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So hart hat Corona die Berater getroffen

Durch die Coronakrise haben die Umsätze vieler Unternehmensberater gelitten. Für das laufende Jahr ist die Branche aber wieder optimistisch.
Alex from the Rock - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie hat die Consulting-Branche ordentlich durchgerüttelt. Das zeigt die frisch vorgelegte Liste „Führende Managementberatungsunternehmen in Deutschland“ des Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder, in der die 15 größten deutschen Managementberatungen nach Gesamtumsatz erfasst werden. Berücksichtigt werden dabei Unternehmen, die ihren Hauptsitz sowie die Mehrheit des Grund- und Stammkapitals in Deutschland haben. Die Entwicklung internationaler Beratungshäuser, die nennenswertes Geschäft in Deutschland haben, weist Lünendonk in einer separaten Liste aus. 

Dabei zeigt sich: Mit den Auswirkungen der Pandemie sind nicht alle Häuser gleich gut klargekommen. Ein klares Erfolgskonzept gab es dabei nicht. Unter denjenigen, die sich gut behaupten konnten, sind laut Lünendonk-Liste sowohl Berater mit einer breiten und heterogenen Aufstellung als auch solche, die auf bestimmte Branchen – etwa Banken, Versicherungen oder öffentliche Verwaltung – spezialisiert sind. 

Simon-Kucher und Q-Perior bauen aus

Unter den 15 führenden deutschen Managementberatungen behauptete Roland Berger im vergangenen Jahr seinen Platz an der Spitze, der Umsatz lag mit 590 Millionen Euro allerdings deutlich unter dem Vorjahr, als das Beratungshaus 642 Millionen Euro erwirtschaftete. Das ist ein Minus von 8,1 Prozent. Die Mitarbeiterzahl blieb mit 2.400 Personen dagegen trotz des Umsatzrückgangs konstant. 

Das könnte sich im laufenden Jahr auszahlen, glaubt Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschers. Viele Unternehmensberatungen bekämen seit einigen Monaten wieder deutlich mehr Anfragen von Kunden, berichtet er. Wer sein Team in der Krise zusammengehalten hat, kann diese Anfragen nun leichter bearbeiten. 

„Wer das Team in der Krise zusammengehalten hat, kann zunehmende Kundenanfragen leichter bearbeiten.“

Die Nummer zwei der aktuellen Liste, die Pricing- und Strategieberatung Simon-Kucher, hat ihre Mitarbeiterzahl mit 1.400 Personen gegenüber dem Vorjahr sogar minimal ausgebaut. Der Umsatz kletterte ebenfalls leicht um 1 Prozent von 358 auf 361,5 Millionen Euro. Und auch die Nummer drei der Liste konnte im Corona-Jahr zulegen: Das Beratungshaus Q_Perior ist auf Business- und IT-Beratung spezialisiert – ein Feld, das während der Pandemie nachgefragt war, wie der Umsatzanstieg um gut 5 Prozent von 214 auf 225 Millionen Euro zeigt. 

Horváth und Detecon mit Umsatz-Minus

Weniger gut lief es dagegen für Horváth. Die Stuttgarter Beratung mit hoher Controlling-Expertise findet sich zwar wie im Vorjahr auf Rang vier der Lünendonk-Liste wieder, rutschte allerdings nach einem Umsatzrückgang von gut 7 Prozent unter die 200-Millionen-Euro-Umsatzgrenze: Nach 211 Millionen Euro im Vorjahr erwirtschafteten die Schwaben im Corona-Jahr 2002 einen Gesamtumsatz von 196 Millionen Euro. Zudem ist die Mitarbeiterbasis deutlich geschrumpft: Beschäftigte Horváth 2019 noch 910 Personen, waren es 2020 der Liste zufolge noch 832 Mitarbeiter, ein Minus von 8,6 Prozent. 

Beim fünftgrößten Beratungshaus Detecon aus Köln ging die Mitarbeiterzahl ebenfalls um 8,6 Prozent zurück, dort arbeiteten 2020 noch 1.124 Personen. Der Umsatzrückgang fiel mit 3,7 Prozent etwas geringer aus als bei Horváth: Nach 201 Millionen Euro im Vorjahr kam Detecon 2020 auf einen Gesamtumsatz von 193 Millionen Euro. Der Rückstand zu Horváth ist damit deutlich geschrumpft.

Internationale Berater bewältigen Krise besser

Zusammen erzielten die 15 führenden deutschen Managementberatungen laut Lünendonk & Hossenfelder im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von 2,66 Milliarden Euro (2019: 2,8 Milliarden Euro) und beschäftigten in Summe 12.193 Mitarbeiter (Vorjahr: 12.403 Mitarbeiter). Etwa 60 Prozent des Umsatzes entfielen auf den deutschen Markt. 

Internationale Beratungskonzerne sind hierzulande deutlich stärker präsent und erzielten 2020 rund 8,2 Milliarden Euro mit Beratungsdienstleistungen in Deutschland, so die Schätzung von Lünendonk & Hossenfelder. Als Marktführer sieht das Umfragehaus die Strategieberatungen McKinsey und Boston Consulting Group, gefolgt von den Beratungseinheiten der großen Wirtschaftsprüfer Deloitte und PwC sowie der Consulting-Einheit von Accenture.

