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KPMG wächst überraschend stark im Consulting

Während Corona in den Zahlen der Konkurrenz teils deutliche Spuren hinterlässt, legt KPMG im Beratungsgeschäft stark zu. Das hat einen bestimmten Grund. Foto: nmann77/stock.adobe.com
Während Corona in den Zahlen der Konkurrenz teils deutliche Spuren hinterlässt, legt KPMG im Beratungsgeschäft stark zu. Das hat einen bestimmten Grund. Foto: nmann77/stock.adobe.com

KPMG hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2020/21 vorgelegt – und im Gegensatz zu den Konkurrenten scheint die Corona-Pandemie das Big-Four-Haus weniger stark getroffen zu haben. So konnte KPMG um 3,2 Prozent auf eine Gesamtleistung von 1,99 Milliarden Euro zulegen. Das Wachstum war damit sogar stärker als im Vorjahr, als die Gesamtleistung faktisch stagnierte.

Anders sieht es bei den Wettbewerbern aus: PwC ist im Geschäftsjahr 2020/21 um 1,5 Prozent geschrumpft, EY ebenfalls (eine ausführliche Analyse der EY-Zahlen folgt in Kürze), Deloitte sogar um 8 Prozent. Auch in den einzelnen Geschäftsbereichen gibt es durchaus Unterschiede: Während sich die Pandemie bei der Big-Four-Konkurrenz gerade im Beratungsgeschäft negativ niederschlägt, legt KPMG in dieser Sparte deutlich zu.

KPMG nutzt Prüferrotation im Beratungsgeschäft

So ist KPMG im Consulting, das vor allem die klassische Managementberatung abdeckt, um 7,3 Prozent auf 571 Millionen Euro gewachsen. Beim Deal Advisory ging es gar um 12,2 Prozent nach oben auf 202 Millionen Euro, was zu einem Gesamtwachstum von 9 Prozent auf 773 Millionen Euro in der gesamten Unternehmensberatungssparte führt.

Anders die Konkurrenz: Das Beratungsgeschäft von PwC hat sich mit einem Plus von 1,6 Prozent immerhin noch stabil entwickelt, während Deloitte in dieser Sparte um 10 Prozent eingebrochen ist. Sowohl Deloitte als auch PwC begründeten die Entwicklung unter anderem mit pandemiebedingt fehlenden Reisekosten, deren Bezahlung durch die Kunden als Umsatz gebucht wird.

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Noch nie war der Wettbewerb zwischen KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young so hart wie jetzt. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie?

KPMG erklärt sein hohes Wachstum in Krisenzeiten damit, dass gerade die Nachfrage nach Transformationsberatung stark zugenommen habe. Was KPMG besonders helfen dürfte: Das Big-Four-Haus war bei vielen Großkonzernen über Jahre und Jahrzehnte als Abschlussprüfer tätig und hat entsprechend vertrauensvolle Kundenbeziehungen aufgebaut. Nachdem KPMG im Zuge der verpflichtenden Abschlussprüferrotation seit 2016 etliche Prüfmandate abgeben musste, ist die Gesellschaft bei vielen ehemaligen Prüfkunden nun als Berater tätig.

Dies war aus Gründen der Unabhängigkeit bisher nicht oder nur eingeschränkt erlaubt. „Die Prüferrotation hat uns agiler gemacht, um beim Kunden Beratungsgeschäft zu adressieren“, freut sich KPMG-Deutschlandchef Klaus Becker. Und weiteren Anschub dürfte es durch das kürzlich verabschiedete Gesetz FISG geben, das nun auch die Steuerberatung beim Prüfkunden verbietet. Dies eröffnet KPMG gute Chancen auf die Steuerberatung bei ehemaligen Prüfkunden.

