Schlechte Nachrichten für Investmentbanken: Die Gebühren sind weltweit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen, zeigen neue Zahlen von Refinitiv.

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07.10.19
Banking & Berater

Investmentbanken leiden unter Gebührenschwund

Viele Banken müssen den Gürtel enger schnallen: Das Gebührenaufkommen im Investmentbanking ist weltweit auf dem Rückzug. Nur ein einziger Bereich lässt hoffen.

Für Investmentbanken ist 2019 bislang kein einfaches Jahr. Das Gebührenaufkommen liegt weltweit nach drei Quartalen bei insgesamt 76,4 Milliarden US-Dollar, ergab eine Analyse des Datenanbieters Refinitiv. Das ist der tiefste Stand seit drei Jahren.

Mit 38 Milliarden Dollar entfällt rund die Hälfte der Gebühren auf den US-Markt. Die EMEA-Region steuerte 17,7 Milliarden Dollar bei, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 14 Prozent – ein wesentlicher Grund dafür ist Refinitiv zufolge die schwache Aktivität in den drei Kernmärkten der Region: Großbritannien, Frankreich und Deutschland. 

JP Morgan liegt im Gebühren-Ranking vorn

Das größte Stück des kleiner werdenden Gebührenkuchens sicherte sich JP Morgan: Die US-Bank erzielte den League Tables zufolge rund 5,1 Milliarden Dollar an Gebühren, das reichte erneut für die Spitze. Allerdings musste JP Morgan ein Minus von 6 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2018 hinnehmen und verlor damit überproportional – marktweit sanken die Gebühren lediglich um 4 Prozent. Goldman Sachs musste gegenüber dem Vorjahr aber sogar einen Rückgang von 8 Prozent hinnehmen und landet mit Gebühreneinnahmen von rund 4,5 Milliarden Dollar auf dem zweiten Rang.

Die Bank of America Merrill Lynch dagegen konnte bei den Gebühren gegen den Trend um 5 Prozent zulegen: 4,1 Milliarden Dollar reichen für den dritten Platz. Die Deutsche Bank, die gerade erst einen neuen Chef-Investmentbanker für die DACH-Region berufen hat, findet sich im globalen Gebührenranking insgesamt auf dem achten Rang wieder – mit bedenklicher Tendenz: Die bisherigen Einnahmen von 1,85 Milliarden Dollar bedeuten einen starken Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dreimal so viel wie der gesamte Markt.

Gebühren fallen in drei von vier Bereichen

Ein Blick auf die einzelnen Teilbereiche zeigt die besondere Herausforderung, vor der die Investmentbanken stehen: Zurzeit sinken die Gebühren in fast allen von Refinitiv betrachteten Geschäftsfeldern. Die Beratung von M&A-Deals brachte den Banken für abgeschlossene Transaktionen in den ersten neun Monaten insgesamt 21,7 Milliarden Dollar ein, das ist das schwächste Ergebnis seit drei Jahren.

Wie im Vorjahr fließen die größten Gebührentöpfe zu den US-Banken: Spitzenreiter im M&A-Geschäft ist Goldman Sachs, gefolgt von JP Morgan und Morgan Stanley. Die Deutsche Bank verbesserte sich gegenüber 2018 vom 13. auf den elften Rang.

Auch bei den syndizierten Krediten gab es weniger zu verteilen: Das Gebührenvolumen sank gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent auf insgesamt 16,1 Milliarden Dollar. Neben dem Spitzenreiter JP Morgan und der zweitplatzierten BofA ML profitierten in diesem Segment insbesondere die japanischen Banken: Im Gebührenranking für syndizierte Kredite sicherte sich die Mitsubishi UFJ Financial Group den dritten Platz, gefolgt von der Mizuho Financial Group. Die Deutsche Bank findet sich erst auf Rang 14 wieder.

Gebühren im ECM-Bereich brechen ein

Noch stärkere Einbrüche erlitten die Investmentbanken bei den Gebühren im Bereich Equity Capital Markets: Das Fee-Volumen fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Am stabilsten behauptete sich noch JP Morgan: Gegenüber dem Vorjahr fielen die Gebühren der US-Bank um lediglich 3 Prozent. Mit 1,2 Milliarden Dollar sicherte sie sich die höchsten Einnahmen im Eigenkapitalgeschäft, gefolgt von Morgan Stanley und Goldman Sachs. Ein bemerkenswerter Zuwachs gelang der BofA ML: In einem schwachen Marktumfeld legte sie sogar um 3 Prozent zu und erzielte Einnahmen von 778 Millionen Euro – Platz 4 im Ranking.

Einen Hoffnungsschimmer für die gebeutelten Investmentbanken stellt dagegen das Geschäft mit Fremdkapitaltransaktionen dar: Getrieben von attraktiven Zinskonditionen legten die Gebühren zweistellig zu: 25,6 Milliarden Dollar Fee-Volumen bedeuten ein Plus von 13 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2018. Auch in diesem Geschäft sichert sich JP Morgan die Spitzenposition (Einnahmen von 1,59 Milliarden Dollar), gefolgt von der BofA ML (1,41 Milliarden Dollar) und der Citi (1,31 Milliarden Dollar).

Die größten Zuwächse in der Spitzengruppe im DCM-Geschäft gelangen Morgan Stanley: Ein Plus von 20 Prozent auf gut 1 Milliarde Dollar reicht zu Rang 4. Die Deutsche Bank konnte ihre Gebühreneinnahmen im Fremdkapitalgeschäft dagegen gegenüber dem Vorjahr nur um 2 Prozent steigern, sie belegt mit 729 Millionen Dollar den achten Rang.

Chinesische Banken legen deutlich zu

Dass künftig noch weitere Player in den DCM League Tables mitspielen könnten, zeigt ein Blick auf die chinesischen Banken. Sie bewegen zwar noch vergleichsweise kleine Volumina, die Wachstumsraten sind jedoch enorm: Die Bank of Communications verbesserte sich mit 333 Millionen Dollar Fee-Volumen auf den 20. Rang – ein Plus von 79 Prozent.

Einen Zuwachs von 66 Prozent verzeichnete die China Construction Bank (Rang 18 mit 367 Millionen Dollar). Die Industrial & Commercial Bank China legte um 71 Prozent zu (Rang 15 mit 456 Millionen Dollar), und auch die Bank of China verbesserte sich durch ein Plus von 70 Prozent und erreichte Rang 11 im DCM-Fee-Ranking (597 Millionen Dollar).

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de