Unter den Gläubigern bestimmter Wertpapiere der HSH Nordbank regt sich Widerstand gegen die Ausgestaltung des Privatisierungsprozesses.

HSH Nordbank

07.03.18
Banking & Berater

Hybridgläubigern drohen Verluste durch HSH-Nordbank-Deal

Gegen den Privatisierungsprozess der HSH Nordbank formiert sich Protest: Die Hybridgläubiger der Bank sehen die Ausgestaltung des Deals kritisch. Ihnen drohen hohe Verluste.

Der vergangene Woche angestoßene Verkauf der HSH Nordbank an eine Investorengruppe um Cerberus und JC Flowers  bekommt Gegenwind: Eine Gruppe von Gläubigern sieht die Ausgestaltung des Deals kritisch und fordert andere Investoren auf, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen, um sich zu organisieren.

Konkret handelt es sich um deutsche und internationale Investoren, die Tier 1- und Tier 2-Instrumente halten, also nachrangige, hybride Papiere, die Banken zur Stärkung ihres Eigenkapitals begeben. Die Gläubiger, die sich nun formieren wollen, sind keine kleine Gruppe – sie sind im Besitz von Papieren mit einem Nennbetrag von mehr als 1 Milliarde Euro, die direkt oder indirekt von der HSH Nordbank begeben worden sind.

HSH erwartet Verlust in dreistelliger Millionenhöhe

Die Kritik kommt nicht von ungefähr. Den Haltern dieser Papiere, die als Mischform aus Eigen- und Fremdkapital gesehen werden, drohen deutliche Verluste. Die Gläubiger tragen gemäß der Vertragsbestimmungen der einzelnen Instrumente einen Verlust der Bank mit. Und der könnte aufgrund der Ausgestaltung des Deals für das vergangene Jahr deutlich ausfallen.

Die HSH Nordbank hat angekündigt, dass ein Portfolio notleidender Kredite an ein Vehikel der neuen Eigentümer (ohne Beteiligung der Bawag) verkauft werden soll. Da die Kredite zu einem Preis unter dem derzeitigen Buchwert verkauft werden, wird das eine Wertberichtung bei der HSH Nordbank nach sich ziehen. Die Bank rechnet mit einem IFRS-Jahresverlust vor Steuern im dreistelligen Millionenbereich. Der für die Hybridanleihen ausschlaggebende Verlust nach HGB dürfte sogar noch größer ausfallen.

Den Haltern dieser Papiere, die als Mischform aus Eigen- und Fremdkapital gesehen werden, drohen deutliche Verluste.

Hybridgläubiger müssen mit Abschreibungen rechnen

Welche Auswirkungen dieses Ergebnis auf Tier 1-Hybridanleihen haben könnte, hat das Bankhaus Metzler in einer aktuellen Analyse dargestellt. Der aktuelle Nominalwert der Bonds liegt bei 52,4 Prozent. Bei einem HGB-Verlust von 500 Millionen Euro schätzten die Analysten die Abschreibung auf etwa 11,5 Prozent ein. Würde der Verlust 1 Milliarde Euro betragen, so müssten laut Metzler etwa 23 Prozent abgeschrieben werden. Die neuen Buchwerte der Bonds lägen damit in etwa zwischen 41 oder 29 Prozent.

Die Analysten von Metzler rechnen damit, dass der Verlust der HSH Nordbank eher am oberen Ende dieser Spanne liegen wird. Wie hoch der Verlust und die Abschreibungen tatsächlich ausfallen werden, wird sich erst am 26. April nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses der HSH Nordbank zeigen.

HSH Nordbank will Kupons erst wieder ab 2024 zahlen

Doch die Verlustbeteiligung ist nicht das einzige, was den Hybridgläubigern missfallen dürfte. Die HSH Nordbank hat vergangene Woche im Zuge der Deal-Meldung ebenfalls mitgeteilt, dass sie erst ab 2024 für das vorangegangene Geschäftsjahr Ausschüttungen für die ausstehenden Hybridkapitalinstrumente leisten kann. Ursprünglich hatten die Investoren damit gerechnet, dass die Bank bereits ab 2020 (für 2019) wieder Kupons auszahlt. Als Grund für diese jahrelange Verzögerung nennt die HSH Nordbank die „nun beginnende mehrjährige Transformationsphase“.

Für die Metzler-Analysten sind die Mitteilungen der Bank ein klarer Indikator dafür, dass die Bedienung ihrer Hybridgläubiger für die HSH Nordbank derzeit keine Priorität hat. Sie rechnen nicht damit, dass das Management den bilanziellen Spielraum der Bank zu Gunsten der Hybridinvestoren nutzen wird.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de