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Banken-CFOs auf den Spuren der Industrie

Finanzvorstände und Führungskräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen von deutschen Banken sehen bei der Prozessautomatisierung und der IT noch Nachholbedarf.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Finanzabteilungen der Banken vollziehen langsam einen tiefgreifenden Wandel. Lieferten CFO und sein Mitarbeiterstab bislang vor allem die Daten für die operativ tätigen Geschäftsbereiche, entwickelt sich der Finanzbereich zunehmend zum Business Partner. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Damit folgen die Banken langsam den Industrieunternehmen in der Ausrichtung und Aufstellung ihres CFO-Bereichs nach.

„Beim Rollenverständnis gibt es aber keinen Unterschied zwischen Bank-CFO und Industrie-CFO“, betont Ralf Jaspert, Partner bei PwC im Bereich Financial Services. „Beide sind Business Partner des CEOs, sozusagen der Co-Pilot.“ Dennoch seien die Waffen der CFOs in den Banken und in der Industrie unterschiedlicher Natur. „In der Industrielandschaft haben wir sehr viel früher standardisierte Prozesse, beispielsweise im IT-Bereich, gesehen, als dies in der heterogenen Landschaft der Banken möglich gewesen ist“, erklärt Jaspert weiter. Die Banken seien zudem aufgrund des gestiegenen öffentlichen Interesses und der Regulierungsflut sehr stark unter Druck. „Diese regulatorischen Treiber gibt es derzeit nicht in der Industrie. Der aktuell vorherrschende regulatorische Druck ist im Bankenbereich deutlich höher als im Industriebereich ist.“ Neue Gesetze und Regularien, zum Beispiel die umfassenden Änderungen in der IFRS-Rechnungslegung, die Umsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) und umfassende Erweiterungen im Meldewesen, zwingen die Finanzinstitute, mehr Daten zu erfassen und zu analysieren.

Deshalb müssen der CFO und sein Finanzbereich in den Banken künftig ein besseres Reporting und mehr Transparenz herstellen, um das Vertrauen der Kapitalmärkte sicherzustellen. Datenaufbereitung und die strategische Analyse des Finanzbereichs werden der Studie zufolge eine noch größere Rolle in den Kreditinstituten spielen. Der Finanzbereich der Banken soll künftig intensiver in die Neuproduktentscheidungen eingeschlossen werden. „Diese Funktionserweiterung lässt sich aber nur bewältigen, wenn der Finanzbereich im administrativen Kerngeschäft entlastet wird“, sagt Jaspert. Denn mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern können nicht deutlich mehr Aufgaben bewältigt werden. Das ist in der Industrie nicht anders.

Banken haben Defizite bei IT-Integration

Gerade die Systemarchitektur in den Banken bietet Potential zur Mitarbeiterentlastung und Möglichkeiten dem anhaltenden Kostendruck zu begegnen. Denn bei der Prozessautomatisierung, der IT und dem Sourcing sehen die befragten Finanzvorstände und Führungskräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen von insgesamt 30 Banken in Deutschland noch Nachholbedarf. Demnach müssen in der gewachsenen, heterogenen Systemarchitektur der Institute bislang zahlreiche Buchungs- und Reportingprozesse manuell ausgelöst werden. Das ist für die Mitarbeiter mit großem Aufwand verbunden. Dieser könnte durch Standardisierung und Automatisierung im Rahmen einer einheitlichen Systemarchitektur deutlich reduziert werden.

Angesichts der teilweise intensiven Änderungen in verschiedenen IFRS-Standards sowie der umsetzungsintensiven Anforderungen an das aufsichtsrechtliche Meldewesen und an das Risikomanagement wird Jaspert zufolge der teilweise vorhandene „Silogedanke“ in den Backoffice-Funktionen der Banken zunehmend durch ein bereichsübergreifendes Denken mit integrierten Systemlösungen und einem einheitlichen Datenpool abgelöst. „Die Banken brauchen eine integrierte Prozesslandschaft“, betont Jaspert. Doch bis es soweit ist, kann es dem PwC-Experten zufolge noch bis 2017 dauern, da insbesondere die kleinen und mittleren Institute mit den neuen Regularien kämpften und sich aus Ressourcengründen erst nach deren Umsetzung um die Transformation der Prozesslandschaft kümmern können.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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