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19.07.12
Banking & Berater

Studie: Betrug in der Finanzbranche

HSBC, Barclays, BayernLB: Die Serie von moralischen Skandalen in der Finanzbranche will einfach nicht abreißen. Eher im Gegenteil, sie droht immer länger zu werden. Laut einer aktuellen Studie ist es sogar noch schlimmer – die Finanzindustrie selbst glaubt nicht an Ethik und Moral.

Die Nachrichten über immer neue Manipulationen, Geldwäsche und Bestechung überschlagen sich derzeit. Die Geschichten reichen vom Liborskandal bei Barclays über den ENBW-Deal in Baden-Württemberg, der dem Morgan Stanley Top-Manager Dirk Notheis den Job kostete, den Bestechungsskandal um den Ex-BayernLB-Chef Gerhard Gribkowsky im Rahmen des Formel-1-Verkaufs bis hin zu Geldwäschevorwürfen bei HSBC in Mexiko und Indien.

Alle diese Skandale werfen kein gutes Licht auf den Finanzsektor. Und was es noch schlimmer macht, es werden wahrscheinlich noch mehr werden. Rechtsexperten waren bereits davor, dass die Untersuchung der Libor-Manipulationen nur der Auftakt zu einer neuen Reihe von Manipulationsskandalen ist. Gegen etwa 20 Banken liegen ähnliche Beschuldigungen vor und drohende Gerichtsverfahren könnten die ganze Branche auseinanderbrechen lassen.

Wenig überraschend aber verstörend

Vor diesem Hintergrund kommen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zwar nicht überraschend aber sie sind dennoch verstörend: Mehr als ein Viertel der 500 von der US-amerikanischen Anwaltskanzlei Labaton Sucharow befragten Finanzprofis sagen, dass sie ein Fehlverhalten am Arbeitsplatz beobachtet oder zumindest Informationen aus erster Hand darüber haben. Fast genauso viele glauben, dass sich Finanzprofis unethisch oder illegal verhalten, um erfolgreich zu sein.

Es kommt sogar noch schlimmer, 16% geben an, dass sie ein Verbrechen oder Insiderhandel begehen würden, wenn sie wüssten, dass sie damit davon kämen. Wenn man berücksichtigt, dass Umfrageteilnehmer dazu tendieren, weniger zu berichten als sie wissen, sogar bei anonymen Umfragen, werden die tatsächlichen Zahlen sogar noch größer ausfallen. Die Studienautoren selbst fassen es in einfachen Worten zusammen: Die Umfrageergebnisse sind entmutigend, heißt es dort schlicht.  

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de