Die Commerzbank fischt wieder verstärkt in europäischen Gewässern und ruft eine Großkundenoffensive im Firmenkundengeschäft aus.

Commerzbank AG

08.12.15
Banking & Berater

Firmenkundengeschäft der Commerzbank wird wieder internationaler

Die Commerzbank bläst zur internationalen Großkundenoffensive. Das betrifft sowohl das Kreditgeschäft als auch das Investmentbanking.

Von 2009 an beschränkte sich die Commerzbank im Firmenkundengeschäft auf Unternehmenskunden mit Deutschlandbezug. Über die „Mittelstandsbank“ ist die Commerzbank vor allem in Deutschland sehr präsent. Nun sind die Zeiten der Zurückhaltung vorbei. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hat Europa wieder zum Kernmarkt ausgerufen und bläst damit zur Großkundenoffensive, wie ein Banksprecher gegenüber FINANCE bestätigte.

Man wolle Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 250 Millionen Euro künftig in ganz Europa als Kunden gewinnen. Laut eines Banksprechers stammt rund ein Drittel der Unternehmenskredite aus dem internationalen Geschäft. Durch die Großkundenoffensive könnte sich dieses Verhältnis verschieben. Das Ziel sei es, international „im niedrigen zweistelligen Prozentbereich“ zu wachsen. Konkrete Ziele bezüglich Neugeschäft oder Kreditvolumina nannte der Sprecher nicht. Veränderungen im Management seien nicht geplant. Die Bank will die offensive damit offensichtlich mit dem bisherigen Personal durchziehen.

Die Commerzbank stellt ihr Investmentbanking neu auf

Das Personal hat die Commerzbank in den vergangenen Jahren ohnehin schon nach und nach ausgebaut. Laut des Banksprechers wurde der Mitarbeiterstock beispielsweise in der Schweiz von rund 50 auf derzeit 130 Beschäftigte erhöht. „Neben der Schweiz sind wir in Österreich, Ungarn, Benelux, Tschechien, Italien, Großbritannien, Spanien und Frankreich seit vielen Jahren mit Standorten vertreten“, so der Sprecher. Anfang September kündigte die Commerzbank zudem an, dass sie in Brasiliens Hauptstadt São Paulo eine Tochter gründen will, die zum ersten Quartal 2016 den Geschäftsbetrieb aufnehmen soll.

Die internationale Marschroute im Firmenkundengeschäft betrifft sowohl das Kapitalmarkt-, als auch das Kreditgeschäft. Wie FINANCE vor rund einem Monat exklusiv berichtete, will sich die Commerzbank auch im Investmentbanking neu aufstellen. Dazu sollen die bisher eigenständigen Bereiche Corporate Finance und Client Relationship Management unter dem Namen „Advisory & Primary Markets“ gebündelt werden. Die Commerzbank will dadurch für internationale Großkunden sowie für CFOs im Dax und MDax interessanter werden. Auch dies fügt sich ein in den Strategiewechsel der Commerzbank.

Commerzbank schwimmt im Firmenkundengeschäft gegen den Strom

Mit der internationalen Offensive und dem Vorstoß im Investmentbanking agiert die Commerzbank entgegen den derzeitigen Trends im Bankwesen. Tendenziell stampfen die Banken unter großem Kosten- und Profitabilitätsdruck derzeit eher Geschäft ein und ziehen sich aus Ländern zurück, wie beispielsweise die Royal Bank of Scotland oder auch Deutschlands größtes Geldhaus, die Deutsche Bank. Die Commerzbank scheint diese fallen gelassenen Mandate auflesen zu wollen.

Die Suche nach Erträgen im Ausland dürfte auch der hohen Konkurrenz im deutschen Markt geschuldet sein. Ein Blick auf die 9-Monats-Zahlen für 2015 zeigt, dass das operative Ergebnis der Mittelstandsbank im Vergleich zum Vorjahreswert von 365 Millionen Euro auf 216 Millionen gesunken ist. Auch der Gewinn des Bereichs Corporates & Markets schrumpfte von 157 auf 77 Millionen Euro zusammen. Das Segment Central & Europe dagegen blieb mit 93 Millionen Euro konstant.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Markt um deutsche Firmenkunden ist unter den Banken hart umkämpft. Wie sich die Geldhäuser schlagen, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft.