BDO hat Nicolai Kiskalt an Bord geholt, er soll das Business-Consulting-Geschäft des mittelständischen Prüfungs- und Beratungshauses aufbauen.

BDO

25.05.18
Banking & Berater

BDO baut Sparte für Business Consulting auf

BDO baut mit dem früheren Capgemini-Partner Nicolai Kiskalt eine Business-Consulting-Sparte auf. Für das mittelständische WP- und Beratungshaus ist das ein wichtiger Schritt, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft BDO baut ihr Angebot mit Advisory Services aus und erweitert das Portfolio um den neuen Bereich Business Consulting. Leiter der neuen Sparte ist Nicolai Kiskalt, den BDO in diesem Monat frisch an Bord geholt hat.

Kiskalt war zuvor mehr als elf Jahre in verschiedenen Funktionen bei dem Wettbewerber Capgemini tätig und hatte dort zuletzt als Vice President konzernweit die Beratungsbereiche Strategy, Sales und Business Development verantwortet. Seine Beratungsschwerpunkte liegen auf den Bereichen digitale Transformation und Sales Transformation.

BDO-Business-Consulting soll auf 50 Personen anwachsen

Die Verpflichtung hat für BDO einen hohen Stellenwert. „Wir machen damit einen weiteren und entscheidenden Schritt in unserem strategischen Ausbau des Bereichs Advisory Services“, kommentiert Parwäz Rafiqpoor, Leiter des Bereichs Advisory Services im Vorstand, die Personalie. Kiskalt wird an ihn berichten.   

Der Bereich Advisory Services bestand bei BDO bisher aus fünf Sparten: IT-Services, Corporate Finance, Financial Services, Gesundheitswirtschaft sowie Öffentlicher Sektor. Die sechste Sparte Business Consulting soll nun für die Beratung der operativen und organisatorischen Funktionen eines Unternehmens wie HR, Vertrieb, Marketing, Business Development oder Einkauf stehen. 

„Das ist ein entscheidenden Schritt in unserem strategischen Ausbau des Bereichs Advisory Services.“

Parwäz Rafiqpoor, BDO

Zwar hat BDO auch bisher schon vereinzelt zu diesen Themen beraten, einen spezialisierten Bereich gab es aber noch nicht. In den kommenden drei Jahren soll das Team von Nicolai Kiskalt auf bis zu 50 Mitarbeiter anwachsen, erklärte BDO auf FINANCE-Nachfrage. 

Big Four und Next Ten drängen ins Beratungsgeschäft

Der Ausbau des Beratungsgeschäfts steht derzeit sowohl bei den großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshäusern KPMG, PwC, Deloitte und EY („Big Four“) als auch bei den mittelständischen Häusern wie Ebner Stolz, Rödl & Partner oder Mazars („Next Ten“) ganz oben auf der Agenda. Denn während es im traditionellen Prüfungsgeschäft kaum noch hohe Margen gibt, sind die Stundensätze in der Beratung wesentlich höher. Gleichzeitig treibt die einsetzende Digitalisierung in den Unternehmen die Nachfrage.

BDO, mit einem Umsatz von 215 Millionen Euro in Deutschland aktuell das fünfgrößte WP- und Beratungshaus, hat 2014 den Transformationsprozess von einem Wirtschaftsprüfer hin zu einer integrierten Prüfungs- und Beratungsgesellschaft angestoßen, wie BDO-Chef Holger Otte kürzlich in einem Interview mit FINANCE berichtete. Das Kerngeschäft Wirtschaftsprüfung weiterzuführen und dabei parallel die Beratung möglichst schnell auszubauen hat dem Beratungshaus viel abverlangt: „Die Transformation war wie eine Operation am offenen Herzen“, so Otte.

BDO will aus eigener Kraft in Beratung wachsen

Das Beratungsgeschäft von BDO ist in den vergangenen zwei Jahren um über 40 Prozent gewachsen.

Dass sich seitdem vieles getan hat, zeigt sich auch in den Umsätzen: Das Beratungsgeschäft ist in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 40 Prozent gewachsen, sagte ein Sprecher. Dazu dürften auch einige prominente Personalien beigetragen haben. 2017 verstärkte sich BDO mit dem früheren Duff & Phelps-Berater Hartmut Paulus sowie dem bekannten M&A-Berater Dietmar Flügel, der von Baker Tilly kam.

Ende des Jahres kam noch Volker Nürnberg an Bord, der zuvor fünf Jahre Leiter Health Management bei der internationalen Beratung Mercer war. Zu Jahresanfang verpflichtete BDO den Rechtsanwalt und Steuerexperten Henrik Meyer von KPMG, der M&A-Deals begleitet und Tax Due Diligences erstellt. Erst im vergangenen Monat holte BDO schließlich den auf mittelständische Transaktion spezialisierten M&A-Berater Oliver Bach an Bord.

Doch auch die Konkurrenz hat in den vergangenen Jahren über Neuverpflichtungen oder Übernahmen weitere Beratungsexpertise ins Haus geholt – sowohl die Big Four als auch die Next Ten konnten so mit teils hohen zweistelligen Wachstumsraten in der Beratung glänzen. BDO will vor allem aus eigener Kraft wachsen. Der Fokus liege nicht auf Zukäufen, sagte ein Sprecher. Für die Zukunft wollte er eine Übernahme allerdings auch nicht ausschließen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wer gewinnt die besten Experten, wer holt die lukrativsten Mandate? Was sich bei den Big Four und den Next Ten tut, können Sie auf unseren Themenseiten nachlesen.