Nur sechs von 15 deutschen Top-Beratungen wachsen

Insgesamt kamen die internationalen Häuser besser durch die Krise als die Top-15 in Deutschland: Sie legten im Krisenjahr 2020 beim Umsatz um 1,6 Prozent zu. Allerdings ist dies ein vergleichsweise schwacher Wert, im Vorjahr hatte das Wachstum noch rund 8 Prozent betragen. Die deutschen Top-Adressen mussten dagegen im Durchschnitt einen Umsatzrückgang von 6,1 Prozent verbuchen. 

„Die internationalen Beratungen legten 2020 um 1,6 Prozent zu. Im Vorjahr hatte das Wachstum noch rund 8 Prozent betragen.“ 

Dabei ist die Spannbreite unter den deutschen Beratern enorm. Für Ausschläge sorgen insbesondere Schwankungen bei den Beratungshäusern mit zweistelligen Gesamtumsätzen: Am oberen Ende der Jahresperformance steht die Düsseldorfer Cassini Consulting, die ein Umsatzplus von 19 Prozent von 41 auf 48,8 Millionen Euro verbuchte. Insgesamt legten nur sechs der 15 Beratungshäuser im vergangenen Jahr beim Umsatz zu, neben Cassini waren dies D-fine (+7,6 Prozent), Q_Perior (+ 5,1 Prozent), Goetzpartners (+ 4,9 Prozent), zeb (+ 1,7 Prozent) sowie Simon-Kucher (+ 1 Prozent).

Besonders kämpfen mussten im vergangenen Jahr die Strategieberatung Staufen mit einem Umsatzrückgang von 26,1 Prozent auf 51 Millionen Euro, die Unternehmensberatung h&z (minus 26,8 Prozent auf 62,2 Millionen Euro Umsatz) sowie Ingenics (minus 31,1 Prozent auf 43,4 Millionen Euro). Bemerkenswert dabei: Während Ingenics und Staufen auch jeweils gut ein Zehntel der Mitarbeiter verloren haben, sank die Beschäftigtenzahl bei h&z nur um gut 2 Prozent – Managing Partner Stefan Aichbauer begründet dies damit, dass etwa die Hälfte der Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt ist. 

Remote Consulting wird bleiben

Insgesamt hat Corona in der Beraterbranche einige Veränderungen angestoßen, die langfristige Folgen haben werden. Eine davon: Die Reisetätigkeit nimmt ab. Im Jahr 2020, in dem das Consulting von März an weitestgehend unter Corona-Vorzeichen ablief, fanden einer Lünendonk-Umfrage zufolge bereits 75 Prozent der Beratungen „remote“ statt. 2021 wird dieser Anteil voraussichtlich nur leicht auf 72 Prozent sinken. 

Und auf Dauer? Selbst für das Jahr 2030 gehen die Befragten davon aus, dass noch 53 Prozent der Beratungen remote und 47 Prozent vor Ort beim Kunden stattfinden werden. Für eine Branche, die vor Ausbruch der Pandemie regelmäßig 80 bis 90 Prozent der Termine vor Ort abgehalten hat, wäre das ein Paradigmenwechsel. 

Wachstumsfelder Transformation und Nachhaltigkeit

Für die kommende Zeit hat die Branche ihre Wachstumsfelder bereits definiert. Zum einen werden Sanierungs- und Restrukturierungsprojekte nach Einschätzung vieler Consultants stark zunehmen. Auf einer Skala von -3 („stimme gar nicht zu“) bis +3 („stimme voll zu“) erreichte diese These unter den Teilnehmern der deutschen Top-15-Beratungsunternehmen einen Zustimmungswert von 1,4. Unter den Teilnehmern aus internationalen Beratungen lag der Wert sogar bei 1,7. 

Der Bereich Restrukturierung ist für Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company, allerdings nur ein Teilaspekt. Er sehe derzeit viel Nachfrage zur Transformation und Neuausrichtung von Geschäftsmodellen, sagte Sinn bei einer Diskussion anlässlich der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Dazu zählten Themen wie die Digitalisierung, Veränderungen über M&A und Kooperationen, aber auch Fragen rund um Nachhaltigkeit und ESG. Moritz Hagenmüller, Leiter von Accenture Strategy in Deutschland, sieht in der Umsetzung von ESG-Strategien Parallelen zur Umsetzung von Digitalisierungsprojekten: Beides könne man nur erfolgreich gestalten, wenn alle Unternehmensbereiche und Funktionen eingebunden seien. 

Für das laufende Jahr rechnen die Teilnehmer der deutschen Top-15-Beratungen wieder mit einer deutlichen Erholung ihres Geschäfts hierzulande: Sie erwarten im Schnitt ein Umsatzplus von 8,7 Prozent. Die internationalen Beratungskonzerne sind sogar noch optimistischer. Sie gehen im laufenden Jahr für ihr Deutschlandgeschäft sogar von einem zweistelligen Umsatzanstieg um 10,3 Prozent aus. 

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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