Die großen Banken in Deutschland sollten den Stresstest der EZB bestehen, prognostizieren die Analysten von Macquarie.

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23.10.14
Banking & Berater

Studie zu Stresstest: Großbanken bestehen, dennoch Handlungsbedarf

Mit Spannung blickt die Finanzbranche auf die Veröffentlichung der Stresstest-Resultate am Sonntag. Die Analysten von Macquarie erwarten, dass zumindest alle großen europäischen Banken bestehen. Die Qualitätsprüfung der Assets könnte aber auch bei deutschen Häusern zu Abschreibungen führen, glauben sie.

Am Sonntag sind die Stresstest-Ergebnisse offiziell, doch bereits heute sollen die geprüften Banken ein Signal über ihr Abschneiden erhalten. Die Bekanntgabe der „vorläufigen Ergebnisse“ heizt auch die Gerüchteküche an.  Ein großer Schock ist nach Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse am Sonntag aber wohl nicht zu erwarten, glaubt man den Analysten der Investmentbank Macquarie: Sie haben 65 der insgesamt 123 getesteten Banken analysiert und sind auf dieser Basis der Meinung, dass alle großen europäischen Banken aus diesem Sample bestehen. Scheitern werden ihrer Prognose nach einige kleinere Häuser.

Auch das Handelsblatt will über Informationen verfügen, denen zufolge alle 24 getesteten deutschen Institute den Test bestanden haben. Europaweit soll eine hohe einstellige bis niedrige zweistellige Zahl an Banken ein Kapitaldefizit aufweisen, das sie nun in den kommenden sechs bis neun Monaten kompensieren müssten, berichtete das Blatt unter Berufung auf Finanzkreise.

Macquarie erwartet Anpassungen bei Commerzbank

Ein glatter Durchmarsch wird der Test für die Banken allerdings nicht: Für die Commerzbank erwartet Macquarie Auswirkungen im Rahmen der Prüfungen zur Assetqualität („Asset Quality Review“, AQR). Im Rahmen des AQR prüft die EZB, ob Aktiva und Sicherheiten adäquat bewertet und angemessene Rückstellungen gebildet wurden. Macquarie geht für die Commerzbank von AQR-Anpassungen in Höhe von 5 Milliarden Euro aus und liegt damit nach eigenen Angaben noch unter dem Werteverfall, den der Markt gefürchtet und eingepreist hatte.

Das harte Eigenkapital („Common Equity Tier 1“, CET 1) wird den Erwartungen der Analysten zufolge auch in dem vom Europäischen Ausschuss für Systemrisiken entwickelten „adversen Szenario“, das die wichtigsten systemischen Risiken für Banken abbildet, bei der Commerzbank nicht unter 8 Prozent fallen. Der EZB-Stresstest verlangt nach einer Übergangszeit künftig mindestens 8 Prozent Kernkapital von den Banken. Im Falle einer harten Wirtschaftskrise, wie sie die Aufseher in dem Krisenszenario simuliert haben, müssen noch mindestens 5,5 Prozent Kernkapital verfügbar sein.

Stresstest: Banken rüsten mit Kapitalerhöhungen auf

Im Rahmen der Stresstest fließen die Ergebnisse aus den Qualitätsüberprüfungen in die Berechnung der Kernkapitalquote ein. Für jede Bank wird eine angepasste Kernkapitalquote („AQR-adjusted CET1 ratio”) berechnet. Nach Einschätzung der Macquarie-Analysten werden die meisten Banken ihre Kernkapitalquote auch nach den AQR-Anpassungen über 8 Prozent halten können. Schwierigkeiten könnte der AQR den Analysten zufolge kleineren italienischen Banken sowie den deutschen Landesbanken bereiten.

Von der Münchener Hypothekenbank hieß es vor einigen Monaten, dass sie als erste deutsche Bank formell durchfallen werde. Die Münchner Hypothekenbank kam Ende 2013 auf eine harte Kernkapitalquote von 6,3 Prozent und lag damit unter den geforderten 8 Prozent. Das Institut hat zwischenzeitlich bei seinen Eigentümern 400 Millionen Euro eingesammelt und die harte Kernkapitalquote damit auf mehr als 11 Prozent steigern. Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf Marktkreise, dass sich auch die Anzeichen dafür häufen, dass die aufgrund des hohen Anteils an Schiffskrediten lange als Wackelkandidat gehandelte HSH Nordbank insgesamt glimpflich durch den Test gekommen sei.

Ebenfalls soll dem Bericht zufolge die Deutsche Bank den Test bestanden haben. Sie hatte zuletzt im Mai ihr Kapital um mehr als 8 Milliarden Euro erhöht. Auch wenn die EZB-Prüfer Daten zum Stichtag 31. Dezember 2013 verwendet haben, dürften sie auch später erfolgte Kapitalstärkungen begrüßen. Überraschungen nach der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse am Sonntag sind keinesfalls ausgeschlossen. Am Markt scheint man sich aber einig zu sein, dass das ganz große Chaos im Bankensektor ausbleibt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de