HSBC Deutschland

22.02.18
Banking & Berater

HSBC Deutschland macht weniger Gewinn mit Firmenkunden

Der Jahresüberschuss der HSBC Deutschland mit Firmenkunden ist 2017 gesunken. Das liegt vor allem an zwei großen Abschreibungen und einer Besonderheit im Geschäft mit deutschen Mittelständlern.

Die HSBC Deutschland machte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 mit Firmenkunden unter dem Strich zwar etwas mehr Ertrag als im Vorjahr. Das operative Ergebnis vor Risikovorsorge  Zins-, Provisionsüberschuss und Handelsergebnis  im Geschäftssegment Corporate & Institutional Banking (CIB) wuchs gegenüber dem Vorjahr leicht um 1,5 Prozent auf 627,1 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss vor Steuern sank dagegen um 5 Prozent auf 181,7 Millionen.

Das CIB der HSBC Deutschland besteht aus dem Commercial Banking, wo die Bank ihr klassisches Kreditgeschäft mit Mittelständlern bündelt, und dem Geschäftsbereich Global Banking & Markets, der die Großkunden und das Investmentbanking umfasst.

Innerhalb des CIBs haben sich die Erträge gegenläufig entwickelt. Das operative Ergebnis vor Risikovorsorge im Commercial Banking ging 2017 gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent auf 163,7 Millionen Euro zurück. Sowohl der Zins- als auch der Provisionsüberschuss sind gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der operative Gewinn vor Risikovorsorge im Bereich Global Banking & Markets stieg dagegen um 4,1 Prozent auf 463,4 Millionen Euro an, da die Bank beim Zins- und Provisionsüberschuss zulegen konnte. 2016 waren beide Bereiche noch stark gewachsen.

HSBC-CFO Paul Hagen: „Wir halten unser Pulver trocken“

„Wir halten unser Pulver trocken und setzen nicht unser gesamtes Kapital ein. Der Margendruck erschwert es, eine vernünftige Eigenkapitalrendite auf den Kredit zu erzielen.“

Paul Hagen, CFO HSBC Deutschland

Laut HSBC-Finanzchef Paul Hagen sind die Provisionserträge mit Mittelständlern aus der Strukturierung von Kreditlinien gesunken, da sich deutsche Firmenkunden bereits in den letzten Jahren flächendeckend refinanziert hätten. Von den rund 20 Milliarden Euro an Firmenkreditlinien seien weniger als die Hälfte gezogen. „Wir halten unser Pulver trocken und setzen nicht unser gesamtes Kapital ein. Der Margendruck erschwert es, eine vernünftige Eigenkapitalrendite auf den Kredit zu erzielen“, so Hagen. 

HSBC-Deutschland-Chefin Carola von Schmettow fügt an, dass sich nicht alle Erträge mit deutschen Mittelständlern in der deutschen Bilanz wiederfinden, da einige deutsche Firmenkunden in die globale HSBC-Gruppe vermittelt würden. „Etwa die Hälfte der Erträge mit Mittelständlern werden im Ausland verbucht“, berichtet von Schmettow. Die Erträge mit deutschen globalen Mittelständlern in der Gruppe seien 2017 um 10 Prozent gewachsen. 

„Etwa die Hälfte der Erträge mit Mittelständlern werden im Ausland verbucht.“

Carola von Schmettow, CEO HSBC Deutschland

HSBC Deutschland wächst bei Fixe-Income-Produkten

Der operative Gewinnzuwachs bei den Großkunden und im Investmentbanking liegt unter anderem daran, dass die HSBC anders als die meisten europäischen Banken offenbar verhältnismäßig gut durch das zuletzt schwierige Marktumfeld beim Handel mit Fixed-Income-, Währungs- und Rohstoffprodukten (FICC) gekommen ist. 

Zwar sind die Provisionserträge im Devisenhandel laut CFO Hagen um 10 Prozent auf 58,5 Millionen Euro gesunken. Das Fixed-Income-Geschäft sei 2017 jedoch gegen den allgemeinen Markttrend im einstelligen Prozentbereich gewachsen. Genauere Angaben machte die Bank dazu auf Nachfrage nicht.

Da die Bank für zwei Firmenkunden größere außerplanmäßige Wertberichtigungen bilden musste, stieg die Risikovorsorge gegenüber dem Vorjahr stark an, von 4,4 Millionen auf 23,9 Millionen Euro. Laut CFO Hagen handelt es sich bei keinem der beiden Unternehmen um Insolvenzfälle. 

HSBC Deutschland steigert Provisionsüberschuss

Da die Verwaltungsaufwendungen auf 559,7 Millionen Euro gesunken sind und die Bank einen um 32 Millionen Euro höheren Vorsteuergewinn im Treasury erzielte, verbuchte die HSBC Deutschland insgesamt unter dem Strich einen Vorsteuergewinn von 251,3 Millionen Euro – rund 9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zwar konnte auch die HSBC Deutschland auf Gesamtbankebene den geringeren Zinsertrag im Zuge der Niedrigzinspolitik nicht durch größere Kreditvolumina kompensieren – der Zinsüberschuss 2017 sank von 211,4 Millionen auf 197,9 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss wuchs dagegen um 1,7 Prozent auf 482,9 Millionen Euro und ist damit weiterhin die wichtigste Ertragsquelle der Bank.

HSBC Deutschland rechnet 2018 mit weniger Gewinn

Die Provisionen will die HSBC in Zukunft noch weiter steigern. Zum einen erhofft sich die Bank, dass durch die Vermittlung deutscher Firmenkunden in die HSBC-Gruppe die Firmenkundenbeziehung tiefer wird. Dadurch sollen auch mehr Erträge in Deutschland anfallen. Zum anderen baut die HSBC ihr Wertpapierdienstleistungsgeschäft aus. Laut Carola von Schmettow ist die Bank gemessen an der Transaktionszahl mit 55 Millionen Trades bereits der größte Dienstleister in diesem Segment. Durch den Deal mit der Commerzbank würde diese Zahl nahezu verdoppelt. Die Düsseldorfer werden ab 2020 die komplette Wertpapierabwicklung der Frankfurter übernehmen.

Die HSBC-Chefin kündigte zudem ein großes Investitionsprogramm an. Zum ersten mal in der Geschichte der Bank sollen 2018 mehr als 100 Millionen Euro in mehrjährige Programme investiert werden, um Geschäftsprozesse zu digitalisieren und die Kapazitäten für das wachsende Wertpapierdienstleistungsgeschäft aufzubauen. Dazu will die Bank allein 200 Mitarbeiter einstellen, die teilweise von der Commerzbank kommen sollen.

Für 2018 rechnet die HSBC damit, dass die Kosten schneller steigen werden als die Erträge, die nur im einstelligen Prozentbereich wachsen sollen. Die aktuelle Cost-Income-Ratio von 67 Prozent wird die Bank deshalb vermutlich nicht halten können. Das Vorsteuerergebnis könnte deshalb durchaus um 10 Prozent niedriger ausfallen als 2017.

Wie die anderen Banken 2017 im Corporate Banking abgeschnitten haben, zeigt die Themenseite zum Firmenkundengeschäft.