hafen kann man diesen Markt allerdings nicht bezeichnen. Es mehren sich die Anzeichen, dass der Markt für fremdfinanzierte Private-Equity-Übernahmen heiß läuft, die Risiken sind enorm.

Statt schneller Gewinne aus riskanten Geschäften braucht die Deutsche Bank aber stabile Erträge. Sewing spricht deshalb auch von dem „unbedingten Willen, die Transaktionsbank mit Stefan Hoops als neuem Chef als eine wichtige Säule unserer Bank auszubauen“. Doch dort hakt es: Finanzchef James von Moltke bezeichnete das Abschneiden der Transaktionsbank heute ganz unverblümt als enttäuschend, twitterte das „Handelsblatt“. Unter dem neuen Management müsse die Sparte „wiederbelebt“ werden.

Die Deutsche Bank befindet sich aber in einem Dilemma: Auf der einen Seite muss sie weiterhin Risiken in der Bilanz abbauen, die risikogewichteten Aktiva reduzieren und gleichzeitig den enormen Kostenapparat des Geldhauses in den Griff bekommen. Auf der anderen Seite sollen möglichst alle Geschäftsbereiche bald wieder Ertragswachstum erzielen, um die für das kommende Jahr versprochene Eigenkapitalrendite von 4 Prozent nach Steuern zu erreichen. Aktuell liegt diese bei 1,7 Prozent. Die Renditen der amerikanischen Wettbewerber sind längst wieder zweistellig. 

Sewing hat die Kosten im Griff

Bei seinem Kostenversprechen hat Sewing hingegen zunächst Wort gehalten. Ende April hatte der neue Deutsche-Bank-Chef klar gemacht, dass die 23-Milliarden-Euro Marke „nicht verhandelbar“ sei. Im dritten Quartal betrugen die bereinigten Kosten 5,5 Milliarden Euro und sind gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt damit um 1 Prozent gesunken. Die Bank sparte dabei nach eigener Aussage vor allem bei Beratungs- und anderen externen Leistungen. 

Auch auf Neunmonatsbasis senkte die Deutsche Bank ihre bereinigten Kosten um 1 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro. Sewing schwörte seine Mitarbeiter noch einmal darauf ein „alles dafür zu tun, dass es in diesem Jahr im vierten Quartal nicht den bislang typischen Kostenanstieg geben wird“. Im kommenden Jahr sollen die bereinigten Kosten dann um eine weitere Milliarde auf 22 Milliarden Euro sinken.

Allein den Rotstift bei externen Leistungen anzusetzen, dürfte dafür nicht reichen. Beispiel CIB: Die Cost-Income-Ratio der Corporate & Investmentbank lag im dritten Quartal bei fast 95 Prozent. Die Bank muss damit 95 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Angesichts der Risiken, die Banken im Investmentbanking eingehen, ist die Marge viel zu gering. Auch in der Gesamtbank liegt die Quote im dritten Quartal mit rund 90 Prozent zwar etwas niedriger, ist im Branchenvergleich jedoch noch immer sehr hoch.

Bisher hatte die Deutsche Bank – vor allem im CIB – ein ordentliches Ertragspolster, von dem sie während ihrer langwierigen Restrukturierung zehren konnte. Doch der Bank läuft die Zeit davon. Die Entwicklung des Aktienkurses zeigt, dass es den Aktionären nicht reicht, Löcher zu stopfen. Sie suchen Ertragsphantasien. Doch diese trüben sich angesichts einer abkühlenden Konjunktur zunehmend ein.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über das Corporate & Investment Banking der hiesigen Banken mit der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft