EY bleibt Marktführer in der Steuerberatung – doch wie sieht es bei den anderen Big-Four- und Next Ten-Häusern aus?

EY

23.04.20
Banking & Berater

Steuerberatung: EY verteidigt Marktführerschaft

Die 20 größten Steuerberater in Deutschland sind auch 2019 stark gewachsen. Während EY die Marktführerschaft unter den Big Four weiter verteidigt, liefern sich die Next Ten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie eine Auswertung des Branchenportals „Juve“ zeigt.

2019 war ein gutes Jahr für die 20 größten Steuerberatungshäuser in Deutschland: Sie setzten zusammen insgesamt 2,75 Milliarden Euro um und damit im Schnitt 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Das zeigt eine Auswertung von „Juve Steuermarkt“, für die das Branchenportal die Umsätze der 20 größten Steuerberatungsgesellschaften, -sozietäten sowie -einheiten im Geschäftsjahr 2019 zusammengestellt hat.

Innerhalb der Häuser waren die Umsatzentwicklungen trotz des insgesamt positiven Trends dennoch sehr unterschiedlich. Mit einem Umsatz von 650 Millionen Euro in seiner Steuerberatungseinheit blieb Ernst & Young wie in den Vorjahren die unangefochtene Nummer 1. Das Wachstum von 1,9 Prozent war aber schwach, im Vorjahr lag es noch bei über 8 Prozent. Deutlich stärker wuchs das Big-Four-Haus im vergangenen Geschäftsjahr hingegen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Managementberatung sowie Transaktionsberatung.

EY muss Steuerberater-Mandate abgeben

Das schwächere Wachstum der Steuerberatereinheit geht wohl schon auf die ersten Auswirkungen der Prüferrotation zurück: So hat EY zuletzt eine Vielzahl neuer Prüfmandate im Dax gewonnen – mit der Folge, dass die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft bei diesen Unternehmen keine Steuerberatung mehr anbieten kann. „Juve“-Informationen zufolge war etwa das Steuerberatungsmandat bei VW, wo EY ab diesem Geschäftsjahr neuer Prüfer ist, einer der größten Aufträge der Gesellschaft. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Umsätze in der Wirtschaftsprüfung (zuletzt 617 Millionen Euro) die in der Steuerberatung bald schon übersteigen.

Von seinen Verfolgern hat EY allerdings in der Steuerberatung auf absehbare Zeit noch nichts zu fürchten: PwC liegt als Nummer 2 im Markt mit einem Umsatz von 469,5 Millionen Euro in der Steuerberatung noch ein gutes Stück hinter dem Marktführer. Mit einem Wachstum von 3,8 Prozent (Vorjahr: 2,3 Prozent) hat sich der Bereich bei PwC allerdings etwas stärker als bei EY entwickelt. Für PwC, das im Gegensatz zu EY durch die Prüferrotation bald eine Vielzahl von Prüfmandaten im Dax abgeben muss, eröffnen sich in den kommenden Jahren zudem neue Chancen für Steuerberatungsaufträge im Dax – denn ein ehemaliger Prüfer, der das Unternehmen bereits gut kennt, hat gute Chancen auf das Tax-Mandat.

Nutzt KPMG seine Chance in der Steuerberatung?

Noch mehr profitieren dürfte davon aber KPMG. Mit einem Umsatz von 415 Millionen Euro in der Steuerberatung ist das Big-Four-Haus bislang zwar erst die Nummer 3 in Deutschland – doch das Potential für neue Steuerberatungsmandate ist bei KPMG am größten.

Denn KPMG verliert aufgrund der Prüferrotation die mit Abstand meisten Prüfmandate in der Dax-Familie. Anders als PwC gelang es KPMG zudem bislang kaum, neue Prüfmandate zu gewinnen: Während PwC schon mit Linde, Fresenius und Fresenius Medical Care, BMW, Allianz, Henkel und HeidelbergCement zahlreiche neue Prüfkunden im Dax gewinnen konnte, sieht es bei KPMG mit nur zwei Zugewinnen bei Covestro und E.on mau aus. Das spiegelt sich auch in den WP-Umsätzen wider, die bei KPMG stagnieren. In der Steuerberatung könnte KPMG bei seinen ehemaligen Mandanten dagegen punkten.

