Die geplante Privatisierung der HSH Nordbank hat noch einige Stolpersteine. Der DSGV hat jetzt zumindest einen beseitigt.

HSH Nordbank

19.06.18
Banking & Berater

HSH Nordbank kommt Privatisierung ein Stück näher

Die HSH Nordbank darf nach der Übernahme durch Finanzinvestoren ein Jahr länger als üblich im Haftungsverbund der Sparkassen bleiben. Doch reicht das aus, um die Verhandlungen mit dem Privatbankenverband zu beschleunigen?

Die HSH Nordbank kommt der anvisierten Privatisierung ein Stück näher: Die Sparkassen haben die Satzung ihres Sicherungssystems geändert, sodass die HSH die Institutssicherung der Sparkassen-Finanzgruppe nicht schon nach zwei, sondern erst nach drei Jahren verlassen müsste.

„Die Änderung kann für die HSH Nordbank Anwendung finden, um einen nahtlosen Übergang in das Sicherungssystem des privaten Bankgewerbes zu ermöglichen“, teilte der DSGV auf Anfrage mit. Damit könnte die HSH eine wichtige Hürde genommen haben, um nach der Übernahme durch die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers in das Sicherungssystem der Privatbanken übertreten zu können.

HSH Nordbank beseitigt Privatisierungsstolperstein

Bisher war unklar, ab wann die privatisierte HSH Nordbank den vollen Einlagenschutz der Privatbanken genießen soll. Wegen der Privatisierung muss die Bank die Institutssicherung der Sparkassen-Finanzgruppe eigentlich schon nach zwei Jahren verlassen und in die Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) wechseln. Da neue Mitglieder in den ersten drei Jahren aber nur einen begrenzten Schutz von 250.000 Euro je Anleger haben, hielten Experten dies für unzureichend.

Der BdB hatte Anfang Mai allerdings auch deutlich gemacht, dass er eine Übergangslösung in Form einer doppelten Mitgliedschaft im Sicherungssystem der Sparkassen und der Privatbanken nicht für praktikabel halte. Bliebe die HSH aber ein Jahr länger im Sicherungssystem der Sparkassen, dürfte sie leichter an die noch ausstehenden Freigaben der Hamburger Bürgerschaft, der EU-Kommission und der Europäischen Bankenaufsicht kommen, die für den Vollzug der Transaktion notwendig sind.

Laut „Reuters“ sprechen die Beteiligten derzeit darüber, wie der Übergang technisch geregelt werden kann. Der BdB prüfe den Aufnahmeantrag der HSH, rechne aber mit einer Entscheidung dazu nicht vor Jahresende. HSH-Chef Ermisch hatte Anfang Mai betont, dass die Privatisierung wie geplant voranschreite und Anfang der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden könne.

HSH Nordbank investiert wieder in Schiffe

Die Haftungsfrage war allerdings nicht die einzige Aufnahmehürde in den BdB: Dessen Hauptgeschäftsführer Christian Ossig monierte Anfang Mai auch, dass der BdB Probleme bei der Due Diligence der HSH Nordbank habe. Bevor man kein klares Bild der Bank habe, gäbe es nichts zu verhandeln, so Ossig damals. Für die Aufnahme in den Haftungsverbund des BdB müsse die Bank „ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell nachweisen“.

Ob und wie die Bank diese Hürde nehmen kann, ist unklar. Vor wenigen Tagen erst kündigte die HSH gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an, bis zum Jahr 2022 jährlich bis zu 700 Millionen Euro in Schiffe zu investieren, also in jenes Geschäft, das die HSH Nordbank nach der Finanzkrise an den Rand des Ruins brachte und eine staatliche Rettung erforderlich machte. Der zuständige HSH-Manager Christian Nieswandt kündigte in dem Artikel an, dass die Bank „qualitativ hochwertiges Geschäft“ suche. Nie habe es einen Zeitpunkt gegeben, „indem so viel Qualitätsportfolio bereit stand.“

Geschäft wittert die HSH deshalb vor allem auf dem Sekundärmarkt, da sich viele Banken in der Schiffsfinanzierung die Finger verbrannt haben und deshalb auf dem Rückzug sind. „Wir haben viele Lektionen gelernt“, sagte Nieswandt in dem Artikel. Die Bank wolle das Geschäft auch nicht im gleichen Umfang wie früher betreiben und stärker ins Ausland blicken, da es in Deutschland nicht so viele bankfähige Transaktionen gebe.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de