Der HSH-Nachfolger Hamburg Commercial Bank hat den Buchwert seiner Anleihen auf deutlich unter 10 Prozent gesenkt.

picture alliance/Christian Charisius/dpa

13.02.19
Banking & Berater

Neue Hiobsbotschaft für HSH-Gläubiger

Eine Gläubigergruppe fordert von dem HSH-Nachfolgeinstitut HCB einen Milliardenbetrag. Doch die Rückzahlungssumme könnte sogar noch geringer ausfallen als bislang angenommen.

Die Hamburg Commercial Bank (HCB, vormals HSH Nordbank) hat schlechte Nachrichten für ihre Anleihegläubiger: Wie das Geldinstitut mitteilt, sinkt der Buchwert für mehrere Wertpapiere und Hybridanleihen nach dem Bilanzierungsstandard HGB bis Ende 2020 voraussichtlich auf „deutlich unter 10 Prozent“. Bisher war die HCB von einem Buchwert von rund 15 Prozent ausgegangen. Ende 2017 lag der Buchwert noch bei fast 40 Prozent.

Das dürfte den Konflikt mit den Anleiheinvestoren weiter verschärfen: Anfang des Jahres hatte eine Gläubigergruppe die Landesbank auf 1,4 Milliarden Euro verklagt. Sie wirft der HCB vor, den Wert mehrerer Anleihen mittels unlauterer Bilanzierungspraktiken heruntergeschrieben zu haben. Insgesamt hat die HCB Anleihen im Nominalvolumen von 1,7 Milliarden Euro am Markt. Das Institut betonte seinerzeit, man halte die Vorwürfe für substanzlos.

HSH-Gläubiger halten milliardenschwere Tier-1-Anleihen

Bei den strittigen Anleihen handelt es sich in großen Teilen um sogenanntes Tier-1-Kapital. Diese Schuldverschreibungen sind nachrangig, nur die Aktionäre werden bei Ansprüchen noch später bedient. Rund 1 Milliarde Euro dieser Tier-1-Bonds halten die klagenden Gläubiger. 

Ihnen ist speziell der Verkauf der früheren HSH an die US-Finanzinvestoren Cerberus, JC Flowers und Golden Tree ein Dorn im Auge. Die Bank verkaufte ein Bündel fauler Kredite an die neuen Eigentümer – die klagenden Investoren kritisieren, dieses sei unter Marktwert abgegeben worden. Den aus diesem Deal entstandenen Verlust führte die damalige HSH als einen Grund dafür an, warum sie den Wert der Anleihen reduzieren musste.

Die Kläger sagen, HSH-Kredite seien unter Marktwert verkauft worden.

Die Investoren fühlen sich hingegen von früheren Aussagen der Bank in die Irre geleitet, denen zufolge das Schlimmste überstanden und künftig wieder mit nennenswerten Gewinnen zu rechnen sei. Sogar die Hochschreibung der Tier-1-Anleihen auf den Nennwert bis 2023 habe im Raum gestanden. Stattdessen bezifferte die Bank den Buchwert der Papiere Ende November 2018 noch auf maximal 15 Prozent des Buchwerts, nun stehen nur noch maximal 10 Prozent in Aussicht. 

Fronten zwischen HCB und Klägern verhärten sich

Trotz des hohen Streitwerts galt es bislang als wahrscheinlich, dass die HCB und ihre Gläubiger eine Lösung finden, da eine jahrelange rechtliche Auseinandersetzung für beide Seiten enorme Kosten verursachen würde. Die Kläger hatten sich für einen Dialog offen gezeigt. Die HCB-Eigner dürften ein Interesse haben, über eine Einigung den milliardenschweren Rechtsrisiken aus dem Weg zu gehen.

Die nun von der HCB veröffentlichte Mitteilung könnte die Fronten jedoch verhärten. Im Fall eines Buchwerts von deutlich weniger als 10 Prozent Ende 2020 betrüge die Differenz zwischen Nenn- und Buchwert der Anleihen mehr als 1,5 Milliarden Euro. Diese Lücke dürften die Gläubiger nicht akzeptieren – auch wenn für sie wohl wenig Hoffnung besteht, den vollen Nennbetrag zurückzuerhalten.

Die HCB weist indes darauf hin, dass es „deutliche Unterschiede“ zwischen der Bilanzierung nach HGB und IFRS gebe. Nach IFRS erwartet die Bank für das Geschäftsjahr 2018 ein positives Ergebnis. Die finalen Zahlen für 2018 will die Bank Ende März vorlegen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de