Hält seine Bank gut für die Coronakrise gerüstet: CEO Stefan Ermisch.

Hamburg Commercial Bank

17.04.20
Banking & Berater

Hamburg Commercial Bank mistet weiter aus

Die HCOB schrumpft sich von der Landesbank zum Spezialfinanzierer und trennt sich dafür von unprofitablen Firmenkunden. Das Credo lautet: Syndizieren statt finanzieren und selektives Neugeschäft eingehen.

Die Hamburg Commercial Bank (HCOB) hat das erste Jahr nach der Privatisierung hinter sich gebracht. CEO Stefan Ermisch zeigte sich gestern in einer Telefonkonferenz mit Journalisten mit dem Jahr 2019 sehr zufrieden. Nicht, weil die HCOB ein Gewinnfeuerwerk abgebrannt hat, sondern weil sie bei ihrer Restrukturierung und ihrem Schrumpfkurs gut vorangekommen ist und sich für die Coronavirus-Krise gut gewappnet sieht. 

Die frühere HSH Nordbank befindet sich mitten im Umbau von einer Landesbank zu einem Spezialfinanzierer, der laut Ermisch „im Massengeschäft überhaupt nichts verloren hat“. Das gelte auch für das Firmenkundengeschäft, das die Bank im Segment „Corporates & Structured Finance“ bündelt. Dieses wird seit Januar von Thomas Jakob geleitet, der von der HVB kam, wo er zuletzt die Region Südwest der Unternehmerbank leitete.

Im Firmenkundengeschäft konzentriert sich die Hamburg Commercial Bank vor allem auf vier Branchen: Energie, Industrie & Dienstleistungen, Infrastruktur sowie Handel & Ernährung, die zusammen über 90 Prozent des Kreditportfolios ausmachen. Von unprofitablen Firmenkundenbeziehungen hat sich die Bank sukzessive getrennt, was folglich auch bei den Erträgen zu spüren ist. 

HCOB: Erträge im Firmenkundengeschäft sinken

Die Erträge sind im Firmenkundengeschäft 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund 27 Prozent auf 199 Millionen Euro gesunken. Allerdings sind die Kosten nur um 18 Prozent auf 147 Millionen Euro zurückgegangen. Die Risikovorsorge ist demgegenüber um rund 17 Prozent auf 63 Millionen Euro gestiegen. Unter dem Strich stand im Firmenkundengeschäft ein Vorsteuerverlust von 36 Millionen Euro. 

„Durch die Coronakrise ist der Markt natürlich erst einmal blockiert.“

Stefan Ermisch, CEO, Hamburg Commercial Bank

Mit ihrer Schrumpfkur ist die HCOB noch lange nicht am Ende – die Bilanzsumme soll bis 2022 von derzeit rund 48 auf 30 Milliarden Euro sinken. Um die Erträge im Firmenkundengeschäft künftig dennoch zu steigern, will CEO Ermisch die Hamburg Commercial Bank stärker als Corporate-Finance-Bank positionieren. Mehr Kredite strukturieren und syndizieren und weniger die eigene Bilanz nutzen, so lautet das Credo. „Vor Corona hatten wir Syndizierungserfolge“, berichtete Ermisch. Durch die Coronakrise sei der Markt natürlich erst einmal blockiert, aber die Blockade werde sich auch wieder lösen. 

Thomas Jakob könnte für den Ausbau der richtige Mann sein. Er leitete jahrelang das Corporate-Finance-Geschäft der Hypovereinsbank und baute anschließend für die Kreissparkasse Biberach das Konsortial- und Syndizierungsgeschäft auf. In der mittelständischen LBO-Strukturierung drehen die Schwaben inzwischen ein relativ großes Rad.  

Hamburg Commercial Bank verdient mehr mit Immobilien

In anderen Geschäftsfeldern lief es für die Hamburg Commercial Bank 2019 ergebnisseitig besser als im Firmenkundengeschäft. In der Immobilienfinanzierung kletterten die Erträge um 40 Prozent auf 266 Millionen Euro, und der Vorsteuergewinn hat sich mit 161 Millionen Euro beinahe verfünffacht. 

Auch in der Schiffsfinanzierung ist die HCOB gewachsen, was angesichts des desaströsen Jahres 2018 allerdings auch nicht sonderlich schwierig war. Die Erträge legten leicht um 7 Prozent auf 116 Millionen Euro zu, und der Vorsteuergewinn drehte von minus 182 auf plus 124 Millionen Euro.

