Das Marktforschungsunternehmen Trendence hat Absolventen der Wirtschaftswissenschaften zu ihren Wunsch-Arbeitgebern befragt.

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31.07.20
Banking & Berater

Big Four rutschen im Nachwuchs-Ranking ab

Die großen WP- und Beratungshäuser haben bei den Berufseinsteigern an Popularität eingebüßt. Dabei dürften die stärksten Reaktionen der Uni-Absolventen auf ihr Vorgehen in der Coronakrise erst noch kommen.

Im Kampf um die besten BWL- und VWL-Absolventen verlieren die Big Four gegenüber anderen Beratungsunternehmen und Industrieunternehmen wie Porsche oder Apple an Boden. PwC, das beim Nachwuchs populärste Big-Four-Haus, rutscht im Gesamtranking des Marktforschungsunternehmens Trendence von Platz 9 auf 10. Trendence hat zwischen September 2019 und Februar 2020 rund 17.600 Absolventen befragt, also noch bevor die Coronakrise und der Wirecard-Skandal zusätzlichen Druck auf die Popularität der Wirtschaftsprüfer ausgeübt haben.

Auf Platz 12 (minus 1) liegt EY. Bei den Wertungspunkten büßt EY von allen vier großen WP- und Beratungshäusern am stärksten ein. Deloitte und KPMG teilen sich Rang 16, sie schneiden damit ebenfalls jeweils einen Rang schlechter ab als bei der vorangegangenen Trendence-Umfrage im Winter 2018/19. KPMG hat es immerhin geschafft, sich bei der „Conversion Rate“ – also der Umwandlung von interessierten Absolventen in Bewerber – überdurchschnittlich stark zu verbessern.

Dazwischen liegen noch die Consulting-Größen McKinsey und BCG auf den Plätzen 11 und 15. Auffallend ist, dass diese beiden Häuser – anders als die Big Four – bei den Wirtschaftsstudenten nicht an Attraktivität eingebüßt haben. Auf den ersten drei Plätzen des Gesamtrankings liegen Daimler/Mercedes-Benz, die BMW Group und Adidas.

Deloitte gewinnt im Langstreckenlauf

Mit den aktuellen Zahlen endet vorerst auch die Aufholjagd von Deloitte. Die Münchener haben sich in den vergangenen fünf Jahren von Platz 39 auf Platz 16 nach vorne gearbeitet und damit die Lücke zu den drei Rivalen geschlossen. Ein Herausstellungsmerkmal von Deloitte hat Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah im FINANCE-Talk vor einem halben Jahr erklärt: Deloitte würde die eigenen Mitarbeiter stärker für das Recruiting einsetzen, insbesondere als „Corporate Influencer“.

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Doch inzwischen haben auch andere Beratungshäuser den Wert eines konsequenten Arbeitgeber-Marketings entdeckt, um sich dem Fachkräftemangel entgegen zu stemmen. Insbesondere zwei Häuser holen auf: Im aktuellen Trendence-Ranking klettert Accenture um acht Positionen nach oben, Bain & Company sogar um elf. Mit den Plätzen 37 und 55 sind sie in den Augen der Absolventen aber immer noch deutlich unattraktiver für einen Berufseinstieg als die Big Four, die als klassische Karrieresprungbretter gelten.

Haben die Big Four ihre Popularität verspielt?

Die nächste Trendence-Umfrage dürfte erste Hinweise darauf geben, wie sich die Auswirkungen der Coronakrise auf die Güte der Arbeitgebermarken der Big Four auswirkt. Mit Verschlechterungen ist zu rechnen, haben gerade die Big Four nach Verhängung des Lockdowns doch enorm stark auf die Kostenbremse getreten. Zahlreiche Mitarbeiter wurden pauschal dazu aufgefordert, Urlaubs- und Arbeitszeitkonten abzubauen. In vielen Abteilungen galt und gilt zum Teil immer noch ein rigoroser Budget- und Einstellungsstopp.

Aus reinen Consulting-Firmen sind deutlich weniger anekdotische Berichte dieser Art zu hören. Auch viele Industriekonzerne – insbesondere solche mit Tech-Hintergrund – mussten deutlich weniger stark auf die Coronakrise reagieren, als es die Big Four getan haben.

gesine.wagner[at]finance-magazin.de

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