City of London: Moody's gibt nur leise Entwarnung für die Ratings von HSBC, Barclays & Co.

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12.09.12
Banking & Berater

Moody’s: Britische Banken nach wie vor unter Druck

Die Lage der britischen Banken bessert sich allmählich, der Druck auf die Kreditportfolios lässt langsam nach. Dennoch hat Moody’s seinen negativen Ausblick für die City bestätigt hat. Das Engagement der britischen Banken im Immobilienmarkt und in der Europeripherie sorgt immer noch für Besorgnis.

Moody’s hat in einem Update seinen negativen Ausblick für das Bankensystem Großbritanniens bestätigt. Dennoch gibt es laut der Ratingagentur bei einigen Belastungen erste Anzeichen für eine Milderung innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate. „Die Banken haben Fortschritte bei der Verbesserung ihrer Liquiditätsausstattung gemacht und verlassen sich weniger auf kurzfristige Finanzierungen“, sagte Elisabeth Rudman, Analystin bei Moody’s.

Sie betonte zudem, dass sich die Kernkapitalquoten verbessert haben. Dies liege aber nicht an zusätzlich aufgenommenem oder verdientem Kapital, sondern an der kontinuierlichen Reduktion von risikobehafteten Aktiva. Die durchschnittliche Tier 1-Kernkapitalquote für die gerateten britischen Banken lag Ende 2011bei 12,5 Prozent. Die jüngsten Stresstests der European Banking Authority (EBA) haben keinen Bedarf an zusätzlichen Kapitalanforderungen für britische Banken ergeben. Laut Moody’s würden die Tier 1-Kernkapitalquoten der größten britischen Banken selbst unter einem schwerwiegenden Stressszenario über 8 Prozent bleiben.

Liquiditätspuffer fangen künftige Wertverluste ab

Nichtsdestoweniger leiden die britischen Banken unter der sich verschlechternden Wirtschaftslage in Großbritannien und der Eurokrise: „Wir sehen nach wie vor Abwärtsrisiken im Hinblick auf die Qualität von Forderungen“, sagte Rudman.

Die Analysten zeigen sich vor allem über das Engagement der Banken im gewerblichen Immobilienmarkt und in der Europeripherie besorgt. Ende 2011 hatten die fünf größten britischen Banken, darunter HSBC, Barclays und RBS, gewerbliche Immobilienkredite von insgesamt rund 150 Milliarden Pfund in den Büchern stehen, verglichen mit 164 Millionen Pfund im Jahr 2010. Das sind immer noch rund 60 Prozent des Tier 1-Kapitals. Die Kreditengagements in Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien summierten sich zuletzt auf 75 Prozent des Tier 1-Kapitals.

Dennoch erwartet Moody’s insgesamt einen weiteren Rückgang bei den Wertberichtigungen auf faule Kredite. Zudem dürften anfallende Kosten infolge von Wertverlusten größtenteils durch „große und hochqualitative Liquiditätspuffer“ abgedeckt werden. Moody’s erwartet, dass sich die Kreditportfolios der britischen Banken weniger stark verschlechtern werden als die der meisten europäischen Banken.

In Bezug auf die fortlaufenden Ermittlungen infolge der Libor-Manipulationen gibt Moody’s Entwarnung: Zunächst erwartet die Agentur nicht, dass sich die Ratings rein aufgrund von Strafzahlungen verschlechtern würden. Langfristig betrachtet könnten die Auswirkungen möglicher Gerichtsverfahren aber letztlich doch negative Auswirkungen auf die Ratings haben, warnt die Ratingagentur.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de