CFOs in elf Mitgliedsstaaten bekommen die Auswirkungen der Finanztransaktionssteuer zu spüren, sagt eine Studie von ICAP.

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09.04.13
Banking & Berater

Finanztransaktionssteuer lässt Finanzierungskosten für CFOs steigen

Die Einführung der Finanztransaktionssteuer wirkt sich negativ auf die Unternehmensfinanzierung aus. Das befürchtet ICAP in einem aktuellen Diskussionspapier. Neben höheren Kosten müssen Finanzchefs künftig auch ihr Risikomanagement auf die neuen Gegebenheiten anpassen.


Finanzvorstände sollten sich auf negative Auswirkungen der Finanztransaktionssteuer (FTT) einstellen. Für Unternehmen wird die Finanzierung mit der Einführung der Steuer teurer, warnt ICAP, einer der größten Interdealer-Broker, in einem aktuellen Diskussionspapier. Insbesondere die Preise für die Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital würden durch die FTT steigen.

CFOs müssen am Ende zu mindestens einen Teil der Zeche zahlen. „Es entstehen deutliche Mehrkosten für die Banken, die am Ende ihren Weg zu den Unternehmen finden werden“, meint etwa Ralf Brunkow, der das Treasury von Nordzucker leitet. Entweder direkt, indem Unternehmen in den Anwendungsbereich einzelner Gesetzeswerke fallen, oder indirekt, indem höhere Kosten der Banken bis zum Ende der Handelskette durchgereicht werden.

ICAP zufolge diskriminiert die Einführung einer Finanztransaktionssteuer primär Aktien- und Anleiheemissionen, indirekt allerdings auch die Bankenfinanzierung. Kredite fallen zwar nicht unter den Anwendungsbereich der Steuer, doch die Repogeschäfte der Banken sind davon betroffen. Damit würde sich eine der Hauptrefinanzierungsquellen der Finanzinstitute verteuern.  Die Kosten dafür müssen letztendlich die Unternehmen tragen. Besonders bei kurzfristigen Finanzierungen und bei Unternehmen, die sich primär über die lokalen Banken finanzieren, sehen die Autoren der Studie Schwierigkeiten auf die CFOs zukommen.

CFOs müssen Risikomanagement anpassen

Das Ziel mit den Regulierungen wie Basel III, EMIR, Mifid, Solvency II und der Finanztransaktionssteuer ein stabileres Finanzsystem  zu schaffen, ist klar. Doch die Nebenwirkungen für die Unternehmen der Realwirtschaft werden dabei häufig nicht beachtet oder übersehen.

Neben den höheren Kosten für die Unternehmensfinanzierung wirkt sich die Finanztransaktionssteuer auch auf das Risikomanagement aus. Denn mit den eingeschränkteren und teureren Finanzierungsmöglichkeiten wird es für Unternehmen schwieriger ihr Risikoprofil anzupassen.

Mit der Einführung der FTT sieht ICAP zudem eine Reihe von negativen Marktreaktionen auf die jeweiligen Länder zukommen. So würden Unternehmen in diesen Ländern attraktive Übernahmekandidaten. Da dort die Kosten für Eigenkapital stiegen, böte sich für Ausländer, die keinem solchen Steuerregime unterliegen, eine natürliche Preisarbitrage. Als Reaktion darauf sieht ICAP die Gefahr, dass Unternehmen in den betroffenen Jurisdiktionen ihr Fremdkapital künftig außerhalb der FTT-Zone aufnehmen oder sich dort über Holdingstrukturen ansiedeln.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de