Auch für deutsche Banken könnte die neue Plattform von KKR eine Chance sein, notleidende Kredite loszuwerden.

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29.06.15
Banking & Berater

KKR will Banken bei faulen Krediten helfen

KKR hilft Europas Banken, Ihre notleidenden Kredite loszuwerden. Den betroffenen Unternehmen greift der PE-Investor nicht nur mit Geld, sondern auch durch Beratung unter die Arme.

Der Finanzinvestor KKR hat eine Plattform ins Leben gerufen, um faule Unternehmenskredite zu retten, die auf den Büchern europäischer Banken lasten. Gemeinsam mit einigen Geldhäusern plant KKR, die notleidenden Vermögenswerte in der Bilanz zu identifizieren und die betroffenen Unternehmen finanziell und strategisch zu unterstützen, wie es in einer Ankündigung der heißt.

KKR plant dabei, langfristig Geld in die Unternehmen zu investieren und so zu stabilisieren, dass sie ihre Bankenkredite wieder bedienen können. Außerdem sollen Experten in die einzelnen Unternehmen gehen, um sie dabei zu beraten, sich finanziell zu sanieren. Naheliegend ist, dass die Berater von der hauseigenen Unternehmensberatung Capstone kommen.

Insgesamt plant KKR, bis zu 400 Millionen US-Dollar in die Plattform zu stecken. Das Geld kommt aus verschiedenen Fonds, die von KKR gemanagt werden. Ob die Banken ihre Kredite an die Plattform übereignen oder behalten, wird im konkreten Fall entschieden. In jedem Fall wird KKR finanziell beteiligt, wenn die Kredite sich wieder erholen, schreibt KKR in der Pressemitteilung.

UniCredit und Intesa Sanpaolo machen den Anfang der KKR-Plattform

Eine erste Plattform wurde bereits in Italien aufgebaut. Weitere Plattformen in Europa sollen kurzfristig folgen, heißt es. In Italien sind die UniCredit und die Bank Intesa Sanpaolo involviert, KKR hat zusammen mit den beiden Banken bereits ein Portfolio mit Assets im Wert von bis zu 1 Milliarde Euro ausgewählt. Dabei handelt es sich um bis zu sieben Unternehmen, um die sich ein Expertenteam, das von der neuen Plattform ausgesandt wird, kümmert. Diese bereits gestartete Plattform ist auch für andere Banken und ihre Assets offen, betont Mubashir Mukadam, European Head of Special Situations bei KKR.

Das Volumen der notleidenden Vermögenswerte, auf denen die Banken sitzen, liegt in Europa bei 1,9 Billionen Euro, die notleidenden Kredite haben ein Volumen von 1,2 Billionen Euro, rechnet KKR vor. Die Banken aber zögern, diese Kredite mit Abschlag zum Buchwert zu verkaufen. Die neue Plattform könnte damit eine Antwort der Private-Equity-Branche auf staatliche „Bad Banks“ sein – samt der PE-typischen Vorgehensweise, die Zielunternehmen tiefgreifend umzubauen.

Wenn die Banken die Kredite loswürden, hätte das unter Umständen die Folge, dass sie wieder Neukunden aufnehmen könnten. „Wir haben in einer Reihe von Ländern mit dem Finanzminister oder dem Premierminister gesprochen, und sie sehen das als ein Hauptproblem“, sagte Johannes Huth, der den Bereich Europa, Afrika und arabische Welt bei KKR leitet, zur Financial Times.

julia.becker[at]finance-magazin.de