Newsletter

Abonnements

Bankrisiken werden Staatsrisiken

Dunkle Wolken hängen über Europas Banken, hier der Londoner Finanzdistrikt.
Wjfox

Die vergangenen 14 Tage waren angesichts der sich weiter verschärfenden Krise der Eurozone wieder einmal eine chaotische Zeit für die europäischen Finanzinstitutuionen. In der vergangenen Nacht hat Moody’s 18 Banken rund um den Globus herabgestuft, darunter vier aus Großbritannien und drei aus Frankreich.

Vorausgegangen war eine kollektive Herabstufung von 18 spanischen Banken durch die Ratingagentur Fitch, nur wenige Tage nach der Herabstufung von Spanien selbst. Am vergangenen Freitag folgte Fitch’s Wettbewerber Moody’s auf dem Fuße und stufte Finanzinstitute in ganz Europa um mehrere Notches herunter. Und es kommt vermutlich noch schlimmer: „Unser Ausblick ist für viele westeuropäische Banken negativ, besonders an der Peripherie“, sagt James Longsdon, stellvertretender Leiter im Bereich EMEA Bankenratings bei Fitch.

Entmutigend und zerstörerisch

Diese umfassenden Aktionen sind nicht nur entmutigend, sie weisen außerdem auf einen kritischen Punkt hin, den die andauernde Krise zutage gefördert hat: Trotz der zuweilen verzweifelten Versuche der Politiker und Finanzinstitutionen die Verbindung zwischen Staatsrating und Bankenratings zu durchtrennen, ist diese Verbindung stärker denn je. „Die Kausalrichtung dieser Verbindung hängt davon ab wo man sich befindet“, erklärt Longsdon. „In Spanien drückt die Schieflage der Banken zusammen mit dem Immobilienmarkt auf das Staatsrisiko, während es in Italien umgekehrt ist – die staatlichen Probleme belasten dort die Bankenratings.

Die Tatsache, dass das Schicksal der Länder eng mit dem ihrer Banken verwoben ist, hat zu hektischen Reaktionen der Regierungen und Aufsichtsbehörden geführt, mehrheitlich mit dem Ziel diese Verbindung zu minimieren. Gespräche über eine europäische Bankenunion haben nach dem letzten Bankendowngrade einen besonders großen Schub erhalten.

Spanien in der Krise

Ein großer Teil der aktuellen Bemühungen die Krise zu bekämpfen ist darauf zurückzuführen, dass die Griechen zwar durch die Wahlen die schlimmsten Sorgen um das angeschlagenste Land der Eurozone zumindest zeitweise beruhigt haben, sie haben aber bisher kaum etwas für ihre Banken getan. Im Gegenteil: Die aktuelle Krise Spaniens, einer viel größeren Volkswirtschaft, verschärft die Dringlichkeit politischen Handelns sogar. Spaniens Finanzierungskosten haben einen neuen Rekordstand erreicht, der bedenklich nahe an die 7-Prozent-Grenze heranreicht, eine Schwelle, die allgemein als nicht aufrecht zu erhalten gilt. Diese Situation ist mehrheitlich auf Spaniens unterkapitalisierten Banken zurückzuführen.

Während die international Finanzgemeinschaft über die Summe streitet, die Spanien benötigt um seine Bilanz wieder zurechtzurücken – Schätzungen reichen von 40 Milliarden US-Dollar seitens des IWF bis hin zu 100 Milliarden beim Worst-Case-Szenario der Ratingagentur Fitch – ist offenkundig, dass der Bedarf nicht nur groß ist, sondern auch schwer zu decken.

Hier würde die vorgeschlagene Bankenunion zum Tragen kommen. Wenn diese in Kraft träte, würde die Union die Risiken durch einzelne Banken gleichmäßiger über die Eurozone verteilen, und so den Einfluss eines einzelnen Bankencrashs auf das jeweilige Heimatland der Bank reduzieren. Es wird erwartet, dass die Finanzminister der Europäischen Union bei ihrem heutigen Treffen zu einer vorläufigen Einigung kommen, auch wenn der sture Widerstand der Deutschen gegen jede echte Teilung der Bürde eine große Hürde darstellt

Die Nebenwirkungen der Bankenunion

Es bleibt in jedem Fall schwer abzuschätzen, wie effektiv eine solche Bankenunion wirklich darin wäre, die Verbindung zwischen Staatsrisiko und Bankenrisiko aufzubrechen, da ihre Struktur und natürlich die langfristigen Auswirkungen noch nicht absehbar sind. „Eine Bankenunion würde dabei helfen, die Verbindung zwischen Staatsrisiko und Bankenrisiko zu schwächen“, meint James Longsdon. „Dies klingt nach einer guten Sache für das Kreditrisko der Banken, aber man darf auch nicht das Ziel übersehen, die Unterstützung der Banken durch den Staat zu reduzieren und Verluste auf Shareholder und Kreditgeber abzuwälzen wenn etwas schiefgeht.“

Außerhalb der Eurozone waren Regierungen und Aufsichtsbehörden bisher ähnlich erfolglos darin, die Abhängigkeit ihrer Banken vom Staat zu reduzieren. Obwohl er betont hat, dass „die Bank [of England] kein demokratisches Mandat hat, das Geld der Steuerzahler aufs Spiel zu setzen“, legte Mervyn King, Direktor der BoE, in der vergangenen Woche ein so genanntes “funding for lending” Programm vor, durch das die Bank of England anderen Banken Kapital unterhalb des Marktzinssatzes zur Verfügung stellen kann, wenn diese es zur Kreditvergabe an britische Unternehmen nutzen.

In einem parallelen Schritt begann er mit der Umsetzung eines Refinanzierungsprogramms für Banken, das erstmals im Dezember vorgestellt worden war und nach Aussage des Direktors dafür sorgen wird „dass Banken mit jedweder Liquidität versorgt werden, die sie benötigen“, selbst bei einer wackeligen Sicherheitslage. Eine erste Tranche über 5 Milliarden Pfund wurde am Mittwoch ausgezahlt.

All diese Entwicklungen summieren sich zu einem Gesamtbild von hektischen Versuchen europäischer Regierungen, ihre Abhängigkeit von heimischen Banken zu reduzieren, da diese immer stärker als Belastung und nicht als Stärke gesehen wird. Aber wohin dieses Rennen führt, und ob es Gewinner geben wird, ist immer noch unklar. Letztendlich ist es gut möglich, dass die Auswirkungen der heutigen Entscheidungen genau das Gegenteil von dem bewirken, was ursprünglich beabsichtigt war.

steven.arons@finance-magazin.de