Die Commerzbank stemmt sich gegen das Wegschmelzen der Zinsmarge. Trotzdem steigen im Firmenkundengeschäft die Kosten.

Julia Schwager / Commerzbank

04.11.16
Banking & Berater

Firmenkundengeschäft der Commerzbank fängt sich

Die Commerzbank hat es geschafft, ihr Firmenkundengeschäft zu stabilisieren. Doch die detaillierten Zahlen der Mittelstandsbank belegen den Handlungsbedarf: Obwohl die Zinseinnahmen wegbrechen, steigen die Kosten.

Das in der Mittelstandsbank gebündelte Firmenkundengeschäft der Commerzbank hat seine Talfahrt gestoppt. Zum ersten Mal in diesem Jahr steht im dritten Quartal kein deutlicher Ertragsrückgang mehr zu Buche. Die 229 Millionen Euro, welche die Mittelstandsbank an operativem Gewinn erzielte, lagen nur noch 2 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert, aber mehr als 10 Prozent über den Gewinnen der Quartale 1 und 2.

Der Grund für die Ertragsstabilisierung liegt jedoch nicht in einer Erholung des Kundengeschäfts, sondern in sinkenden Sonderaufwendungen und einer rückläufigen Risikovorsorge. Im dritten Quartal legte die Commerzbank im Firmenkundengeschäft 67 Millionen Euro für faule Kredite zur Seite – zwar mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr, aber 26 Millionen Euro weniger als im zweiten Quartal.

Cost-Income-Ratio der Mittelstandsbank zieht an

Die streng operativen Eckdaten hingegen zeigen, dass die Mittelstandsbank noch lange nicht über den Berg ist: Obwohl die Umsätze gegenüber dem Vorquartal von 701 auf 678 Millionen Euro zurückgingen, stiegen die Kosten von 391 auf 403 Millionen Euro. Die Cost-Income-Ratio der Mittelstandsbank liegt nach neun Monaten bei 59,6 Prozent, gegenüber 54,4 Prozent im Vorjahr. Der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke hat der Mittelstandsbank deshalb ein Sparprogramm verordnet, dem Tausende Stellen zum Opfer fallen werden.  

Der Auslöser der Negativentwicklung sind fehlende Zinserträge. Obwohl inzwischen auch die Commerzbank von ihren Firmenkunden Einlagezinsen verlangt, zehren die Negativzinsen am Gewinn. Rückläufige Zinsmargen haben in den ersten neun Monaten 2016 die Mittelstandsbank netto 94 Millionen Euro gekostet, nach 61 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damals konnte die Commerzbank das Wegschmelzen der Zinsmarge noch durch eine zunehmende Kreditvergabe kompensieren. In diesem Jahr jedoch steuerte auch die Veränderung der Kreditvolumina ein Minus von 9 Millionen Euro bei, so dass gegenüber dem Vorjahr unterm Strich ein Zinsüberschuss von 100 Millionen Euro fehlt.

Problemfelder lasten auf der Investmentbank

Auch im Investmentbanking, das die Commerzbank im Zuge ihres Konzernumbaus weiter verkleinern will, hat sich die Bank trotz des schwierigen Marktumfelds gefangen. Nachdem sich der operative Gewinn der Commerzbank dort im ersten Halbjahr noch mehr als halbiert hatte, gab es im dritten Quartal einen Anstieg um rund 50 Prozent auf 104 Millionen Euro. Dies liegt jedoch in erster Linie an einer schwachen Vergleichsbasis aus dem dritten Quartal 2015. 

Stützend wirkte das lebhafte Kapitalmarktgeschäft mit Firmenkunden, vor allem im Fremdkapitalbereich. Schwere Rückgänge hingegen verzeichnen die Geschäftsbereiche Equity Markets & Commodities (EMC), Credit Portfolio Management (CPM) und ganz generell das Geschäft mit anderen Finanzdienstleistern. Diese Problemfelder will der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke noch schließen beziehungsweise dramatisch verkleinern, bevor die Investmentbank mit dem Firmenkundengeschäft zusammengelegt wird und Investmentbanking-Chef Michael Reuther die Leitung der neuen Geschäftseinheit übernimmt. Das EMC-Geschäft hat die Commerzbank schon zum Verkauf gestellt. 

Risikoabbau stärkt Kernkapitalquote der Commerzbank

Insgesamt hat die Commerzbank mit ihren Quartalszahlen besser abgeschnitten als von den Analysten erwartet. Der von Wertberichtigungen wegen der anstehenden Restrukturierung verursachte Nettoverlust von 288 Millionen Euro war niedriger als befürchtet, allerdings vor allem deshalb, weil weniger Steuerbelastungen und Goodwill-Abschreibungen anfielen als erwartet und ein positiver Ergebniseffekt aus der Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten entstand. Auch das Privatkundengeschäft schloss mit einem nur leichten Minus im dritten Quartal über den Erwartungen ab. Dort stemmt sich die Commerzbank mit einem deutlichen Ausbau des Hypothekengeschäfts am heiß laufenden deutschen Immobilienmarkt gegen den allgemeinen Zinsdruck.

Auch bei der Stärkung ihrer Kapitalbasis kommt die Commerzbank nach wie vor schneller voran als zum Beispiel die Deutsche Bank. Während die Deutsche Bank derzeit eine harte Kernkapitalquote von 11,1 Prozent ausweist und dort seit Jahren wegen der milliardenschweren Rechtsrisiken kaum zulegt, berichtet die Commerzbank von einem Anstieg ihrer Kernkapitalquote auf 11,8 Prozent. Nach dem ersten Halbjahr lag diese Kennziffer noch bei 11,5 Prozent, nach dem dritten Quartal 2015 bei 10,8 Prozent.

Allerdings beruht der Anstieg nicht darauf, dass das Kapitalpolster dicker wird, sondern allein auf dem Abbau der risikogewichteten Aktiva (RWAs), die gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 213 auf 195 Milliarden Euro gesenkt werden konnten. Dadurch kletterte auch die Leverage Ratio der Commerzbank von 4,1 auf 4,5 Prozent. Indes: Die Ratingagentur Moody’s warnte unlängst, dass die Kapitalbasis der Commerzbank wegen der anfallenden Milliardenkosten für den Umbau bald wieder dünner werden dürfte.

Schlecht für das Firmenkundengeschäft: Mit 70 Milliarden Euro benötigt die Mittelstandsbank dreieinhalb mal so viele RWAs wie das Privatkundengeschäft, um in etwa den gleichen Gewinn zu erzielen.    

Die Commerzbank-Aktie reagiert auf die Geschäftszahlen mit leichten Kursverlusten. Die Kapitalmarktbewertung spricht eine klare Sprache: Obwohl sich die Aktie in den vergangenen drei Monaten um über 15 Prozent erholen konnte, liegt ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis nach wie vor bei extrem schwachen 0,3. Einem Buchwert pro Aktie von 21,55 Euro steht ein Aktienkurs von gerade einmal 6 Euro gegenüber.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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