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Banken: Rendite von 10 Prozent realistisch?

Mit der richtigen Strategie könnten die Banken mittelfristig wieder eine Eigenkapitalrendite von bis zu 10 Prozent erzielen, ist Strategieberater Bain überzeugt. Foto: nespix/stock.adobe.com

Negativzinsen, Kreditrisiken und ein hart umkämpfter Markt: Die vergangenen Jahre waren für die Banken in Deutschland alles andere als leicht. Doch dem Tal der Tränen dürften sie mittelfristig entsteigen können, prophezeit das Strategieberatungshaus Bain & Company – und hält eine Eigenkapitalrendite von 8 bis 10 Prozent in drei bis fünf Jahren für durchaus erreichbar. Diese lag bei den aktuell rund 1.500 Banken in Deutschland 2020 im Schnitt bei lediglich 1,1 Prozent nach Steuern, wie die jüngste Bankenstudie des Beratungshauses zeigt. Die Lücke wäre also noch beachtlich.

Corona machte Banken einen Strich durch die Rechnung

Würde den Banken dieser Sprung gelingen, könnten sie auch wieder ihre Kapitalkosten erwirtschaften, die Bain aktuell mit 8 bis 9 Prozent angibt, und ihre Gewinne deutlich steigern. Doch, um dieses hochgesteckte Ziel tatsächlich erreichen zu können, müssen Banken schnell und entschlossen handeln – mit Blick auf die vergangenen Jahre nicht gerade die Paradedisziplin deutscher Geldinstitute. Zwar sind viele von ihnen bei der nötigen Transformation inzwischen auf einem guten Weg, aber „die Banken werden weiter hart an ihren Pflichtaufgaben arbeiten müssen“, betont Bain-Deutschlandchef Walter Sinn.

Voraussetzung dafür sei jedoch auch ein Anstieg der Zinsen. Denn vor allem die anhaltende Niedrigzinsphase sowie zuletzt die in Folge der Coronavirus-Pandemie gestiegene Risikovorsorge haben die Renditen der Banken belastet und nahe an den Nullpunkt getrieben. So hatte sich die Eigenkapitalrendite der Banken 2020 im Schnitt erstmals seit Jahren sogar wieder leicht verbessert, war durch die deutlich erhöhte Kreditvorsorge letztlich jedoch auf niedrigem Niveau geblieben. Das dürfte sich mit fortschreitendem Abbau der Risikovorsorge und wachsendem Kreditgeschäft wieder ändern. Abzuwarten bleibt jedoch vorerst, inwieweit die anhaltende Pandemie das Ausfallrisiko doch noch erhöht.

ESG wird zum Rendite-Turbo für Banken

Eine besondere Rolle für die Steigerung der Renditen dürfte für die Banken das Firmenkundengeschäft einnehmen: Dort könnte das Trendthema Green Finance in den kommenden Jahren zu einem wahren Rendite-Turbo avancieren, glaubt Sinn. Allein die Investitionen in Klimaneutralität bis 2045 beziffert die Förderbank KfW mit einem Volumen von rund 5 Billionen Euro. Das Geschäft mit der Transformation biete Banken Wachstumschancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Dabei dürften die Finanzinstitute für ihre Firmenkunden vor allem in der ESG-Beratung ein wichtiger Partner werden, die nach Ansicht des Beratungshauses bis zu 50 Prozent des Geschäfts ausmachen könnte. Um diesen Turbo zu zünden, dürfen die Institute jedoch keine Zeit verlieren, betont der Bain-Chef. „Aus unserer Sicht sind deutsche Banken an dem Thema bereits dran.“ Allerdings fehle es an vielen Stellen noch an der notwendigen Schnelligkeit und Entschlossenheit. „Die Banken müssen vor allem das nötige Know-how aufbauen, um die Nachhaltigkeit auch messen zu können“, ergänzt Christian Graf, Partner bei Bain und Mitautor der Studie.

Banken müssen in digitale Ökosysteme investieren

Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Geldinstitute zusätzlich zum Thema Nachhaltigkeit den aktuellen Herausforderungen in ihrem bisherigen Kerngeschäft begegnen – allen voran die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung bisheriger Geschäftsmodelle, aber auch den Aufbau von digitalen Ökosystemen.

„Während beispielsweise Technologiekonzerne und Versicherungen das klassische Bankgeschäft immer mehr für sich entdecken, konnten sich bislang nur wenige konventionelle Kreditinstitute erfolgreich als Plattformanbieter positionieren“, so die Experten. Durch die Erweiterung ihres Portfolios könnten sich die Banken so gemeinsam mit Partnern zusätzliche Ertragsquellen erschließen.

Kostenziel für Banken bei 60 bis 65 Prozent

Neben steigenden Einnahmen müssen die Finanzinstitute jedoch vor allem auf der Kostenseite weiter reduzieren. Zwar ist die Cost-Income-Ratio (CIR) der Banken im vergangenen Jahr im Schnitt um 4 Prozentpunkte auf 72 Prozent gesunken, wobei sich inzwischen Personalaufwand und Sachkosten mit jeweils etwa 50 Prozent nahezu die Waage halten. „Um der Renditefalle endlich zu entkommen, sollten Banken in den kommenden Jahren alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Kosten nachhaltig und signifikant zu senken“, heißt es von Bain. Ziel müsse eine CIR von 60 bis 65 Prozent sein, beziffert Walter Sinn.

Klar sei jedoch auch, so Sinn, dass nicht alle Banken die Vielzahl an Herausforderungen werden meistern können. Und so dürfte die Konsolidierung auf dem Bankensektor in den kommenden Jahren weiter voranschreiten. Eine Entwicklung, die nach Ansicht der Experten durchaus notwendig ist. „Wir brauchen größere europäische Banken – das wird und muss kommen“, ist Sinn überzeugt.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.