Das Firmenkundengeschäft der Hypovereinsbank hat 2018 schwer unter den Rechtsrückstellungen leiden müssen.

HVB

02.04.19
Banking & Berater

Sonderkosten verhageln Ergebnis der HVB

Wie der Rest der Banken kämpft auch die Hypovereinsbank (HVB) mit dem marktweiten Ertragsschwund im Firmenkundengeschäft – dazu aber auch noch mit teuren Rechtsstreitigkeiten.

Die Hypovereinsbank (HVB) hat einen wenig positiven Schlussstrich unter das Jahr 2018 gezogen. Einerseits ist es ihr gelungen, in beiden Firmenkundenbereichen (Commercial Banking und Corporate & Investment Banking) ihre Verwaltungskosten zu senken sowie die Zinserträge leicht zu steigern. Gleichzeitig muss sie aber sinkende Provisionsüberschüsse sowie enorme Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und eine hohe Goodwill-Abschreibung schultern.

Die HVB erfasst ihr Firmenkundengeschäft nicht gebündelt in einem einzigen Geschäftsbereich, sondern teilt es in zwei Segmente auf: Im Bereich Commercial Banking finden sich Firmen- und Privatkunden, im Segment Corporate & Investment Banking (CIB) hingegen sammelt die HVB „große multinationale Unternehmen mit sehr hoher Kapitalmarkaffinität“.

Die Geschäftsbereiche unterscheiden sich auch in ihrer Ausrichtung. Während sich das Segment Commercial Banking auf Deutschland konzentriert, ist im Bereich CIB das Corporate und Investmentbanking der gesamten Unicredit-Gruppe vereint.

Commercial Banking der HVB leidet unter Rückstellungen

Im Commercial Banking zeigen sich die in der Jahresbilanz 2018 verarbeiteten Rechtsrisiken zum ersten Mal:  Der Posten „Zuführungen zu Rückstellungen“, der sich vor allem auf Rechtsrisiken bezieht, schlägt mit 298 Millionen Euro zu Buche und reduziert das Ergebnis vor Steuern auf nur noch 112 Millionen Euro. Im Vorjahr erwirtschaftete das Segment noch einen Vorsteuergewinn von 331 Millionen Euro, weil 2017 nur 28 Millionen Euro den Rückstellungen zugeführt worden sind.

Auf der Habenseite steht im Commercial Banking der HVB mit 2,3 Milliarden Euro ein nahezu unverändertes Ertragsniveau  zu Buche. Im Vergleich zu 2017 sind die Erträge um lediglich 0,7 Prozent gesunken. Zudem hat es die HVB geschafft, ihre Verwaltungskosten um fast 7 Prozent oder knapp 100 Millionen Euro auf 1,7 Milliarden zu senken. Das Resultat ist ein verbessertes operatives Ergebnis von 627 Millionen Euro (2017: 530 Millionen Euro) und eine um 44 Basispunkte bessere Cost-Income-Ratio von 73 Prozent.

Auch die HVB öffnet ihr Kreditbuch

Aber auch bei der HVB ging die robuste Entwicklung der Erträge mit einer deutlichen Ausweitung des Kreditbuchs einher. Dieses Phänomen hat sich auch schon bei einer Vielzahl anderer Firmenkundenbanken in Deutschland gezeigt: Für einen Zuwachs im Zinsüberschuss von 1,7 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro musste die HVB im Commercial Banking ihr Kreditbuch um 4,2 Milliarden Euro ausweiten.

Jedoch räumt die Bank ein, dass die Mehreinnahmen hauptsächlich aus dem Privatkunden- und Immobiliengeschäft stammen. Unternehmenskunden steuerten vor allem „gestiegene Erträge aus mittel- und langfristigen Kreditgeschäften sowie aus Fremdwährungseinlagen“ bei. Genauere Details dazu wollte die HVB auf Anfrage nicht mitteilen – ebenso wie zu den Gründen für den Rückgang beim Provisionsüberschuss: Dort bilanziert die HVB für 2018 ein Minus von rund 4 Prozent auf 761 Millionen Euro aufgrund einer gesunkenen Nachfrage von Unternehmenskunden nach Eigen- oder Fremdmittelaufnahmen mittels Kapitalmarktprodukten.

Das CIB liefert negativen Gewinnbeitrag

Noch wesentlich stärker als das Commercial Banking hat das CIB der HVB unter den Rechtsrückstellungen gelitten, die nach Informationen der „Börsen-Zeitung“ wohl vor allem im Zusammenhang mit möglichen Verstößen gegen US-Sanktionen im Zahlungsverkehr stehen: 620 Millionen Euro musste die  HVB in ihrem Investmentbanking für Rechtsrisiken zurückstellen. Dazu kommt noch eine Goodwill-Abschreibung von 288 Millionen Euro, die laut Bank auf die „erhöhten Eigenkapitalanforderungen aus Basel III und der sich daraus ergebenden Zuführungen an allokiertem Eigenkapital“ zurückzuführen sei. Beide Sonderposten belasten das Ergebnis von CIB mit 908 Millionen Euro.

Aber nicht nur solche Sonderposten belasten die Zahlen des CIB, auch im operativen Geschäft lief es 2018 nicht wirklich rund. Zwar konnten –  wie im Commercial Banking – der Zinsüberschuss um 8 Prozent auf 997 Millionen Euro gesteigert  und die Verwaltungskosten um 5 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro gesenkt werden. Gleichzeitig sanken aber die operativen Erträge des Geschäftsbereichs um 13 Prozent auf knapp unter 2 Milliarden Euro.

Verantwortlich dafür ist laut HVB ein Rückgang um mehr als 40 Prozent beim Handelsergebnis, das von 859 auf 500 Millionen Euro nachgab. Die Bank macht dafür insbesondere Fixed-Income-Produkte, 2018 aufgetretene Bewertungseffekte („Mark-to-Market“) und einen nicht näher genannten Einmalertrag verantwortlich, der 2017 erzielt worden sei.

Im Provisionsgeschäft schnitt die Bank mit 263 Millionen Euro im Kapitalmarktgeschäft ebenfalls schlechter ab. Das ist ein Rückgang von 19 Prozent. Konsequenz dieser herben Ertragseinbußen ist nicht nur eine um fast 6 Prozent gestiegene Cost-Income-Ratio von 65 Prozent, sondern auch ein negativer Beitrag zum Konzernergebnis von 208 Millionen Euro.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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