Georg Fahrenschon auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München im Jahr 2018. Der Ex-Sparkassen-Chef und frühere Bayerische Finanzminister ist zur Steuerberatung WTS gewechselt.

dpa/picture alliance/Sven Simon

09.01.19
Banking & Berater

Ex-Sparkassen-Chef Fahrenschon heuert bei WTS an

Nach dem Ende seiner Steueraffäre ist der Ex-Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon nun ausgerechnet zu einer Steuerberatung gewechselt. Bei WTS soll er das Geschäft mit Private-Equity- und VC-Gesellschaften ausbauen.

Prominenter Neuzugang bei WTS: Wie die Steuerberatungsgesellschaft mitteilt, ist der frühere Bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon seit wenigen Tagen für WTS tätig. Er wird als Director und Generalbevollmächtigter aus der Zentrale in München heraus arbeiten.

Fahrenschon soll WTS-Geschäfte vorantreiben

In seiner neuen Funktion soll Fahrenschon laut WTS-Mitteilung die Geschäftsentwicklung mit Fokus auf dem industriellen Mittelstand und Familienunternehmen forcieren. Außerdem erhofft sich WTS, dass er strategische Allianzen mit Beratungen, Privat-Equity-Häusern oder Venture-Capital-Gesellschaften ausbaut. Dies beinhaltet laut WTS auch bestehende Kooperationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien oder den Benelux-Ländern.

WTS-Chef Fritz Esterer zeigt sich erfreut über den Neuzugang: „Mit Georg Fahrenschon haben wir einen sehr erfahrenen Manager mit herausragenden Führungsqualitäten gewonnen, von denen wir in allen Bereichen der WTS-Gruppe enorm profitieren können“, wird er in einer Mitteilung zitiert. 

Fahrenschon hat Steuererklärung verspätet abgegeben

Das Engagement von Fahrenschon bei der Steuerberatung ist aber auch pikant. Denn der prominente WTS-Neuzugang war im vergangenen Jahr als Verbandspräsident der Sparkassen zurückgetreten, weil er seine Steuererklärungen aus den Jahren 2012 bis 2014 verspätet abgegeben hatte. Fahrenschon schob die Schuld dafür seinem damaligen Steuerberater zu.

Für das Vergehen akzeptierte Fahrenschon im April 2018 einen Strafbefehl über 140 Tagessätze wegen Steuerhinterziehung. Da die Strafe über der gesetzlich festgelegten 90-Tagessatz-Schwelle liegt, gilt Fahrenschon nun als vorbestraft. Es entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie, dass der Diplom-Ökonom nun für eine Steuerberatungsgesellschaft arbeitet.

Seinen neuen Arbeitgeber scheint Fahrenschons Vergangenheit indes nicht zu stören: Er habe Fehler eingestanden und sei gut mit dem Verfahren umgegangen, zitiert das „Handelsblatt“ WTS-Vorstand Esterer. „Georg Fahrenschon genießt nach wie vor einen exzellenten Ruf und hat ein großes Netzwerk an Entscheidern, von dem wir profitieren werden“, so der WTS-Chef weiter.

„Georg Fahrenschon genießt nach wie vor einen exzellenten Ruf.“

Fritz Esterer, WTS

WTS steigert Umsatz um 23 Prozent

WTS ist als fünftgrößte Steuerberatungsgesellschaft nach den Big Four KPMG, PwC, EY und Deloitte ein wichtiger Player im Markt. Seit der Fusion mit dem Beratungshaus FAS im Juli 2017 hat das Unternehmen in den Angriffsmodus geschaltet. Man wolle vor allem davon profitieren, dass man im Gegensatz zu den Big Four keine Wirtschaftsprüfung anbiete und daher nicht in Konflikte mit der Unabhängigkeit gerate, erklärten WTS-Chef Esterer und FAS-Chef Ingo Weber im Gespräch mit FINANCE nach der Fusion. Das Unternehmen will damit die Mandate bei Großkunden ausbauen.

Dafür ist WTS schon vor dem Engagement von Fahrenschon personell in die Offensive gegangen: 2018 haben die Münchener mit Franz Prinz zu Hohenlohe und Gabriele Rautenstrauch zwei renommierte Steuerrechtler von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG abgeworben. Franz Prinz zu Hohenlohe ist seither neben Fritz Esterer zweiter WTS-Vorstand.

Den jüngsten Zahlen zufolge, die WTS zusammen mit der Fahrenschon-Verpflichtung veröffentlicht hat, scheint sich die Strategie auszuzahlen. Im Geschäftsjahr 2017/2018 ist der Umsatz um knapp 23 Prozent auf 132 Millionen Euro gestiegen. Zudem konnte sich WTS mit dem Versicherer Allianz ein weiteres Dax-Mandat sichern.

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