Das Bankhaus Steubing forciert sein Geschäft mit Mittelstandsanleihen.

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19.07.13
Banking & Berater

Mittelstandsanleihen: Steubing forciert DCM- und Fondsgeschäft

Das Bankhaus Steubing will viel mehr Mittelstandsanleihen als bislang als Lead Arranger an den Markt begleiten und gleichzeitig mehr als 20 Millionen Euro für einen Mittelstandsanleihenfonds einwerben. Steubing-Chef Kai Jordan hat gegenüber FINANCE jetzt offengelegt, welche Ziele er mit dieser Strategie verfolgt und wie er die beiden Geschäfte voneinander abschotten will.

Das Bankhaus Steubing will seine Marktposition im Geschäft mit Mittelstandsanleihen deutlich ausbauen. Das Anfang Juni an Bord gekommene achtköpfige Team um Thomas Kaufmann  und Raimar Bock soll sich vor allem auf Mittelstandsanleihen mit einem Emissionsvolumen zwischen 20 und 100 Millionen Euro konzentrieren und dabei auch regelmäßig als Konsortialführer auftreten, sagte Steubing-Vorstand Kai Jordan im Gespräch mit FINANCE. Für das Debt-Capital-Markets-Geschäft bedeutet dies eine deutliche Forcierung, schließlich hat Steubing in den vergangenen beiden Jahren Emittenten fast immer nur im Hintergrund als Selling Agent unterstützt, aktuell etwa bei der Ausgabe einer Mittelstandsanleihe für den Maschinenbauer Rena. Federführend wurden die Emissionen von anderen Häusern begleitet.

Der Wettbewerb ist hart, räumt Jordan ein: „Im Moment ist der Markt für Mittelstandsanleihen durch die zahlreichen Emissionen, die gerade laufen, etwas überfordert.“ Jordan kritisiert auch die unzureichenden Qualitätsansprüche: „Wir achten stark darauf, nur qualitativ gute Emissionen zu bringen. Das gilt leider nicht für jeden unserer Wettbewerber.“ Doch trotz alles Skepsis hält er die Widerstandsfähigkeit des Mittelstandsanleihen-Markts für hoch genug: „Einzelne schwarze Schafe oder schwache Emittenten werden das Segment aber nicht gefährden.“ Aktuell boomt der Markt für Mittelstandsanleihen wie nie zuvor und spült den Banken, Emissionsberatern und Börsenbetreibern viel Geld in die Kasse. Gleichwohl häufen sich seit einigen Wochen die Anzeichen dafür, dass die Investorennachfrage nach Mittelstandsanleihen gesättigt ist. 

Transparenz, Vier-Augen-Prinzip und schriftliche Verpflichtungen

Mit der geplanten Auflage eines Investmentfonds für Mittelstandsanleihen hat kürzlich allerdings auch Steubing Argwohn geweckt. Die gleichzeitige Offensive im DCM- und im Fondsgeschäft birgt potentiell einen Interessenskonflikt. Jordan weist dies kategorisch zurück und konkretisiert erstmals öffentlich die Absicherungsmechanismen, die Steubing eingezogen hat, um eine ungewollte Zusammenarbeit zwischen den Emissions- und den Investmentteams zu unterbinden. „Bei allen Investmententscheidungen des Fonds gilt das Vier-Augen-Prinzip, und das Fondsteam wird niemals in unsere DCM-Projekte eingebunden. Alle meine Mitarbeiter verpflichten sich schriftlich, die Regeln einzuhalten. Außerdem werden wir unseren Investoren gegenüber die Einzelpositionen des Fonds transparent machen“, zählt Jordan die wichtigsten Eckpunkte seiner „Chinese Wall“ auf. Dieses Konzept sei auch mit Steubings Wirtschaftsprüfern abgestimmt.

Jordan bekennt sich auch persönlich explizit zu sauberen Geschäftspraktiken: „Auch ich als Vorstand werde natürlich beobachten, was dort passiert. Ich werde einen Teufel tun, die Reputation der ganzen Bank aufs Spiel zu setzen, um dafür einen Geschäftsbereich nach vorne zu bringen.“

Steubings Mittelstandsanleihenfonds hat gestern Abend die Vertriebsgenehmigung erhalten und richtet sich zunächst an institutionelle Investoren. Zum Start rechnet Jordan mit einer Fondsgröße von gut 10 Millionen Euro, er will aber schnell die Marke von 20 bis 25 Millionen Euro erreichen. „Damit kann man arbeiten – auch unter dem Gesichtspunkt der Risikodiversifikation.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de