Newsletter

Abonnements

Basel III-Kapitalquoten: Baseler Ausschuss fordert mehr Einheitlichkeit

Banken hübschen ihre Eigenkapitalquote auf. Der Baseler Ausschuss will dem einen Riegel vorschieben.
Thinkstock / Getty Images

Die endlose Geschichte um die Bankenregulierung Basel III bekommt ein neues Kapitel: Gerade erst einigten sich Bundestag und Bundesrat auf ein Gesetz, nach dem Basel III ab 2014 für deutsche Banken gelten soll, da stellt der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der die Regeln entwickelt hat, die Eigenkapitalregelung schon wieder auf den Prüfstand. Der Ausschuss kündigte Anfang der Woche an, die Vergleichbarkeit der Basel III-Eigenkapitalquoten zwischen unterschiedlichen Banken verbessern zu wollen. Insbesondere die Berechnung der sogenannten risikogewichteten Aktiva ist den Regulierern ein Dorn im Auge, denn von der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Verlustausfallquote der Bank-Assets hängt der regulatorisch notwenige Eigenkapitalpuffer ab.

Bisher dürfen Banken ihre eigenen Modelle zur Berechnung dieser Risiken heranziehen. Doch diese Möglichkeit könnte demnächst eingeschränkt oder langfristig gar völlig abgeschafft werden, wenn sich ein entsprechender Vorschlag des Baseler Ausschusses durchsetzt. „Für die Banken würde eine Umstellung ihrer internen Modelle einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Bankexperte bei Ernst & Young. Bis 2014 sei das kaum machbar.

Banken tricksen bei Basel III Kernkapitalquote – völlig legal

Das aktuelle System ist anfällig für – völlig legale – Tricksereien: Wenn eine Bank ihre Modelle clever kalibriert, kann sie Risiken künstlich herunter rechnen – und bläht damit ihre regulatorische Kernkapitalquote auf. Eine aktuelle Studie des Baseler Ausschuss lieferte dafür nun Belege: Ein wesentlicher Teil der Variation der risikogewichteten Aktiva in den Bankbüchern ergebe sich aus unterschiedlichen internen Modellen und nationalen Aufsichtspraktiken – und nicht aus verschiedenen Risikopräferenzen oder Bilanzstrukturen der Banken, schreiben die Autoren. Bereits im Februar war die Europäische Bankenaufsicht (EBA) zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

Die Regulierer wollen deshalb nun reagieren und haben einige Vorschläge gemacht: So könnten beispielsweise neue standardisierte Elemente und Untergrenzen für die Berechnung hinzukommen. Langfristig denkt der Ausschuss gar darüber nach, eigene Modelle und die Kennzahl der Kernkapitalquote völlig abzuschaffen – und nur den Verschuldungsgrad als Kennziffer zu verwenden. Bis Oktober nimmt der Ausschuss Stellungnahmen zu den Vorschlägen entgegen.

Unternehmenskredite von weiterer Bilanzschrumpfung weniger betroffen

Wenn die Risiken in den Bilanzen durch strengere Bewertungen steigen, müssten Banken ihre Bilanz weiter verkürzen, um die Basel III-Anforderungen einhalten zu können. Das könnte das Kreditangebot verringern oder für höhere Kreditzinsen sorgen. Doch deutsche CFOs müssten sich keine Sorgen machen, zumindest sofern ihr Unternehmen finanziell gut dasteht, meint Müller-Tronnier: „Zum einen ist nicht gesagt, dass eine Standardisierung die Berechnung durchgängig strenger macht – in manchen Häusern könnte die Risikobewertung auch sinken.“ Zum anderen zählten neben den regulatorischen auch die wirtschaftlichen Überlegungen: „Und da werden sich die meisten Banken, die gerade auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell sind, eher von anderen Assets als von Unternehmenskrediten trennen“, sagt Müller-Tronnier.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter