Die ING streicht ihr Privatkundengeschäft in Österreich zusammen und will dafür das Firmenkundengeschäft stärken.

ING

03.03.21
Banking & Berater

ING legt in Österreich Fokus aufs Firmenkundengeschäft

Die ING will sich in Österreich künftig nur noch auf das Firmenkundengeschäft konzentrieren – und trennt sich im selben Atemzug vom Privatkundengeschäft.

Neue Österreichstrategie der ING: Wie die niederländische Bank heute mitteilte, will sie künftig nur noch im österreichischen Firmenkundengeschäft („Wholesale Banking“) agieren – und sich sukzessive aus dem Privatkundengeschäft zurückziehen. Bis zum Ende dieses Jahres soll der Rückzug aus dem österreichischen Privatkundengeschäft abgeschlossen sein. In Österreich hat die ING ein Büro in Wien.

„Wir sind in Österreich in mehr als 18 Jahren moderat, aber stetig gewachsen und haben in einem etablierten Bankenmarkt Fuß fassen können“, so Barbaros Uygun, CEO der ING in Österreich. Man sei allerdings als „relativ kleiner Akteur in einem gesättigten Markt an Wachstumsgrenzen“ gestoßen. Daher evaluiere die ING nun strategische Optionen, darunter auch einen möglichen Verkauf des Privatkundengeschäfts in Österreich.

Gestartet war die ING in Österreich im Jahr 2003 mit Tagesgeldkonten, später kamen auch Girokonten, Konsumentenkredite, Wertpapiere und Immobilienkredite hinzu. Im vergangenen Jahr zählte die Bank in Österreich 550.000 Privatkunden, davon 50.000 Hausbankkunden. Diese haben nicht nur ein Girokonto, sondern nutzen mindestens ein weiteres ING-Produkt.

Sparkunden werden zum Problem für die ING

Die ING ist in Österreich nach eigenen Angaben historisch über Sparkunden gewachsen, heute machen Spareinlagen daher mit Abstand den größten Anteil am Portfolio aus. Das ist ein Problem, weil die Bank – wie auch ihre Wettbewerber – aufgrund der aktuellen Markt- und Zinssituation mit diesen Kunden derzeit kaum Geld verdient.

Der Rückzug aus dem Privatkundengeschäft betrifft daher zunächst nur die Beziehung zu Kunden, die ausschließlich Sparkonten bei der österreichischen Dependance der ING führen – von ihnen will sich die ING bis Anfang Juni dieses Jahres trennen. Kunden mit Girokonten, Depots oder Immobilien- und Konsumkrediten sind „von diesem Schritt zunächst nicht betroffen“, teilte die Bank mit. Wann sich auch für diese Kunden etwas ändern könnte, gab die ING nicht bekannt.

ING sieht Potential bei österreichischen Firmenkunden

Als deutlich aussichtsreicher erachten die Niederländer das Firmenkundengeschäft in Österreich. Hier sieht die Bank weiterhin Wachstumspotential – vor allem beim Thema Green Finance. In Deutschland beriet die ING als „Green Advisor“ zum Beispiel BASF, Dürr und Schaeffler – ähnliche Mandate kann sich die Bank nach Angaben eines Unternehmenssprechers auch in Österreich vorstellen.

Wie sich das Österreich-Geschäft der ING im Detail entwickelt hat, publiziert die Bank nicht gesondert. Konsolidiert wird es in der Region Deutschland. Hinweise zur Stärke der Geschäftsbereiche gibt aber die Mitarbeiterzahl: Im Firmenkundengeschäft in Deutschland beschäftigt die ING nach eigenen Angaben rund 350 Mitarbeiter – für das Firmenkundengeschäft in Österreich sind hingegen mit 14 Mitarbeitern am Standort in Wien vergleichsweise wenig Arbeitnehmer tätig. Zur Einordnung: Im Privatkundengeschäft zählt die ING in Österreich 340 Mitarbeiter.

Wirecard und Corona belasten ING

Zuletzt bekam die niederländische Bank die Auswirkungen des Wirecard-Skandals zu spüren: Der Gewinn vor Steuern des Deutschlandgeschäfts lag im vergangenen Jahr bei 151 Millionen Euro, das entspricht einem Rückgang von fast zwei Dritteln. Den Rückgang schiebt die ING auf gestiegene Risikokosten, die teilweise auch durch die Insolvenz von Wirecard entstanden sein dürften.

Das Volumen des deutschen Firmenkundengeschäfts konnte die Bank hingegen leicht steigern: Die offenen Kreditzusagen an Unternehmen wuchsen 2020 im Vorjahresvergleich um etwa 15 Prozent auf knapp 13 Milliarden Euro. Verantwortlich für diesen Zuwachs waren der Bank zufolge „fast ausschließlich“ große deutsche Firmenkunden. Allerdings gaben die Erträge 2020 im Vergleich zum Vorjahr Corona-bedingt um rund 11 Prozent auf 521 Millionen Euro nach.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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