Die Nachfolge von Commerzbank-CEO Martin Blessing wird zum 1. Mai der bisherige Privatkunden-Chef Martin Zielke (links) antreten und nicht der von von vielen favorisierte Firmenkunden-Chef Markus Beumer (rechts).

Commerzbank

07.03.16
Banking & Berater

Firmenkunden-Chef Markus Beumer wird nicht Commerzbank-Chef

Der lange favorisierte Firmenkundenchef Markus Beumer wird nicht Nachfolger des scheidenden Commerzbank-Chefs Martin Blessing. Mit Martin Zielke übernimmt stattdessen der Privatkundenchef. Doch auch er hat schon seine Fußabdrücke im Firmenkundengeschäft hinterlassen.

Lange wurde spekuliert, jetzt ist die Frage nach der Nachfolge von Commerzbank-Chef Martin Blessing geklärt, der im November vergangenen Jahres seinen Rückzug angekündigt hatte: Für viele überraschend wird der Chef der Mittelstandsbank, Markus Beumer, nicht befördert. Stattdessen rückt zum 1. Mai der bisherige Privatkundenvorstand Martin Zielke an die Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus.

Im Rennen um Blessings Nachfolge wurden Beumer lange Zeit gute Chancen eingeräumt, liefert er mit seiner Mittelstandsbank im Firmenkundengeschäft doch seit Jahren kontinuierlich Milliardengewinne ab. Selbst im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015, als das Privatkundengeschäft sein operatives Ergebnis auf 751 Millionen Euro deutlich steigern konnte, lieferte Beumers Mittelstandsbank mit rund 1,1 Milliarden Euro noch deutlich mehr zum Konzerngewinn bei.

Über die zurückliegenden drei Jahre gerechnet brachte die Mittelstandsbank der Commerzbank insgesamt einen Gewinn von 3,4 Milliarden Euro, rund 2,5-mal so viel wie die Privatkundensparte mit 1,4 Milliarden Euro, die unter dem durchsetzungsstarken Zielke allerdings deutlich besser performte als das Privatkundengeschäft vieler anderer Banken: In einem stagnierenden Markt hat die Commerzbank seit 2012 über 800.000 neue Privatkunden gewonnen. Blessings Vorgänger und derzeitige Aufsichtsratchef Klaus-Peter Müller zeigt sich mit der Nachfolgeregelung zufrieden: „Martin Zielke verfügt über eine breite und langjährige Erfahrung im Privat- und Firmenkundengeschäft sowie im Finanzbereich.“

Martin Zielke leitete das Corporate Banking und hat CFO-Erfahrung

Was zunächst nach einem klassischen PR-Satz klingt, hat auf den zweiten Blick durchaus Substanz. Denn der gebürtige Hesse Zielke profilierte sich zwar im Privatkundengeschäft. Von Januar 2005 bis April 2006 hatte Zielke in der Mittelstandsbank die Leitung des Corporate Banking inne und ist dem Firmenkundengeschäft damit nicht gänzlich fremd.

Auch im Finanzbereich sammelte Zielke Erfahrungen: Von April 2006 bis Dezember 2007 war Zielke CFO der Commerzbanktochter Eurohypo, die wenig später im Zuge der Immobilienkrise allerdings in Schieflage geriet. Anschließend – zwischen Januar 2008 und November 2010 – war Zielke Bereichsvorstand Group Finance bei der Commerzbank, eine wichtige interne Funktion innerhalb der Finanzabteilung.

Damit hat Zielke einen etwas breiteren Erfahrungsschatz aufbauen können als Beumer, der seit August 2008 die Mittelstandbank der Commerzbank leitet – zumal der 53 Jahre alte Banker zuletzt auch gezeigt hat, dass er in der Lage ist, effizienzorientierte Strukturmaßnahmen durchzusetzen: 2015 legte er die zweite und dritte Managementebene seines Geschäftsbereichs zusammen. Ähnliche Vorhaben könnten auch auf Konzernebene in naher Zukunft wieder anstehen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de