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Bankenrettungen: Bail-ins und die Firmenkunden

Testlabor Zypern: Der Bail-in bei Zyperns Banken ist zur Blaupause für künftige Bankenrettungen in Europa geworden. Das trifft auch die Firmenkunden der Banken.
Thinkstock / Getty Images

Seit Zypern ist die Katze aus dem Sack: Künftig werden Spareinlagen auch in anderen EU-Ländern bei Bankenschieflagen herangezogen werden. Nick Anderson, Bankanalyst der Berenberg Bank, ist sich sicher, dass das große Folgen für alle Banken in der EU haben wird: Die Finanzierung der Banken über Retaileinlagen werde sich verteuern, insbesondere für schwachkapitalisierte Banken. Weil die Einlagen im Krisenfall schneller abfließen würden, müssten die Banken höhere Kapitalreserven und mehr Eigenkapital vorhalten. „Das wird die Bankindustrie verändern“, prophezeit Anderson. „Die ganze Branche wird schrumpfen, einige Banken werden weiteres Kapital aufnehmen müssen. Und der Markt wird sich konsolidieren – nicht durch M&A, sondern weil die besseren Banken wachsen, während die schwachen Marktanteile verlieren oder vom Markt verschwinden werden.“

Kleinere Banken, denen die Politik nicht mehr bedingungslos beispringen will, und Banken aus der Euro-Peripherie könnten jetzt Einlagen verlieren – ihre Fundingkosten dürften steigen. Ebenfalls betroffen sind Banken mit einem guten Zugang zu großen Einlegern, erwartet die Strategieberaterin und BankingexpertinFinjaKütz von Oliver Wyman. „Die aus den USA bekannten Einlagenbroker werden nach Europa kommen und auch hier die Vermögen von reichen Anlegern so verteilen, dass ihre Einlagen bei keiner Bank über dem Schwellenwert liegen, der nicht mehr abgesichert ist.“ Für viele ­deutsche Banken sei das kein Problem: „Die haben im Moment mehr Liquidität, als sie brauchen“, glaubt Kütz. Hinzu kommt: Der regulatorische Druck führt gerade zu einer Renationalisierung des Bank Fundings. Für ausländische Banken, die in Deutschland agieren, ist das sicher kein Vorteil.

Doch auch für die deutschen Kreditinstitute wird sich das Funding mittelfristig verteuern: Am kurzen Ende belastet Zypern, am langen Ende Basel 3, dessen Auflagen zur fristenkongruenten Finanzierung die Kosten für langfristige Finanzierungen in die Höhe treiben. Momentan verdeckt das Niedrigzinsumfeld diesen Trend noch. Aber wenn die Zinsen drehen, dürften die Fundingkosten überdurchschnittlich ansteigen – und damit auch die Kreditkosten für die Kunden der Banken.

Firmenkunden in Zypern sind über Nacht illiquide geworden

Viele Banken überlegen, ihr Eigen­kapital zu stärken – auch um Einleger und Kunden ihrer Solidität zu vergewissern. Der Deutschen Bank applaudierte der Markt Ende April für die überraschende 3-Milliarden-Kapitalerhöhung. Die Aktie schoss nach oben, obwohl die Kapitalstärkung die Eigenkapitalrendite verwässern wird. Den Firmenkunden hingegen kommen Kapitalerhöhungen entgegen: Ihre Bankpartner werden solider, und die geringeren Fundingkosten ihrer Bank nutzen auch ihnen.

Die Banken stehen aber nicht nur unter wachsendem finanziellen, sondern auch unter strategischem Druck. „Wegen der strengeren Kapitalvorgaben werden die Banken ihre Geschäftsmodelle auf bestimmte Bereiche, Produkte und Kundengruppen fokussieren müssen“, meint Kütz.

In Deutschland dürfte bei zahlreichen Banken das Firmenkundengeschäft im Fokus bleiben, schließlich ist im Privatkundengeschäft kein Geld zu verdienen, und das Investmentbanking absorbiert zu viel Kapital. So könnten die Firmenkunden zu Gewinnern der in Zypern erprobten Lösung werden – aber nur, wenn die Treasurer es schaffen, das Geldanlageproblem zu lösen. Schließlich sind in Zypern auch viele Betriebe, die ihre Konten bei der Laiki Bank oder der Bank ofCyprus hatten, Opfer des Bail-in geworden. Manchen von ihnen wurde ein großer Teil ihrer Liquidität weggenommen.

michael.hedtstueck(*)finance-magazin(.)de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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