picture alliance/Sven Simon/dpa

04.12.18
Banking & Berater

Stefan Effenberg wird Firmenkundenbanker

Der Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg heuert in der Finanzbranche an. Im Firmenkundengeschäft einer thüringischen Volksbank soll sich der 50-Jährige um das Geschäft mit Fußballfinanzierungen kümmern.

Fußballprofi, Zweitligatrainer, TV-Experte und jetzt Firmenkundenbanker: Stefan Effenberg startet seine vierte Karriere. Laut einem Bericht des Branchenportals „Finanz-Szene.de“ wird der ehemalige Bayern-Profi im Firmenkundengeschäft der Volks- und Raiffeisenbank Bad Salzungen Schmalkalden arbeiten.

„Wir stehen mit Herrn Effenberg seit längerem in einem gedanklichen Austausch zum Thema Fußball-Finanzierung. Das Ergebnis dieser Sondierungen sieht so aus, dass Stefan Effenberg in Zukunft unserem ‚Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball‘ angehören wird“, zitiert das Portal einen Sprecher der Bank. Effenberg werde nicht etwa Berater, sondern „ein regulärer Mitarbeiter“ mit einem „ganz normalen Vertrag“.

Effenberg soll Fußball-Deals an Land ziehen

Ein ganz gewöhnlicher Volksbank-Angestellter, der nachmittags am Schalter steht und Sparbücher verteilt, wird der Ex-Nationalspieler und Champions-League-Sieger dann allerdings auch nicht: Er werde kein Dienstzimmer in Südthüringen beziehen, sondern mobil arbeiten, sagte Effenberg der Südthüringen Zeitung. „Aber ich war schon mehrfach in Schmalkalden und Bad Salzungen.“

Allerdings verpflichtet die Genossenschaftsbank Effenberg auch nicht für seine Ortskenntnis, sondern aufgrund seiner Beziehungen im Fußballgeschäft. Hier dreht die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden offenbar ein für ihre Verhältnisse sehr großes Rad: Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Mitte November berichtete, haben die Genossen dem spanischen Spitzenklub Atletico Madrid ein Darlehen über 10 Millionen Euro gewährt. 

Genossenschaftsbank als Geldgeber für Fußballklubs

Doch das ist nicht alles: Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zufolge bestand das Kreditbuch der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden im vergangenen Jahr zu 17 Prozent aus Fußball-Engagements. Dies entspräche Ausleihungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Auch der 1. FC Köln soll zu den Kunden der Thüringer gehören, ebenso wie Vereine in Portugal und Italien.

Spezialisiert hat sich die thüringische Volksbank offenbar auf kurzfristige Finanzspritzen, mit denen Vereine Liquiditätslücken aus laufenden Transfergeschäften überbrücken können. Die Volks- und Raiffeisenbank Bad Salzungen Schmalkalden bezeichnet das als „Working-Capital-Finanzierung“. Die Kreditmargen, die sie damit erzielt, sind laut „Spiegel“-Recherchen enorm und liegen weit über jenen, die im klassischen Firmenkundengeschäft möglich sind.

Effenberg interessiert sich für Finanzthemen

Die kleine Volksbank setzt bei diesen Geschäften offenbar auf die Beziehungen ihres Aufsichtsratsmitglieds Dieter Althaus. Der frühere thüringische Ministerpräsident ist auch Chef des Kontrollgremiums von Score Capital, einer Münchner Investmentfirma, die ebenfalls Working-Capital-Finanzierungen für Fußballklubs anbahnt.

Effenberg wiederum, der seine aktive Fußballerkarriere 2004 beendete, hatte zuletzt vermehrt sein Interesse an Finanz- und Geldanlagethemen zu Protokoll gegeben. Der 50-Jährige, der auch als TV-Experte beim Bezahlsender Sky arbeitet, absolviert derzeit eine Fortbildung an der ADG Akademie deutscher Genossenschaften im rheinland-pfälzischen Montabaur, um sich auf den Job als Banker vorzubereiten.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Analysen zur Finanzlage verschiedener deutscher Fußballklubs finden Sie in unserem Fußball-Finanz-Blog Dritte Halbzeit.