Tatort Moskau: Schon wieder sind kriminelle Machenschaften in der russischen Niederlassung der Deutschen Bank aufgetaucht.

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21.12.16
Banking & Berater

Russischer Rogue Trader bestiehlt offenbar Deutsche Bank

Der Leiter des Moskauer Aktienhandelsteams hat die Deutsche Bank mutmaßlich um 4 Millionen Dollar betrogen. Bitter dabei: Die Rogue Deals liefen offenbar zur gleichen Zeit und im gleichen Team ab wie Geldwäscheaktionen, die der Deutschen Bank eine Milliardenstrafe bescheren könnten.

In der Moskauer Niederlassung der Deutschen Bank sind offenbar erneut unsaubere Handelsgeschäfte aufgedeckt worden. Wie die russische Zentralbank bekanntgab, soll der Trader Juri K. die Deutsche Bank mit verbotenen Aktien-Trades bestohlen haben. K. ist kein kleiner Fisch, sondern langjähriger Chef des Aktienhandelsteams der Deutschen Bank in Russland.

Den Ermittlungen der russischen Zentralbank zufolge, an denen auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin beteiligt war, soll der Beschuldigte von anderen Brokern mit geliehenem Geld russische Wertpapiere gekauft, diese an die Deutsche Bank weitergereicht und sie wenig später über die Konten seiner Frau und seiner Schwiegereltern wieder zurückgekauft haben.

Die jeweiligen Preise der Trades legte der oberste Aktienhändler K. offenbar selbst fest, so die Vorwürfe – ein bombensicheres Geschäft, mit dem er zwischen 2013 und 2015 die Deutsche Bank zu Gunsten seiner Verwandten um mehr als 4 Millionen Dollar betrogen haben soll. Insgesamt sollen die Geschäfte des Rogue Traders ein Volumen von rund 4,6 Milliarden Dollar gehabt haben. Gegenstand der Deals waren den Ermittlern zufolge Aktien von russischen Großkonzernen wie Gazprom, Sberbank und Rosneft.
 
Die Deutsche Bank gibt an, bei der Aufklärung der Vorfälle vollumfänglich mit den Aufsichtsbehörden zu kooperieren. Anders als bei anderen Gesetzesbrüchen in ihren Trading-Teams, ist die Deutsche Bank nach Ansicht der Ermittler diesmal allerdings kein potentieller Mittäter, sondern selbst Geschädigter der anrüchigen Geschäfte.

Langes Sündenregister im Moskauer Aktienteam der Deutschen Bank

Doch obwohl der finanzielle Schaden vergleichsweise gering ist und die Deutsche Bank keines Fehlverhaltens beschuldigt wird, kommt die Entdeckung des mutmaßlichen Rogue Traders für die Deutsche Bank zu einem gefährlichen Zeitpunkt. Schließlich ermitteln derzeit russische und amerikanische Behörden unter Hochdruck in deren Moskauer Niederlassung. Sie werfen der Deutschen Bank die Beteiligung an Geldwäsche in Höhe von 6 bis 10 Milliarden Dollar vor, ebenfalls mit Hilfe von Aktien-Trades. Als die dubiosen Geschäfte bekannt wurden, suspendierte die Deutsche Bank ihren Chefhändler in Russland, Tim Wiswell.

Neben US-Hypothekengeschäften, für die der Deutschen Bank sogar eine Strafzahlung in zweistelliger Milliardenhöhe droht, gilt die Geldwäsche in Russland als zweites großes Rechtsrisiko für die Deutsche Bank. Zwischenzeitlich wurde befürchtet, dass die US-Behörden auch dafür Bußgelder in Milliardenhöhe verhängen könnten, sofern sie der Deutschen Bank nachweisen können, dass deren Mitarbeiter zugleich gegen die Russland-Sanktionen verstoßen haben.

Zuletzt gab es aber Hinweise, dass die Deutsche Bank mit einer geringeren Strafe davonkommen könnte. Ob die Behörden den neuen Skandal jetzt mit in Betracht ziehen, wenn sie die Qualität der bankinternen Aufsichtssysteme in Russland beurteilen, ist unklar.       

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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