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08.01.19
Banking & Berater

So schnitten die Investmentbanken 2018 ab

Der Gebührentopf für die internationalen Investmentbanken ist leicht geschrumpft. Während die Platzhirsche aus den USA ihre Einnahmen stabil halten konnten, musste die Deutsche Bank Federn lassen.

Die internationalen Investmentbanken mussten sich im vergangenen Jahr einen etwas kleineren Kuchen teilen: Die Gebühreneinnahmen sanken weltweit um 4 Prozent im Vergleich zu 2017. Der Wert liegt aber nach wie vor über dem Niveau der Vorjahre. Insgesamt konnten die Banken im abgelaufenen Jahr rund 103 Milliarden US-Dollar an Gebühren einstreichen, wie eine Analyse des Datenanbieters Refinitiv zeigt.

Für die drei Häuser, die die meisten Gebühren erhielten, änderte das leicht geschrumpfte Gebührenvolumen wenig. Spitzenreiter JP Morgan (7 Milliarden Dollar) und Verfolger Goldman Sachs (6,4 Milliarden Dollar) konnten ihre Investmentbanking-Fees sogar leicht steigern. Auf Rang 3 liegt Morgan Stanley (5,1 Milliarden Dollar), deren Einnahmen zwar um rund 2 Prozent zurückgingen, die aber dennoch die Bank of America Merrill Lynch (knapp 5 Milliarden Dollar) überholen und somit einen Platz gutmachen konnten.

Deutsche Bank büßt bei Gebühren deutlich ein

Die wichtigste deutsche Investmentbank musste deutlich stärkere Rückgänge verkraften. Die Deutsche Bank büßte bei den Gebühreneinnahmen rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Sie konnte lediglich 2,5 Milliarden Dollar an Gebühren einnehmen. Aufgeschlüsselt auf die einzelnen Geschäftsbereiche hat die Deutsche Bank in allen Segmenten (M&A, Bonds, Equity) bis auf das Kreditgeschäft verloren.

Global gesehen kann das Finanzinstitut dennoch seinen Platz 8 der Top-Investmentbanken verteidigen. Auch andere Häuser unter den wichtigsten zehn Banken, wie die Bank of America Merrill Lynch (BofAML), Citi (4,6 Milliarden Dollar) und Barclays (3,1 Milliarden Dollar), mussten Verluste in ähnlicher prozentualer Größe verkraften.

Deutsche Bank verliert vor allem in EMEA-Region

Besonders bitter für die Deutsche Bank ist allerdings, dass sie gerade in der für sie so wichtigen EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) einen massiven Rückgang verzeichnen muss. Sie konnte in dieser Region Gebühren über 834 Millionen Dollar einsammeln – das entspricht einem Rückgang von fast einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Die Deutsche Bank will unter CEO Christian Sewing das Investmentbanking neu fokussieren und verkleinern. Gekürzt werden soll dabei vor allem außerhalb Europas.

Die vordersten drei Plätze belegen in der EMEA-Region JP Morgan (1,7 Milliarden Dollar), Goldman Sachs (1,4 Milliarden Dollar) und Citi (1,1 Milliarden Dollar). Die ersten beiden konnten ihre Gebühreneinnahmen im vergangenen Jahr sogar steigern, lediglich Citi muss einen Rückgang um 3 Prozent verkraften.

Bayer ist zweitgrößter Gebührenzahler

Gerade in Deutschland war im vergangenen Jahr einiges an Investmentbanking-Fees zu holen. Rund 2,95 Milliarden Dollar konnten die Investmentbanken hier an Gebühren generieren. Das entspricht 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Für das Wachstum dürfte auch der Agrar- und Pharmakonzern Bayer verantwortlich sein. Er gehörte mit Investmentbanking-Fees über 384 Millionen Dollar zu den zwei größten Gebührenzahlern des vergangenen Jahres. Nur das Medienunternehmen Softbank zahlte mit 894 Millionen Dollar noch mehr als die Deutschen. Dicht dahinter rangiert General Electric mit Gebührenzahlungen in Höhe von 344 Millionen Dollar.

Der Bayer-Konzern schloss im vergangenen Jahr die 66 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto ab. Vom größten Deal der deutschen Unternehmensgeschichte profitierten vor allem ausländische Investmentbanken. Die Gebühren flossen vor allem an die Credit Suisse (14,2 Prozent), BofAML (13,3 Prozent) und Goldman Sachs (10,4 Prozent). 

Private Equity trägt erheblich zu Gebührenrückgang bei

Ein Trend der nicht nur die Deutsche Bank trifft, sondern durchweg auch bei den dominierenden US-Banken für rückläufige Einnahmen sorgt, ist das Geschäft im Private-Equity-Segment. Den Refinitiv-Daten zufolge sind die Gebühreneinnahmen der Investmentbanken, die sie über Finanzinvestoren generieren, seit 2014 in der Tendenz rückläufig. Von 15,6 Milliarden US-Dollar 2014 sind sie auf 11,2 Milliarden US-Dollar 2018 gesunken.

Der Finanzinvestor Blackstone ist mit 484 Millionen Dollar der Investor, der am meisten Gebühren an Investmentbanken gezahlt hat. Nichtsdestotrotz sind es satte 33 Prozent weniger als im Vorjahr. Dicht dahinter folgt die Carlyle Group mit 414 Millionen Dollar gezahlten Gebühren. Auch hier schlägt ein deutlicher Rückgang von 11 Prozent zu Buche.

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