Viele Mitarbeiter sind nach dem Corona-Lockdown wieder in ihre Büros bei der Deutschen Bank zurückgekehrt.

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30.07.20
Banking & Berater

Patrick Frowein: „Deutschland ist kein Hobby“

Kaum im Amt, sah sich Patrick Frowein, DACH-Chef des Investmentbankings der Deutschen Bank, schon direkt mit der Coronakrise konfrontiert. So schätzt er die Finanzierungsmärkte aktuell ein.

Herr Frowein, der Lockdown hat bei vielen Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen. Ist im Investmentbanking der Deutschen Bank, das Sie seit einem halben Jahr in der DACH-Region leiten, wieder Normalität eingekehrt?
Zum Teil sind wir tatsächlich wieder in die Büros zurückgekehrt. Ehrlich gesagt wollten viele Mitarbeiter wieder dahin. Die intensivere Kommunikation im eigenen Team hilft, die Lage an den Märkten noch besser einzuschätzen. Deshalb ist wieder mehr Leben im Deutsche Bank Campus in der Frankfurter City.

In der ersten Corona-Phase reagierten die Finanzmärkte geschockt, die Banken alarmiert. Wie haben Sie den Lockdown empfunden?
Erstmal hat die Bundesregierung mit den einzelnen Programmen unheimlich stark, pragmatisch und vor allem schnell auf die Pandemie reagiert. Jetzt wird sichtbar, was Bürgerinnen und Bürger und eben die Politik geleistet haben: Die Voraussetzungen für den Neustart der Unternehmen konnten kaum besser sein. In der ersten Welle haben sich viele Unternehmen gemeldet und Kredite nachgefragt. Wir haben bis Ende Juni mehr als doppelt so viele Konsortialkredite platziert als im Vorjahr. Daneben haben viele Kunden auch bilaterale Kreditlinien genutzt, um den wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie zu begegnen.

Einige warnten schon von einer Abkehr der mächtigen US-Banken aus dem deutschen Markt, weil sich manche von ihnen nicht an den großen Syndizierungen wie bei Daimler beteiligten.
Ich glaube schon, dass Unternehmen in der Krise sehen konnten, wer zu ihnen steht. Deutschland ist für uns kein Hobby. Es ist unser Heimatmarkt, in dem wir tief verwurzelt sind. Von daher freuen wir uns natürlich besonders, wenn wir hier nach Corona viel Kapitalmarktgeschäft bekommen. Zu Wettbewerbern äußern wir uns grundsätzlich nicht. Nur so viel: Im ersten Halbjahr haben wir unser Kreditvolumen in Deutschland mehr als verdoppelt und sind hier klarer Marktführer.

Inzwischen sieht alles schon besser aus. Dennoch ist die Lage der Unternehmen sehr unterschiedlich. Wie sehen Sie das?
Ja, das ist sehr sektorenabhängig. In der Tourismusbranche ist mitten in der wichtigen Reisesaison noch vieles unklar. Viele Tech- und Pharmaunternehmen haben sich hingegen sehr gut geschlagen. Die Automobil-Branche hat es aktuell nicht leicht. Bei Gebrauchtwagenverkäufen sehen wir zwar eine gewisse Erholung. Doch wann kommt bei Neuwagen das Momentum wieder richtig in Schwung? Das ist derzeit noch offen.

 „Einen globalen Shutdown wird es so nicht mehr geben.“

Ist das Gröbste schon überstanden?
Ich hoffe schon, auch wenn wir vorsichtig bleiben sollten. Viele Markteilnehmer glauben, dass es keinen globalen Lockdown mehr geben dürfte, höchstens noch regional und in kleinerem Umfang. Diese Aussicht führt momentan zu deutlich mehr Optimismus in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten, was sich auch in stark steigenden Aktienkursen niederschlägt. Auch die Unternehmen haben mehr Klarheit: Manche haben Kredite schon wieder zurückgezahlt oder refinanziert. Die Kreditrückführungen sind übrigens ein wichtiger Faktor, dass die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank zu Ende Juni wieder gestiegen ist. Wie wir vor einigen Tagen bekannt gegeben haben, beträgt diese nun 13,3 Prozent, während sie nach dem ersten Quartal bei 12,8 Prozent lag.

Inzwischen sind die Refinanzierungsmärkte wieder offen. Schuldschein oder Anleihe – was raten Sie den Kunden?
Für CFOs stellt sich die Frage: Was braucht man auf der Finanzierungsseite? Ist man sturmfest aufgestellt, auch für den Fall einer zweiten Infektionswelle? Dafür liegen jetzt deutlich mehr Optionen auf den Tisch als in der ersten Phase der Pandemie. Diejenigen, die Brückenfinanzierungen aufgenommen haben, können jetzt den richtigen Moment abwarten, um sie über Anleihen zu refinanzieren. Wir haben sehr gut funktionierende Kapitalmärkte, die Anleihevolumina sind enorm gestiegen, die Orderbücher sind bei den einzelnen Emissionen praktisch immer überzeichnet. Den Schuldscheinmarkt finde ich mit Blick auf die Refinanzierungskosten derzeit weniger interessant. Als Beimischung kann er aber durchaus dienen. Entscheidend ist doch, dass die Unternehmen verschiedene Refinanzierungsmöglichkeiten haben und der Markt kann auch Schuldscheine kurzfristig wieder viel attraktiver machen. Unser Fokus ist, mit dem Kunden alle Optionen zu prüfen. Und noch ein Thema ist mir wichtig …

„Der Schuldscheinmarkt ist derzeit weniger interessant.“

„Green Finance wird noch weiter an Bedeutung gewinnen. Wir haben unser Team deutlich ausgebaut.“

Das da wäre?
Trotz der Corona-Pandemie werden Nachhaltigkeit und Green Finance wichtig bleiben. Bereits vor der Corona-Pandemie war Nachhaltigkeit ein Fokusthema, gleichzeitig sehen wir deutlich steigende Volumina in diesen Märkten. Und durch den EU-Beschluss zur Einführung einer Plastiksteuer und anderer Maßnahmen zur Nachhaltigkeit wird Green Finance noch weiter an Bedeutung gewinnen. Darauf müssen sich Unternehmen einstellen. Wir haben auf diese neue Situation reagiert und in den vergangenen Monaten unser Nachhaltigkeits-Team in der Investmentbank deutlich ausgebaut.

markus.dentz[at]finance-magazin.de