Will auf zu neuen Ufern: Firmenkundenchef Markus Beumer wird den Umbau seines Geschäftsbereichs nicht begleiten und verlässt die Commerzbank.

Commerzbank

30.09.16
Banking & Berater

Markus Beumer verlässt die Commerzbank

Der Umbau der Commerzbank hat auch personelle Konsequenzen: Firmenkundenchef Markus Beumer wird die Bank Ende Oktober verlassen. Neuer Großkundenchef wird Ex-Investmentbanker Michael Reuther.

Nachdem die Commerzbank gestern bereits die Eckpfeiler ihrer Neuausrichtung öffentlich gemacht hat, gibt es nun weitere Details: Wie die Bank heute Mittag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mitteilte, wird Markus Beumer seinen Vorstandsposten Ende Oktober räumen. Der 52-Jährige werde auf eigenen Wunsch zu Ende Oktober von seinem bis Dezember 2020 laufenden Vertrag entbunden, erklärte die Bank.

Beumer war in den vergangenen Jahren eine feste Größe im Firmenkundengeschäft der Commerzbank, seit Anfang 2008 führte er diesen Bereich. Lange Zeit galt er in der Bank als Kronprinz des damaligen Bankchefs Martin Blessing und wurde noch zu Jahresanfang als möglicher Kandidat für den CEO-Posten gehandelt. Stattdessen trat dann aber der vorherige Privatkundenvorstand Martin Zielke die Nachfolge von Blessing an.

Dieser lobt nun, Beumer habe „die führende Position der Commerzbank als Partner des Mittelstands engagiert in einem zunehmenden Wettbewerb verteidigt und mit neuen Ideen vorangetrieben“. Besonders betonte er die Erfolge von Beumers Geschäftseinheit in der Außenhandelsfinanzierung.

Sie interessieren sich für das Thema „Commerzbank“? Dann lesen Sie auch den Magazin-Artikel „Im gelben Bereich“ für nur 1,99 € (zzgl. MwSt.).

Im gelben Bereich – Mit Martin Zielke hat ein neuer CEO das Steuer bei der Commerzbank übernommen. Wie sehen Finanzchefs den Machtwechsel und die Strategie nach Jahren der Krise?...

 

Jetzt kaufen und weiterlesen

Markus Beumer war seit 2005 bei der Commerzbank

Mit Beumer verliert die Commerzbank ein Schwergewicht im Firmenkundengeschäft. Beumer hatte nach seinem VWL-Studium 1991 als Trainee bei der Deutschen Bank in Essen begonnen. Es folgten mehrjährige Stationen bei der Dresdner Bank und der HypoVereinsbank, wo er 2004 die Leitung des Private Banking in Deutschland übernahm. 2005 wechselte er zur Commerzbank und übernahm im Jahr darauf die Konzernleitung für das Corporate Banking. Seit 2008 war er Mitglied des Vorstands und verantwortete dort die Mittelstandsbank.

Beumer sagte, die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen: „Aber nach elf Jahren im Firmenkundengeschäft der Commerzbank möchte ich mich in meinem Berufsleben noch einmal einer neuen Aufgabe widmen“, teilte er mit. Der gerade beschlossene Umbau der Firmenkundensparte werde Jahre dauern und erfordere Kontinuität. Beumer sagte, er wolle etwas Neues beginnen. Wohin es ihn zieht, ist noch nicht bekannt.

Commerzbank stellt Derivategeschäft im Zinshandel ein

Beumers bisherigen Wirkungsbereich, die Mittelstandsbank, wird die Commerzbank aufteilen: Künftig sollen die großen Mittelständler und internationalen Konzerne in der Sparte „Firmenkunden“ betreut werden. Dort wird auch das Investmentbanking angesiedelt. Die Zusammenarbeit zwischen Kundenbetreuern und Produktexperten soll dadurch verstärkt werden, hofft die Commerzbank. „Der Firmenkundenbereich erhält viel größeres Gewicht, als er heute in der Bank hat“, sagte Bankchef Martin Zielke bei der Pressekonferenz.

Die Leitung der Firmenkundensparte übernimmt der bisherige Investmentbanking-Chef Michael Reuther. Das Investmentbanking zählte allerdings zuletzt in den Augen der Firmenkunden nicht zu den stärksten Bereichen der Commerzbank. Die Bank betonte, für Firmenkunden wichtige Dienstleistungen wie das Begleiten von Emissionen sowie Absicherungsgeschäfte blieben „weiter Kernbestandteil des Commerzbank-Leistungsportfolios“.

Kleinere Änderungen gibt es aber schon: Das strukturierte Aktiengeschäft im Bereich Equity Markets & Commodities (EMC) soll ausgegliedert werden. Das Derivategeschäft im Zinshandel stellt die Bank ganz ein. Der Anleihehandel im Bereich Fixed Income & Currencies (FIC) wird reduziert. Durch diese Neuausrichtung sowie höhere Effizienz im Zuge der Digitalisierung will die Commerzbank bis 2020 Kosteneinsparungen von 1,1 Milliarden Euro erreichen.

Die Einsparungen sollen sich so richtig aber erst ab 2019 in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlagen. Einen ähnlich hohen Betrag von 1,1 Milliarden Euro muss die Commerzbank zuvor an Kosten für die Restrukturierung veranschlagen. Diese Kosten sollen vornehmlich in den Jahren 2017 und 2018 verbucht werden, Jahre, die CFO Stephan Engels denn auch als „Übergangsjahre“ bezeichnet. Das durch den Rückbau des Handelsgeschäfts freiwerdende Kapital will Zielke in das Kundengeschäft reinvestieren.

Firmenkundensegment soll Commerzbank mehr Ertrag bringen

In dem neu strukturierten Segment für Firmenkunden strebt die Commerzbank trotz des widrigen Zinsumfelds ein Ertragswachstum von über 300 Millionen Euro bis Ende 2020 an. Getragen werden soll das Wachstum von einer Digitalisierungsoffensive in diesem Bereich: Vorhandene Mittel werden neu zugeteilt, dadurch sollen künftig rund 700 Millionen Euro pro Jahr in die IT investiert werden, die Hälfte davon speziell in die Digitalisierung.

Auch den kleineren Mittelstand nimmt die Commerzbank stärker in den Fokus: Im Mittelstand mit einem Umsatz zwischen 15 und 50 Millionen Euro möchte die Commerzbank ihre Marktposition „durch internationale Kompetenz und Digitalisierung“ weiter ausbauen. Man werde das Leistungsangebot weiterentwickeln und neue digitale Produkte und Dienstleistungen einführen, kündigte die Commerzbank an. Kleine Unternehmen mit maximal 15 Millionen Euro Umsatz werden künftig in der Sparte „Privat- und Unternehmerkunden“ geführt. Die Leitung des Vorstandsbereichs Private Kunden liegt derzeit bei Michael Mandel.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wie es der Commerzbank und anderen Banken in ihrem Kerngeschäft gerade ergeht, erfahren Sie auf unserer Themenseite Firmenkundengeschäft.