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Berenberg kürzt im Aktiengeschäft

Hamburger Innenalster: Berenberg baut im Aktiengeschäft bis zu 50 Stellen ab. Das Traditionshaus hatte diese erst Anfang 2017 aufgebaut.
mije_shots/iStock/Thinkstock/Getty Images Plus

Berenberg baut im Aktiengeschäft in deutlichem Maße Stellen ab. Die Kürzungen betreffen vor allem den Standort London. In der dortigen Finanzszene kursieren Zahlen, die von 35 bis über 100 Stellen reichen. FINANCE-Informationen zufolge dürfte das Ausmaß der Einschnitte eher im unteren bis mittleren Bereich dieser Spanne liegen.

Berenbergs Aktiengeschäft umfasst – wie bei den meisten anderen Banken auch – die Bereiche „Research“ sowie „Equities Sales & Trading“. Der Großteil der Mitarbeiter sitzt in London. Berenberg unterhält aber auch ein größeres Team in Frankfurt, das sich vor allem mit Großtransaktionen wie Börsengängen und Kapitalerhöhungen befasst („Equity Capital Markets“). In diesem Bereich gehört Berenberg zu den führenden Banken in Deutschland.

Auch Berenberg leidet unter Folgen von Mifid 2

Auf FINANCE-Anfrage wollte ein Banksprecher die Gesamtzahl der Angestellten im Equities-Geschäft nicht nennen. Es ist allerdings bekannt, dass die Hamburger über 120 Aktienanalysten beschäftigen. Die Anzahl der Angestellten im darauf aufbauenden Sales & Trading-Geschäft liegt in aller Regel bei einem Vielfachen der beschäftigten Analysten. Alles in allem arbeiten insgesamt rund 1.600 Menschen für die Berenberg Bank. Vor diesem Hintergrund relativiert sich die Freistellung von einigen Dutzend Equities-Spezialisten ein wenig.

Allerdings stellt der jetzige Schritt den Erfolg der jüngsten Expansionsschritte der Berenberg Bank im Kapitalmarktgeschäft in Frage. Die Bank selbst schreibt in einer Mitteilung, dass sie die Mitarbeiterzahl zurück auf das Niveau von Anfang 2017 bringe. Damit kassiert sie ihre Expansionspläne faktisch ein. Trotzdem betont Berenberg, dass man den Personalabbau „aus einer Position der Stärke“ heraus durchführe. Man habe in der ersten Hälfte 2018 Marktanteile im Aktiengeschäft gewonnen, so Berenberg.

Allerdings dürfte auch Berenberg unter den Folgen der seit Jahresbeginn geltenden Marktregulierung „Mifid2“ leiden, die den Ertragspool im Equities-Sales und -Research Branchenanalysen zufolge industrieweit um bis zu ein Drittel reduziert haben dürfte. Gestern erst war bekannt geworden, dass sich das Frankfurter Equity-Haus Mainfirst in die Obhut der Londoner Investmentbank Stifel begibt. Das Frankfurter Research- und Broker-Haus Equinet schlüpft gerade unter das Dach der skandinavischen Investmentbank Pareto.  

Der Schritt stellt den Erfolg der jüngsten Expansionsschritte der Berenberg Bank im Kapitalmarktgeschäft in Frage.

Wo genau kürzt Berenberg?

Unklar ist, wo genau Berenberg den Rotstift ansetzt. Wichtig ist aber unter anderem die Frage, ob eher bei den Analysten oder im Sales- und Trading-Team gespart wird. Für CFOs, deren Unternehmen Kunden der Berenberg Bank sind, haben beide Bereiche Bedeutung: Die Analysten erstellen Research-Studien und machen damit Unternehmen am Kapitalmarkt bekannter. Den Tradern kommt die ebenso wichtige Aufgabe zu, die gestiegene Sichtbarkeit in wachsende Handelsvolumina umzusetzen und neue Investoren für die untersuchte Aktie zu gewinnen.

Nach vielen Jahren des rasanten Aufbaus hat Berenberg inzwischen gut 800 Unternehmen „under coverage“. Damit gehören die Hamburger zu den größten Research-Häusern Europas. Die jetzt eingeleiteten Kürzungen dürften aber dazu führen, dass das Coverage-Universum der Berenberg Bank schrumpft. Deutschland und Großbritannien bezeichnen die Hamburger zwar als „Kernmärkte“ ihres Equity Researchs – allerdings droht auch das eine oder andere deutsche Unternehmen die Begleitung durch Berenberg-Analysten nun wieder zu verlieren.