KPMG leidet deutlich unter Prüferrotation

Doch während die Rotation auf das Beratungsgeschäft belebend wirkt, sieht es im Prüfungsgeschäft anders aus: Dort sind die Umsätze das zweite Jahr in Folge geschrumpft. Die Gesamtleistung ist um 4 Prozent auf 634 Millionen Euro zurückgegangen. Der Geschäftsbereich trage aber weiterhin stabil ein Drittel zum Gesamtgeschäft bei, betont Becker.

Im abgelaufenen Jahr habe KPMG die bislang höchsten rotationsbedingten Abgänge verarbeitet. Der Verlust vieler großer Mandate hat das Big-Four-Haus im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Honorar von 68 Millionen Euro gekostet. „Durch neue Prüfungskunden sowie prüfungsnahe Beratung konnten wir im Geschäftsbereich Audit aber mehr als die Hälfte der Umsatzabgänge wieder ausgleichen“, meint der Deutschlandchef.

KPMG wird neuer Abschlussprüfer von Puma

Zuletzt konnte KPMG einige neue Prüfkunden gewinnen, etwa die Commerzbank und Debeka, Daimler Truck, ThyssenKrupp sowie die von Continental ausgegliederte Vitesco. Ebenfalls neu dabei sind das Rhön-Klinikum und die deutschen Tochtergesellschaften von Novartis, außerdem das Familienunternehmen Hellmann Worldwide Logistics.

Doch gerade im besonders renommierten Dax hat sich KPMG bisher schwergetan, die vielen Mandatsverluste auszugleichen. Nun profitiert die Gesellschaft allerdings von der Erweiterung auf den Dax40: Mit den Dax-Aufsteigern Sartorius, Qiagen und HelloFresh prüft KPMG nun weitere Unternehmen aus der ersten Börsenliga. Neu dazugekommen ist jetzt außerdem noch Puma. Insgesamt prüft KPMG damit aktuell 13 Dax-Konzerne.

KPMG legt in der Steuerberatung zu

Gut entwickelt hat sich auch der Bereich Steuer- und Rechtsberatung, der um 5 Prozent auf insgesamt 571 Millionen Euro angewachsen ist. Dabei ist vor allem das Geschäft mit der Steuerberatung stark gewachsen: Der Anstieg beläuft sich auf 8 Prozent auf 454 Millionen Euro. KPMG Law musste hingegen 5 Prozent einbüßen, was laut Becker vor allem daran liegt, dass sich ein Auftrag mit Bezug zu dem VW-Dieselskandal dem Ende nähere. Unabhängig davon sei KPMG Law aber die größte Rechtsanwaltsgesellschaft unter den Big Four, so der Deutschlandchef.

KPMG: Die Geschäftszahlen 2020/21 im Überblick

GeschäftsbereichGesamtleistung 2020/21 (in Mio. Euro)Veränderung in %
Wirtschaftsprüfung634-4
Tax & Legal571+5
Beratung773+9
Leistung gesamt1.990+3,2

Auch auf Personalseite zeigt sich KPMG dynamisch: Im vergangenen Geschäftsjahr wurden mehr als 2.000 Mitarbeiter eingestellt, für das laufende Geschäftsjahr wurden bereits mehr als 2.700 Einstellungen vorgenommen. Die Anzahl der Standorte ist um das Büro in Münster auf 26 angewachsen – damit hat KPMG unter den Big Four die meisten Standorte in Deutschland.

Trotz zunehmender Arbeit im Home Office seien physische Standorte kein Auslaufmodell, im Gegenteil, meint Klaus Becker: Die Mitarbeiter würden die Büros als regelmäßige „Station zum Andocken“ schätzen, vor allem wenn sie trotzdem weiterhin in der Nähe ihrer Heimat leben und arbeiten könnten.

Das Geschäftsjahr 2021/2022 habe „sehr gut begonnen“, so Becker, ohne auf konkrete Zahlen einzugehen. Obwohl ein Ende der Pandemie noch nicht abzusehen ist, zeigt er sich für die Zukunft äußerst optimistisch: „Wir haben Jahre des deutlichen Wachstums vor uns.“

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.