Nur ein Bruchteil der Milliarden an risikogewichteter Aktiva deutscher Banken bleibt als Vorsteuergewinn hängen.

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04.10.17
Banking & Berater

So wenig machen deutsche Banken aus ihrem Kapital

Aktuell gelingt es nur drei deutschen Banken, aus 100 Euro risikogewichteter Aktiva vor Steuern mehr als einen 1 Euro Gewinn zu erwirtschaften, allen voran der Hypovereinsbank. Deutsche Bank und Commerzbank kämpfen dagegen mit sich selbst und hohen Kosten.

Dass die deutschen Banken im Vergleich zur internationalen Konkurrenz trotz guter Konjunktur und historisch niedriger Risikovorsorge gemessen an ihrer Eigenkapitalrentabilität ein Problem haben, ist bekannt. Ein ähnlich düsteres Effizienz-Bild zeichnet sich mit Blick auf die risikogewichteten Aktiva (englisch: Risk Weighted Assets, kurz: RWA). Hier stellt sich die Frage, wie rentabel die Bank ihr eigenkapitalunterlegungspflichtiges Kapital einsetzt.

Da diese Kennzahl von den Banken im Gegensatz zu den gängigen Effizienz-Kennzahlen wie der Eigenkapitalrentabilität oder der Cost-Income-Ratio nicht publiziert wird, hat FINANCE die vorgelegten Halbjahresberichte der Geldhäuser verglichen und den jeweiligen Vorsteuergewinn (ohne Restrukturierungsaufwendungen) in Relation zu den RWAs gesetzt. Von operativen Ertragsgrößen wurde Abstand genommen, da diese von den Banken bisweilen unterschiedlich berechnet oder überhaupt nicht ausgewiesen werden.

Auch muss beim Vergleich der RWA-Effizienz berücksichtigt werden, welches Geschäftsmodell die jeweilige Bank betreibt, da das Investmentbanking beispielsweise deutlich kapitalintensiver ist als das traditionelle Kreditgeschäft.

Deutsche Banken verdienen mit 100 Euro RWA nur 71 Cent

Dennoch lassen sich aus dieser Kennzahl einige Trendaussagen ableiten: Im ersten Halbjahr zum 30. Juni 2017 ist es nur drei Banken gelungen, aus 100 Euro RWA mehr als 1 Euro Gewinn vor Steuern zu erwirtschaften. Im Schnitt lag die RWA-Effizienz der betrachteten zehn Geldhäuser bei 0,71 Prozent. Das bedeutet, dass die Banken durchschnittlich mit 100 Euro eingesetzter RWA nur 71 Cent verdienen. Untersucht wurden folgende zehn Banken: Deutsche Bank, Commerzbank, Unicredit Deutschland (Hypovereinsbank), DZ Bank, HSBC Deutschland, HSH Nordbank, Norddeutsche Landesbank (NordLB), Bayerische Landesbank (BayernLB), Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Spannend ist auch, dass die RWA-Effizienz innerhalb des Privatbanken- und des Landesbankensektors stark voneinander abweicht. Ist die Hypovereinsbank mit einer Effizienzquote von 1,18 Prozent die RWA-effizienteste aller untersuchten Bank, bildet die Commerzbank mit 0,29 Prozent das Schlusslicht des Rankings – selbst wenn man die rund 800 Millionen Euro Restrukturierungskosten außen vor lässt, die die Commerzbank im ersten Halbjahr verbucht hat.

Und auch bei den Landesbanken gibt es Licht und Schatten. Die HSH Nordbank rangiert mit einem Wert von 1,08 Prozent auf Rang zwei, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit 0,41 Prozent dagegen auf dem vorletzten Platz.

Im Fall der HSH Nordbank ist allerdings zu bedenken, dass die Hanseaten ihre milliardenschweren Altlasten in eine Bad Bank überführt haben. Unter Berücksichtigung der dort angefallenen Verluste sähe die Kennzahl deutlich schlechter aus. Der Vorsteuergewinn würde um rund 100 Millionen Euro geringer ausfallen und die RWA-Effizienzquote dadurch auf 0,67 Prozent absacken. Bei den anderen beobachteten Banken sind die Verluste aus den Abbauportfolien in den Ergebnissen mit berücksichtigt.

Restrukturierungen setzen Deutscher Bank und Commerzbank zu

Die 1,18 Prozent der RWA-effizientesten Privatbank Hypovereinsbank ergeben sich aus einem Vorsteuergewinn von 933 Millionen Euro und moderaten RWAs im Volumen von 79 Milliarden Euro. Am nächsten kommt an dieses Ergebnis die HSBC Deutschland heran. Ihre RWA-Effizient liegt – auf Basis von 153,2 Millionen Euro Vorsteuergewinn und rund 15 Milliarden Euro RWAs – bei rund 1 Prozent. Innerhalb des Privatbankensektors folgt die DZ Bank (die eher mit Privat- als Landesbanken zu vergleichen ist) mit 0,70 Prozent.

Die RWA-ineffizientesten deutschen großen Privatbanken waren zum Halbjahr die Deutsche Bank und die Commerzbank, die aus 100 Euro RWA nur 50 beziehungsweise 29 Cent Vorsteuergewinn herausholen konnten. Die beiden größten deutschen Banken verfügen allerdings naturgemäß auch über die höchsten RWAs, denen während der aktuell laufenden Restrukturierungen aber – möglicherweise nur temporär – nur geringe Gewinne gegenüberstehen. Das drückt auf die RWA-Rentabilität. Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank und die Commerzbank mit 86,3 und 83,1 Prozent auch das höchste Kosten-Ertrags-Verhältnis („Cost-Income-Ratio“) aufweisen.

HSH Nordbank ist die RWA-effizienteste Landesbank

Innerhalb der Landesbanken setzt die zum Verkauf stehende HSH Nordbank ihre RWAs aktuell am rentabelsten ein. Bei einem Gewinn vor Steuern und Restrukturierungsaufwendungen von rund 280 Millionen Euro und 25,7 Milliarden Euro risikogewichteter Aktiva, kommen die Norddeutschen auf eine RWA-Effizienz von rund 1,1 Prozent.

Es folgen die NordLB (0,78 Prozent), die BayernLB (0,68 Prozent) und die Helaba (0,41 Prozent). Bei den Landesbanken liegt das Problem im Gegensatz zur Deutschen Bank und Commerzbank nicht so stark auf der Kostenseite – die Cost-Income-Ratios sind deutlich geringer. Das Problem der Landesbanken: Da sie geschäftsmodellbedingt stark vom Zinsertrag aus dem Kreditgeschäft abhängig sind, fällt ihr Gewinnpotential im Vergleich zu den meist breiter aufgestellten Privatbanken geringer aus.

Hierzulande sehr aktive Auslandsbanken wie beispielsweise die ING Diba oder die BNP Paribas wurden in diesem Ranking nicht berücksichtig, da sie zum Halbjahr keine konkreten Deutschlandzahlen veröffentlicht haben.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de