Die Restrukturierung der italienischen Unicredit belastet auch das Deutschlandgeschäft. Im Commercial Banking brachen die Gewinne um 70 Prozent ein.

UniCredit / tramonto sironi

09.02.17
Banking & Berater

Unicredit muss in Deutschland Gewinneinbruch hinnehmen

Die italienische Unicredit lässt in ihrem Deutschlandgeschäft Federn: Im Geschäft mit Mittelständlern und Privatleuten bricht der Gewinn um 70 Prozent ein.

Der Gewinn der kriselnden italienischen Großbank Unicredit mit deutschen Mittelständlern und Privatleuten ist um 70 Prozent eingebrochen. Wie die Mutter der Münchener Hypovereinsbank heute bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 mitteilte, erwirtschaftete die Unicredit nach Steuern im so genannten Commercial Banking hierzulande nur noch 120 Millionen Euro. 2015 waren es 413 Millionen Euro. Der operative Gewinn im deutschen Commercial Banking ging um 15 Prozent auf 556 Millionen Euro zurück.

Die Italiener bündeln im Commercial Banking alle deutschen Kunden, die nicht dem Corporate- und Investmentbanking (CIB) zugeordnet werden. Das sind sowohl Privat- als auch kleine Firmenkunden. Der Gewinnrückgang ist nicht nur den Restrukturierungskosten, sondern auch dem Niedrigzinsumfeld geschuldet: Der Zinsüberschuss in diesem Segment ging 2016 um rund 200 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro zurück.

Verglichen mit dem italienischen und österreichischen Commercial Banking behauptet sich das deutsche Geschäft noch gut. Der Verlust nach Steuern in Italien lag bei 582 Millionen Euro, in Österreich betrug der Verlust 394 Millionen Euro.

Unicredit schreibt 11,8 Milliarden Euro Verlust

Das gruppenweite Corporate- und Investmentbanking der Unicredit litt ebenfalls. Der Gewinn nach Steuern schrumpfte gegenüber dem Vorjahr um rund 200 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. In Deutschland tritt die Unicredit oft noch unter der Marke Hypovereinsbank auf. Die Unicredit-Zahlen dürften Teil der jetzt berichteten Ergebnisse sein, deckungsgleich sind die Zahlen jedoch nicht. Klarheit wird der Jahresabschluss der HVB bringen, der wohl im März veröffentlicht wird.

In der Gruppe musste die Unicredit einen Verlust von 11,8 Milliarden Euro hinnehmen. 2015 verbuchten Italiener noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. Der hohe Verlust entstand vor allem, weil die Bank im Rahmen der Restrukturierung mehr faule Kredite abgeschrieben hat – insgesamt 12,2 Milliarden Euro. Außerdem wurde der Firmenwert in den Büchern um 261 Millionen Euro reduziert.

Um ihr Eigenkapital aufzupolstern, hat die Unicredit eine Kapitalerhöhung über 13 Milliarden Euro eingeleitet. Diese soll noch im ersten Quartal abgeschlossen werden. Die HVB musste der italienischen Mutter zuletzt unter die Arme greifen und eine Sonderdividende von 3 Milliarden Euro abführen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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