SeanPavonePhoto/Thinkstock/Getty Images

09.08.16
Banking & Berater

Firmenkundengeschäft: Erträge fallen auf Finanzkrisen-Niveau

Historisch niedrige Zinsen, kaum Provisionsgeschäft, explodierende Kosten – das Firmenkundengeschäft der deutschen Banken steht von allen Seiten unter Druck. Die Banken müssen jetzt die Reißleine ziehen.

Das einst lukrative Firmenkundengeschäft droht den deutschen Banken wegzubrechen: Im zweiten Halbjahr 2015 fiel der Ertrag des Geschäftsfeldes um 4 Prozent, die Profitabilität brach gegenüber dem ersten Halbjahr gar um 10 Prozent ein. Das geht aus dem heute veröffentlichten Corporate-Banking-Index der Unternehmensberatung Bain & Company hervor. Damit liegt der Ertrag mit aktuell 136 Punkten nur noch einen Punkt über dem Indexwert der ersten sechs Monate des Finanzkrisenjahres 2009. Damals stockte das Geschäft erheblich, aber die Zinsmargen waren deutlich höher als heute.

Gegenüber der besten Zeit im Firmenkundengeschäft fällt der Vergleich besonders krass aus: Im ersten Halbjahr 2011 hatten die deutschen Banken noch eine Top-Performance von 175 Punkten (Ertrag) und 159 Punkten (Profitabilität) erzielt.

Wettbewerb, Negativzinsen, wenig Cross-Selling

Damit hinterlässt der knallharte Wettbewerb um die Gunst deutscher CFOs deutliche Spuren in den Bilanzen der deutschen Banken. Doch die Gründe für den Absturz sind vielfältig: Der Druck der EZB auf die Zinsen verschärft sich immer weiter, der Zinsüberschuss der Banken erodiert. Die Kreditmarge schrumpft von 1,9 auf 1,4 Prozent. Damit liegt sie nur noch 0,1 Prozentpunkte über den historischen Tiefstständen von 2008. Im ersten Halbjahr 2016 dürften diese dann endgültig unterboten werden.

Zeitgleich schwächelt auch noch das Cross Selling: Anders als im ersten Halbjahr 2015 konnten die Banken ihr schwaches Zinsergebnis in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr durch höhere Provisionseinnahmen kompensieren. 

Jan-Alexander Huber, Partner und Corporate-Banking-Experte bei Bain, weist jedoch auf erhebliche Unterschiede innerhalb der Branche hin: „Einzelne Institute erzielen mit Kernkunden im Kreditgeschäft weiterhin durchaus attraktive Renditen. Ihr effizienter und fokussierter Vertrieb zahlt sich sichtbar aus.“

Cost-Income-Ratio im Firmenkundengeschäft steigt

Das Gros der untersuchten deutschen Banken hat in Sachen Effizienz allerdings noch einen großen Berg Arbeit vor sich, denn die Kostenexplosion geht weiter. Die Cost-Income-Ratio stieg im zweiten Halbjahr auf 43 Prozent. Sie liegt damit zwar immer noch weit unter den Kostenniveaus im Privatkundengeschäft. Aber  noch nie seit der Jahreswende 2008/2009 mussten Banken im Firmenkundengeschäft so viel Geld ausgeben, um Einnahmen zu erzielen.

Bain führt den Kostenanstieg vor allem auf die steigende Verwaltungskosten im Firmenkundengeschäft zurück. Das liege vor allem an der Anpassung der Tarifgehälter sowie der Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen, schreibt die Unternehmensberatung. Die von diversen Instituten angestoßenen Sparprogramme scheinen dagegen nicht anzukommen.

Entlastend auf das Ergebnis wirkten sich hingegen die nach wie vor gute Konjunktur und die rückläufigen Firmeninsolvenzen in Deutschland aus. Die Kreditrisikovorsorge lag deshalb nach Angaben von Bain auch im zweiten Halbjahr 2015 weit unter dem langjährigen Durchschnitt.

Banken brauchen mehr Effizienz und neue Geschäftsmodelle

Die Gemengelage aus steigenden Kosten und schrumpfenden Margen hat entsprechende Folgen: Mit 14 Prozent näherte sich auch die Eigenkapitalrendite ihrem Tiefpunkt. Sie hatte im ersten Halbjahr 2015 noch bei 17 Prozent gelegen. Trotz des Profitabilitätsverfalls schlägt Bain noch keinen Alarm, denn auch bei der Rendite schlägt das Firmenkundengeschäft die meisten anderen Geschäftsbereiche der Banken um Längen.

„Corporate-Banking bleibt attraktiv“, sagt Berater Huber. „Dafür sprechen die immer noch zweistelligen Eigenkapitalrenditen.“ Doch er sendet auch eine Warnung an die Bankchefs: „Nur mit neuen strategischen Ansätzen und höchster Effizienz können die Banken in diesem Markt auf Dauer bestehen.“ Bislang scheinen die Banken darauf noch keine adäquate Antwort gefunden zu haben.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Wie sich die deutschen Banken im Kampf um deutsche Firmenkunden schlagen, das lesen Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.