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13.05.16
Banking & Berater

Roland Berger kommt nicht voran

Nach einer langen Restrukturierungsphase stagniert der Umsatz bei Roland Berger. Nächstes Jahr könnte der Berater zwar wieder wachsen – doch währenddessen holt die Konkurrenz rasant auf.

Roland Berger kommt momentan nicht vorwärts: Bei der Unternehmensberatung stagniert der Umsatz im Geschäftsjahr 2015 mit 560 Millionen Euro genau auf dem Vorjahresniveau. Das hat das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk berechnet, das jährlich die Umsätze der größten Beratungsgesellschaften ermittelt.

2014 sah die Situation bei der deutschen Nummer 1 allerdings noch düsterer aus: Damals war der Umsatz um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Roland Berger befindet sich derzeit in der größten Umstrukturierung seiner Geschichte. Die Münchener, die vor allem als Sanierungsberater bekannt waren, wollten zu einer global führenden Unternehmensberatung aufsteigen und haben eine sehr kostspielige Expansion betrieben – ohne durchschlagenden Erfolg.

Inzwischen hat die Beratung ein Sparprogramm durchgezogen, Büros geschlossen und Mitarbeiter entlassen. Die Stabilisierung des Umsatzes könnte daher auch als positives Zeichen gedeutet werden, dass die Maßnahmen langsam fruchten. Nun schaltet Roland Berger offenbar vom Sparmodus wieder um auf Wachstum: „Wir gehen davon aus, dass Roland Berger im laufenden Jahr wieder deutlich wachsen wird. Dies macht auch die Ankündigung des Unternehmens zu Beginn dieses Jahres deutlich, 500 neue Mitarbeiter einzustellen“, sagt Jonas Lünendonk, geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschungsunternehmens.

Simon Kucher und D-Fine mit Wachstum über 20 Prozent

Roland Berger ist zwar nach wie vor die umsatzstärkste Beratung in Deutschland, doch die Konkurrenz holt ihm Eiltempo auf. So hat sich Simon Kucher & Partners mit einem Wachstum von 20 Prozent und einem Umsatz von 208 Millionen Euro von Platz 3 auf Platz 2 gehievt und Zeb Rolfes Schierenbeck überholt. Auf Platz 4 befindet sich Horváth, auf Platz 5 liegt KPS. Beide sind im vergangenen Jahr um rund 10 Millionen Euro gewachsen.

Die Beratung D-fine hat mit einem starken Wachstum von 20 Prozent auf einen Umsatz von 115 Millionen Euro die Personalberatung Kienbaum überholt und ist von Platz 7 auf Platz auf Platz 6 aufgestiegen. Hinter Kienbaum folgen Q-Perior, Porsche Consulting und Goetzpartners. Insgesamt sind die Top-10-Unternehmensberatungen Deutschlands im Durchschnitt um 9,4 Prozent gewachsen. Das ist viel, doch haben sie ihre selbstgesteckte Prognose von 10 Prozent im Schnitt damit nicht ganz erreicht.

Im Gegensatz zu Roland Berger haben die anderen führenden Beratungshäuser einen Vorteil: Sie sind stark spezialisiert, beispielsweise auf Personal, Pricing, Controlling oder IT und stehen daher nicht in direkter Konkurrenz zu den großen Strategieberatern wie McKinsey, BCG oder Bain. Diese drei sowie die Beratungsarme der Big Four KPMG, Deloitte, PwC und Ernst & Young haben zum Teil wesentlich höhere Umsätze im deutschen Beratungsgeschäft als Roland Berger. Ein Ranking gibt es allerdings nicht, dazu seien die Berechnungsgrundlagen zu unterschiedlich, glaubt Lünendonk.

Big Data und Industrie 4.0 treiben Wachstum

Wachstumstreiber im Jahr 2015 war das Thema Digitalisierung und seine Auswirkungen auf Unternehmen und Geschäftsmodelle, erklärt Jonas Lünendonk. „Wir sehen grundsätzlich, dass Themen wie Big Data oder Industrie 4.0 immer wichtiger werden. Auch die Anzahl der konkreten Projekte, die dazu umgesetzt werden, steigt deutlich“, so Lünendonk. Als größten Wachstumshemmer sehen die von Lünendonk befragten Unternehmen so wie im Vorjahr den Fachkräftemangel – 93 Prozent sehen diesen als größtes Wachstumshemmnis.  

Bei den Zukäufen hat sich der Trend gewandelt: Während die Unternehmensberatungen früher eher dazu neigten, veritable Konkurrenten aufzukaufen, schielen sie jetzt eher auf kleinere, aber sehr spezialisierte Beratungs- und Softwarehäuser, die vor allem im Bereich der Datenanalyse unterwegs sind.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de