Immer mehr Firmenkundenbetreuer haben in Deutschland das Gefühl, dass sie weniger entscheiden dürfen.

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12.12.19
Banking & Berater

Firmenkundenbanker verlieren an Bedeutung

Covenant-Brüche, minimale Margen und immer mehr Wettbewerb. Deutschlands Firmenkundenbetreuer sind gehörig unter Druck – haben intern aber immer weniger zu sagen.

Keine leichte Zeit für Banker im Firmenkundengeschäft: Haben Firmenkundenbetreuer den konjunkturellen Abschwung im Frühjahr schon wahrgenommen, bekommen sie diesen im Herbst so richtig zu spüren. So lassen sich die Ergebnisse der aktuellen Befragung des „Panels Firmenkundenbetreuer“ des FINANCE Think Tanks deuten, für das wieder über 130 Firmenkundenbetreuer zur aktuellen Stimmungs- und Marktlage befragt wurden.

Mit der Konjunktur trübt sich auch die Stimmung im Lager der befragten Banker spürbar ein. Überwältigende 96 Prozent der befragten Banker sehen in ihren Portfolios mehr Rating-Herabstufungen als -heraufstufungen. 

Banker beobachten noch mehr Covenant-Brüche

Fast zwei Drittel beobachten zudem mehr Covenant-Brüche als noch vor einem halben Jahr. Dies ist vor allem darum bedenklich, da inzwischen viele Kreditverträge sogenannte „Covenant Lite“-Strukturen vorweisen, also nur noch eine harte Finanzkennzahl enthalten, die regelmäßig von den Banken getestet wird. Da diese zusätzlich noch mit großem Abweichungsspielraum (Headroom) versehen sind, kann es als akutes Warnsignal verstanden werden, wenn diese flächendeckend gerissen werden. Bastian Frien, Leiter des FINANCE Think Tanks, schreibt in diesem Zusammenhang von einem „deutlichen Zeichen für einen angespannten Markt.“

Nun bedeuten Covenant-Brüche für Banken nicht direkt, dass automatisch mehr Kredite ausfallen. Aber sie bedeuten mehr Arbeit für die Sanierungsabteilungen und lassen die Risikokosten der Banken steigen. Doch auch das kann den Margenrückgang scheinbar nicht aufhalten. 29 Prozent der befragten Firmenkundenbanker beobachten weiterhin sinkende Kreditmargen, nur 15 Prozent meinen, eine Trendumkehr ausgemacht zu haben. 

Wird der Firmenkundenbanker überflüssig?

Steigende Risiken, weiterhin schrumpfende Erträge und ein Umfeld, das kompetitiver kaum sein könnte: Der Druck auf Firmenkundenbanker wird immer größer. Gleichzeitig haben diese das Gefühl, dass sie immer weniger zu sagen haben, allen voran die Banker der deutschen Landesbanken. 65 Prozent der befragten Landesbanker gaben an, dass der Entscheidungsspielraum des Firmenkundenbetreuers in den vergangenen fünf Jahren gesunken ist. Bei den Geschäftsbanken sind es knapp 60 Prozent, und selbst bei den expansionsfreudigen Auslandsbanken sieht es mehr als die Hälfte so.

Hinzu kommt externer Druck von Megatrends wie der Digitalisierung oder von Wettbewerbern wie beispielsweise Corporate-Finance-Beratungen, die den Banken das Beratungsgeschäft streitig machen. Deren Vormarsch führt dazu, dass viele Mittelständler den Finanzinstituten bei Bankthemen zunehmend auf Augenhöhe gegenübertreten. Zudem verfügen auch immer mehr kleinere Mittelständler über eigene Treasurer – häufig Ex-Banker – die sich fachlich hervorragend auskennen. 

Die Autoren des Firmenkundenbetreuer-Panels stellen darum die These auf, dass der Firmenkundenbanker für kleinere Kunden, die immer standardisierter bedient würden, künftig an Bedeutung verlieren wird. Bei den größeren Kunden dagegen würde sich der Markt künftig in zwei Lager teilen: Zum einen in Banken, die sich auf Commodity-Angebote konzentrieren, zum anderen in Banken, die sich als integrierter Lösungsanbieter verstehen. Bei letzteren werde der Firmenkundenberater so wichtig sein wie niemals zuvor.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Für das Panel wurden über 130 Firmenkundenbetreuer aus Geschäftsbanken (37 Prozent), Landesbanken (26 Prozent), Auslandsbanken (16 Prozent), Genossenschaftsbanken (12 Prozent) und Sparkassen (9 Prozent) befragt.

Die ausführliche Ergebnisübersicht des dritten Firmenkundenbetreuer-Panels des FINANCE Think Tanks können Sie hier herunterladen.