Der neue Geschäftsbereich „Diversified Lending & Markets“ konzentriert sich auf das noch im Aufbau befindliche internationale Firmenkundengeschäft und das „Special Situations“-Geschäft außerhalb der Kernkundensegmente. Zudem umfasst er die Kapitalmarktaktivtäten der HCOB. Hier gingen die Erträge 2019 um 42 Prozent auf 96 Millionen Euro zurück und der Vorsteuergewinn drittelte sich in etwa auf 33 Millionen Euro. 

Der Bereich „Sonstige und Überleitung“ – eine Art Auffangbecken – schloss mit einem Vorsteuerverlust von 205 Millionen Euro ab. Belastet wurde das Ergebnis durch den Rückkauf von Hybridkapital in Höhe von 181 Millionen Euro. Im Vorjahr habe sich die Bewertung von Hybridinstrumenten noch mit 994 Millionen Euro positiv auf die Erträge ausgewirkt, erklärte die Bank.  

HCOB macht unter dem Strich Gewinn

Auf Gesamtbankebene bleibt das Ergebnis positiv, allerdings erzielte die HCOB mit 463 Millionen Euro im Jahr 2019 nur rund ein Drittel der Erträge des Vorjahres. Das Vorsteuerergebnis fiel mit 77 Millionen Euro rund 20 Prozent geringer aus als 2018. Für das laufende Geschäftsjahr geht CEO Ermisch davon aus, dass die Bank wieder einen Gewinn erwirtschaften kann – trotz Corona.

Für die Coronakrise und eine damit verbundenen Rezession scheint die Hamburg Commercial Bank ganz gut gerüstet. Das Volumen notleidender Kredite betrug Ende 2019 noch 872 Millionen Euro, was gemessen am Gesamtexposure nur 1,8 Prozent ausmachte. Ein Großteil der Non-Performing Exposures (NPE) sei zudem durch Sicherheiten abgedeckt. „Die niedrige NPE-Quote wird sich nun auch in der Coronakrise auszahlen“, hofft Ermisch.

„Die niedrige NPE-Quote wird sich nun auch in der Coronakrise auszahlen.“ 

Stefan Ermisch

Zudem sei die Bank wegen des enormen Wettbewerbs schon seit Jahren in den zyklischen Sektoren wie Maschinenbau, Automotive oder der Zuliefererindustrie kaum noch engagiert. Ein Blick in das Firmenkundenkreditbuch der HCOB zeigt: 34 Prozent des Kreditvolumens entfallen auf den Bereich Energie, weitere 25 Prozent auf Industrie & Dienstleistungen. 18 Prozent stecken im Infrastruktursektor und 15 Prozent im Bereich Handel & Ernährung. Zudem sind 70 Prozent des Portfolios im Investmentgrade-Bereich. 

Die Altlasten der Bank sind größtenteils bereinigt, und die Risikovorsorge war 2019 mit 11 Millionen Euro marginal. So niedrig wird sie jedoch nicht bleiben. Für 2020 sei Ermisch zufolge Risikovorsorge zwischen 80 und 100 Millionen Euro geplant. 

HCOB steigert Neugeschäftsmarge

Beim Neugeschäft ging die Bank Ermisch zufolge 2019 behutsam vor und wolle dies auch in diesem Jahr fortsetzen. Waren für 2020 ursprünglich rund 7 Milliarden Euro Neugeschäft geplant, geht der HCOB-Chef wegen der Corona-Folgen nun eher von 5 Milliarden Euro aus. Man wolle sich auf die starke Kapitalausstattung konzentrieren. Diese ist nötig, damit der im Zuge der Privatisierung geplante Wechsel vom Sicherungsverbund der Sparkassen in den Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes gelingt. 

Durch den schärferen Fokus und Dank der günstigeren Refinanzierungsmöglichkeiten als Privatbank konnte die HCOB die Margen im Neugeschäft steigern. Der Bank zufolge stiegen diese 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 116 auf 125 Basispunkte.

Mit 18,5 Prozent verfügte die HCOB Ende 2019 zudem über eine solide harte Kernkapitalquote (CET1), die Ermisch zufolge zum Ende des ersten Quartals sogar auf rund 20 Prozent gestiegen ist – das ist der Zielwert der Bank für 2022.

„Wir arbeiten daran und hoffen, dass wir das bald korrigieren können.“

Stefan Ermisch

Dennoch hat die HCOB mit rund 160 Basispunkten derzeit die mit Abstand höchsten Risikoprämien. Mit sogenannten Credit Default Swaps versichern sich Investoren am Kapitalmarkt gegen den Ausfall einer Bank. Die hohen Risikoprämien gefallen auch Ermisch nicht. Er begründet den hohen Spread allerdings nicht damit, dass Investoren sich um die HCOB sorgten, sondern vielmehr mit der geringen Liquidität dieser Finanzinstrumente. „Wir arbeiten daran und hoffen, dass wir das bald korrigieren können“, so Ermisch.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de