Da sich auch die Unternehmensberatung zuletzt wenige dynamisch entwickelte als bei den Big-Four-Konkurrenten, bleibt die Steuerberatung als großer Hoffnungsträger. Und es gibt erste positive Anzeichen: 2019 wuchs KPMG bereits um 8,3 Prozent in der Steuerberatung, im Vorjahr waren es noch 4 Prozent. Damit wuchs KPMG in der Steuerberatung deutlich schneller als die beiden vorne platzierten Wettbewerber und ist bereits deutlich näher an die zweitplatzierte PwC gerückt. Die Prüferrotation könnte KPMG letztlich zum Gewinner im Steuerberatungssegment machen.

Deloitte bleibt viertgrößter Steuerberater

Abgeschlagene Nummer 4 im Markt ist Deloitte mit einem Umsatz von 222 Millionen Euro. Das Wachstum von 9,6 Prozent (Vorjahr: 8,9 Prozent) ist das zweite Jahr in Folge stark, wenn auch ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau als bei den Wettbewerbern. Auch Deloitte hat noch viel Potential zum Wachstum in der Steuerberatung: Bisher hat das Big-Four-Haus mit Bayer nur ein Prüfmandat im Dax und damit kaum Unabhängigkeitskonflikte.

Dafür wächst Deloitte rasant in der Unternehmensberatung, wo sich das Big-Four-Haus inzwischen sogar an die Spitze gesetzt hat. Ein starker Treiber ist hier die Digitalisierungsberatung, in die Deloitte in den vergangenen Jahren massiv investiert hat – und dieses Thema spielt auch in der Steuerberatung ein wichtige Rolle. Denkbar ist aber auch, dass Deloitte durch die Sparmaßnahmen, die viele Unternehmen wegen des Coronavirus ausgerufen haben, jetzt wieder gebremst wird.

Big Four: Die Steuerberatungsumsätze im Überblick

1 EY

659 Mio. Euro
(+1,9 %)

2 PwC

469,5 Mio. Euro
(+3,8 %)

3 KPMG

415 Mio. Euro
(+8,3 %)

4 Deloitte

222 Mio. Euro
(+9,6 %)

Next Ten liegen Kopf an Kopf

Die Big Four führen zwar das Geschäft mit der Steuerberatung in Deutschland an – der Abstand zu den Next Ten ist aber deutlich geringer als in der Wirtschaftsprüfung. So ist die Nummer 5 im Markt – WTS – mit einem Umsatz von 127 Millionen Euro nicht so weit von Deloitte entfernt. Mit gut 13,2 Prozent konnte WTS zudem ein ähnlich gutes Wachstum wie im Vorjahr vorweisen. WTS profitiert vor allem davon, dass das Haus als reine Beratungsgesellschaft keine Unabhängigkeitskonflikte mit WP-Mandaten hat – anders als die Big Four.

WTS ganz dicht auf den Fersen ist Flick Gocke Schaumburg auf Platz 6 (+19,3 Prozent auf 126,5 Millionen Euro Umsatz), gefolgt von Rödl & Partner auf Platz 7 (+8 Prozent auf 116,5 Millionen Euro Umsatz – hierbei handelt es sich allerdings um eine „Juve“-Prognose). Etwas weiter abgeschlagen befindet sich Ebner Stolz mit einem Umsatz von 96,4 Millionen Euro (+6,1 Prozent) auf Platz 8 der größten Tax-Experten in Deutschland, gefolgt von BDO mit 88,4 Millionen Euro Umsatz (+6 Prozent).

Die Nummer 10 im Markt der Steuerberater ist Mazars mit 69,4 Millionen Euro Umsatz, dieser schließt auch den Geschäftsbereich Accounting & Outsourcing mit ein (+3,4 Prozent). Zu Jahresbeginn bekräftigte Managing-Partner Christoph Regierer seine Ambitionen, vor allem in der Steuerberatung wachsen zu wollen – vor kurzem wurde bekannt, dass 25 Tax-Experten von WTS zu Mazars wechseln werden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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