Die Eurokrise hat sich besonders auf den Konten der Investmentbanker bemerkbar gemacht.

Thinkstock / Getty Images

15.07.13
Banking & Berater

Krise schlägt im Investmentbanking am härtesten zu

Die Eurokrise hat beachtliche Spuren im Gehaltsgefüge der Banker hinterlassen. Wie tief die Einschnitte tatsächlich sind, zeigt die Deloitte Bankengehaltsstudie 2013 für Österreich, aus der FINANCE exklusiv aufbereitete Auszüge vorliegen. Besonders im Investmentbanking sind die Einbußen zum Teil massiv.

Was verdient die Konkurrenz, was bekommt der Kollege in der Nachbarabteilung? Diese Fragen beantwortet die Deloitte Bankengehaltsstudie 2013, aus der FINANCE exklusiv aufbereitete Auszüge vorliegen. In die Ergebnisse der Studie, die seit 1996 alle zwei Jahre erhoben wird, flossen dieses Mal die Aussagen von Angestellten aus rund 40 österreichischen Finanzinstituten ein, insgesamt stellen die Studienteilnehmer 20 Prozent der im Finanzwesen Beschäftigen des Landes. Bei der Auswertung unterscheidet die Studie zwischen den Levels „Junior“ (Einstiegsphase), „Professional“ und „Senior“. Als „Senior“ gelten Manager mit größerer Verantwortung, die zusätzlich zum „Professional“-Level innerhalb des Teams eine Expertenrolle wahrnehmen und auch nach außen als Spezialisten auftreten.

Zwar sind die Grundgehälter im Querschnitt seit der letzten Erhebung stabil geblieben, einzelne Abteilungen müssen dagegen in den Kreditinstituten zum Teil massive Abstriche bei ihren flexiblen Gehaltsbestandteilen machen. Vergleichsweise gut fällt noch die Bilanz für die Firmenkundenbetreuer aus: Für Professionals liegt das Median-Grundgehalt bei 54.900 Euro und damit 5 Prozent über dem Wert von 2011. Bei Senior-Mitarbeitern stagniert das Gehalt dagegen bei 68.500 Euro. Besonders für die Professionals hat sich allerdings die diesjährige Bonusrunde bezahlt gemacht: Die Extra-Zahlung lag im Schnitt 48 Prozent über dem Wert von vor zwei Jahren. Allerdings kamen bei der Bonusrunde Anfang 2013 nur noch 60 Prozent der in diesem Bereich Beschäftigten überhaupt in den Genuss einer Sonderzahlung – zuvor waren es noch 84 Prozent.

Boni im Investmentbanking brechen weg

Positiv stellen sich nur auf den ersten Blick die Ergebnisse der Investmentbanker aus dem Bereich Corporate Finance/M&A dar: Mit Median-Gehältern von 61.200 Euro (Professional) und 97.100 Euro (Senior) bleiben sie absolut gesehen die Spitzenverdiener der Branche. Besonders auf höchster Ebene haben die Gehälter der wirtschaftlichen Entwicklung sogar erstaunlich getrotzt: Personen auf einer Senior-Position verdienen heute durchschnittlich satte 18 Prozent mehr als 2011. Ganz anders sieht es dagegen bei den Boni aus: Professionals haben in diesem Jahr 15 Prozent weniger eingestrichen, auf Senior-Ebene summieren sich die Einbußen sogar auf durchschnittlich 59 Prozent. In einzelnen Funktionen wie im Bereich Anleihen-/Aktienemissionen sind die Bonuszahlungen sogar um 67 Prozent geschrumpft.

Härter als die Corporate Finance- bzw. M&A-Banker trifft es nur die Fonds- und Portfoliomanager: Haben 2011 noch 83,5 Prozent Boni kassiert, waren es in diesem Jahr nur noch 57 Prozent. Bei den Professionals ist die Höhe der Bonuszahlung um 55 Prozent eingebrochen, bei den Seniors sogar um 65 Prozent.

Statt Neueinstellung mehr Arbeit für weniger Leute

Aber nicht nur bei den Boni sparen die österreichischen Banken drastisch, auch generell hat sich die Personalpolitik geändert. Anstatt junge Spezialisten einzustellen, setzten die Kreditinstitute immer mehr darauf, mit vorhandenen Mitarbeitern alle Funktionen abzudecken, haben die Autoren beobachtet. Fehlende Neueinstellungen seien so besonders bei Aktien- und Anleiheanalysten auffällig.

Österreichs Banken liegen mit dieser Haltung genau auf der Linie ihrer europäischen Nachbarn: Die Commerzbank plant bis 2016 den Abbau von bis zu 6.000 Stellen  hauptsächlich im Privatkundengeschäft, auch die HypoVereinsbank will bis zu 800 Arbeitsplätze einsparen – möglichst ohne Kündigungen, allerdings eventuell auch im Unternehmenskundengeschäft.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de