Franz Prinz zu Hohenlohe, Leiter der Beratungseinheit internationales Steuerrecht, verlässt KPMG und wechselt zu WTS.

KPMG

10.01.18
Banking & Berater

KPMG verliert renommierten Steuerrechtler an WTS

Die Big-Four-Gesellschaft KPMG verliert ihren Leiter für das internationale Steuerrecht an den wesentlich kleineren Konkurrenten WTS. Franz Prinz zu Hohenlohe wird bei WTS zweiter Vorstand neben Chef Fritz Esterer.

Überraschende Personalie bei KPMG: Franz Prinz zu Hohenlohe, Leiter der Beratungseinheit internationales Steuerrecht, verlässt das Big-Four-Unternehmen. Zu Hohenlohe wechselt allerdings nicht zu einem der Erzrivalen PwC, Ernst & Young oder Deloitte, sondern zum wesentlich kleineren Wettbewerber WTS.

Dort wird er am Münchener Stammsitz zweiter Vorstand neben Fritz Esterer, der den Posten bisher alleine innehatte. Es ist allerdings noch nicht bekannt, wann genau zu Hohenlohe wechselt. KPMG hat die Personalie gegenüber FINANCE auf Nachfrage bestätigt. Zuerst berichtet hatte darüber das Branchenportal „Juve“.

Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer war seit 2002 für KPMG tätig, 2011 stieg er zum Leiter des Teams für internationales Steuerrecht auf. Vor seiner Zeit bei KPMG arbeitete zu Hohenlohe bei Arthur Andersen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem internationale Restrukturierungen deutscher Konzerne, steueroptimierte Unternehmensfinanzierungen und die steuerliche Beratung bei M&A-Deals.

WTS ist stark bei Dax-Mandanten vertreten

Mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro ist Hohenlohes neuer Arbeitgeber WTS wesentlich kleiner als KPMG, die 2017 in Deutschland  mit der Wirtschaftsprüfung 437 Millionen Euro umsetzte. Allerdings ist WTS ein bedeutender Player in der Branche und direkt nach den Big Four der fünftgrößte Steuerberater im deutschen Markt. WTS dürfte zu Hohenlohes Erfahrung bei Dax30-Konzernen schätzen – WTS betreut eigenen Angaben zufolge jetzt schon über 70 Prozent der Dax-30-Unternehmen, darunter Siemens und die Deutsche Post.

Auch außerhalb des Dax30 hat die Steuerberatungsgesellschaft einige große Mandate wie Epcos oder MAN. Daneben berät WTS Unternehmen auch beim Outsourcing ihrer Steuerabteilungen, darunter E.on und die Allianz. Dabei setzt WTS auf ein internationales Netzwerk, das nach dem Vorbild der Big Four aufgebaut ist.

WTS befindet sich derzeit auf Wachstumskurs, im Sommer vergangenen Jahres verstärkte sich das Unternehmen mit dem mittelständischen Beratungshaus FAS. Die Wachstumspläne sind durchaus ambitioniert: Zusammen wollen WTS und FAS den großen Strategieberatern sowie den Big Four die Kunden streitig machen, wie WTS-Chef Esterer und FAS-Chef Ingo Weber erst kürzlich im Interview mit FINANCE erklärten. Laut Juve soll zu Hohenlohe vor allem die laufende und transaktionsbezogene Begleitung verantworten, während Esterer das Geschäft steuert.

KPMG mit schwachem Wachstum in der Steuerberatung

KPMG dürfte der Weggang von zu Hohenlohe treffen, hat der Steuerrechtler doch ein großes Renommee in der deutschen Steuer-Community. Allerdings hat sich der Bereich Steuerberatung bei KPMG zuletzt schwach entwickelt: 2017 lag das Wachstum bei nur 3 Prozent, Konkurrent Deloitte konnte hingegen mit 25 Prozent aufwarten.

Und auch der Gesamtumsatz entwickelte sich bei KPMG verhältnismäßig schwach. Der Konzern wuchs 2017 in Deutschland um nur 4 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro. Besonders enttäuschend entwickelte sich die Unternehmensberatung, die derzeit anderswo der stärkste Wachstumstreiber in der Branche ist, bei KPMG im vergangenen Jahr aber nur um 1 Prozent zulegen konnte.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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