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14.09.12
Banking & Berater

Unternehmensfinanzierung vier Jahre nach Lehman

Auch vier Jahre nach Lehman gehen die losgetretenen Veränderungen in der Unternehmensfinanzierung weiter. Anleihen sind ein großer Trend, und auch die Schattenwelt kann für CFOs attraktiv sein. Vor allem aber die voranschreitende Bankenregulierung ist noch lange nicht am Ende.

Vier Jahre sind seit der Lehman-Pleite vergangen, doch die neue globale Finanzordnung ist weit davon entfernt, ihre endgültige Form angenommen zu haben. Während die Banken noch immer ihre Wunden lecken, die ihnen von den Milliarden-Abschreibungen der Notwendigkeit des Schuldenabbaus zugefügt wurden, müssen Finanzchefs sich nach neuen Geldgebern umsehen.

Die wichtigste dieser neuen Quellen: die Emission von Unternehmensanleihen, die im Fahrwasser der anhaltenden Finanzkrise durch die Decke geschossen ist. Erst im vergangenen Monat sprang das Emissionsvolumen im Euroraum auf 11 Mrd. €, der zweithöchste Wert für den Monat August  seit Beginn der Aufzeichnungen. Es ist kaum verwunderlich, dass BNP Paribas im Interview mit FINANCE-TV von der „goldenen Ära“ für Unternehmensanleihen spricht.

Die Schattenbanken locken

Aber nicht jeder Finanzvorstand sitzt in einem Unternehmen, das den Kapitalmarkte anzapfen kann. Für sie ist vielmehr der sogenannte Schattenbankenmarkt zu einer wenn auch nicht immer einfachen Option geworden. „Nicht-Bank-Finanzunternehmen sind am Vorabend eines goldenen Zeitalters“, glaubt Wes Edens, Gründer der Fortress Investment Group LLC . In der Tat haben Finanzinvestoren wie KKR, Apollo, Oaktree und Ares Capital bereits Schuldenfonds in Milliardenhöhe aufgesetzt.

Ein weiteres interessantes Phänomen ist die Ankunft von asiatischen Banken in Europa. Obwohl ihre Präsenz noch schwach ist, haben sie das Wachstum ihres Geschäfts in Europa zum Ziel gemacht – und ihre finanzielle Feuerkraft lässt dieses Ziel realistisch erscheinen.

Genauer Blick auf das Kontrahentenrisiko

Natürlich sind die Folgen von Lehman nicht auf die Art und Weise beschränkt, wie und wo CFOs Finanzpartner finden, sondern auch, wie sie mit bestehenden Finanzpartnern umgehen. Die sorgfältige Kontrolle und Reduzierung von Kontrahentenrisiken hat sich zu einem der wichtigsten Aufgaben ihrer Cash-Steuermänner, der Corporate Treasurer, entwickelt. „Die Kunden hinterfragen mittlerweile genau das Geschäftsmodell und die Bilanzposition ihrer Bankengruppe“, sagt Heinz Hilger, Leiter Corporate Banking bei Bank of America Merrill Lynch Deutschland. „In der Vergangenheit hat das kaum jemand interessiert.“  

Der stärkste Hinweis jedoch, dass die Transformation des europäischen Corporate Bankings hat noch lange nicht vorbei ist, ist die sich weiterhin im Fluss befindliche Bankenregulierung. Die jüngste EU-Initiative für eine zentrale Bankenaufsicht im Euroraum ist nur ein wenn auch wichtiges Beispiel. Dies hat auch dazu geführt, dass die Banken weiterhin grundlegende Anpassungen vornehmen. Erst kürzlich versprach die Deutsche Bank einen „tiefgreifenden kulturellen Wandel". Ob dieser wirklich stattfinden wird – und wie er die Unternehmensfinanzierung beeinflussen könnte –, bleibt abzuwarten.

steven.arons[at]finance-magazin.de