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24.07.12
Banking & Berater

Investmentbanken werden weiter schrumpfen

Die Deutsche Bank plant die Entlassung von einem Zehntel der Mitarbeiter. Ein weiteres Beispiel für die sinkende Sonne der Investment-Banking-Branche. Aber es muss wesentlich mehrPersonal entlassen werden, damit die Banken ihre schon sehr tief gesteckten Profitabilitätsziele nicht verfehlen.

Die Deutsche Bank entwickelt Pläne, fast jeden zehnten Investment-Banker zu entlassen. Letzte Woche veröffentlichte Goldman Sachs schlechte Quartalsergebnisse für das zweite Quartal. Gleichzeitig warnte die Bank, dass es, um weiterhin Kosten zu sparen, zu Kürzungen kommen und das bestehende Personal von 32.300 Mitarbeitern reduziert werden könnte.

Dies sind nur die letzten Kreditgeber, denen die von der Eurokrise bedingte Unsicherheit Schwierigkeiten macht. Mit abnehmenden Gewinnen und wenig Hoffnung auf Genesung werden die Investmentbanken bald realisieren müssen, dass ihre Kostensenkungsbemühungen noch nicht weit genug gingen und sie ihre ehemals mächtigen Operationen weiter kürzen und verkleinern müssen. Dadurch werden die Angebote für Finanzchefs noch unattraktiver werden, zumal die Auswahl abnimmt.

In der Tat ist dies ein düsteres Jahr für die Investmentbanken: Equity- und M&A-Märkte liegen noch am Boden und die Fremdkapitalmärkte orientieren sich weiterhin nach unten. Dazu ist es unwahrscheinlich, dass es bald besser wird. Ein aktueller Bericht von Roland Berger schätzt, dass die Profitabilität der Banken in Bezug auf die Eigenkapitalrente noch weiter zurückgehen wird – bis zu einem von 9 Prozent im wahrscheinlichsten Fall. Laut Bericht haben die Banken derzeit ein Ziel von 12 bis 15 Prozent. Das ist fast die Hälfte des Vorkrisenziels von 25 Prozent.

Banken steht „beispiellose Entlassungswelle" bevor

Um wieder eine zweistellige Eigenkapitalrendite zu erreichen, werden die Investmentbanken in Deutschland und den USA bis zu 15 Prozent ihrer Angestellten entlassen müssen, das entspricht ca. 75.000 Menschen. Zusätzlich müssen die Banken unrentable Geschäftsfelder verlassen, so Roland Berger. Man solle sich auf eine „beispiellose Entlassungswelle" einstellen.

Ähnlich wie die Eurozone sind auch die Banken vermutlich nicht in der Lage, solch drastische Maßnahmen selbst zu ergreifen. Bevor sie ihre Operationen kürzen, werden einige stattdessen versuchen, sie zu erweitern. Der Chief Financial Officer von Goldman Sachs, David Viniar, hat kürzlich Pläne bekannt gemacht, das Firmenkundengeschäft zu vergrößern, anstatt irgendeine Strategie zu verkünden, Teile der Bank geschlossen werden sollen.

Ausnahmen wie die RBS, die aus dem Großteil ihres Equity-Geschäfts ausgestiegen ist, und die Commerzbank sind eher Ergebnis des Drucks von Regierungen, der sich aus Staatsbeteiligungen oder Krediten ergibt.

steven.arons[at]cfo-insight.com