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CFOs aufgepasst: Commerzbank gefangen im Teufelskreis

Auch das noch: Der Commerzbank droht ein Rating-Downgrade durch S&P.
Commerzbank

Eine gute Nachricht vorweg, sie sind selten genug: Commerzbank-CEO Martin Blessing geht angesichts der schlechten Ergebnisse und angekündigten Massenentlassungen mit gutem Beispiel voran und verzichtet auf seinen Bonus: Das war’s dann aber auch schon, denn die Commerzbank kommt einfach nicht aus dem Teufelskreis negativer Nachrichten. Nach dem Verlust des Status als systemrelevante Bank im November und der jüngsten Veröffentlichung unerwartet schlechter Zahlen im Q4 und im gesamten Jahr, steht der Bank jetzt auch noch eine drohende Herabstufung ihres Ratings durch S&P von A auf A- bevor.

Zwar ist eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit nach den jüngsten Zahlen keine Überraschung. Und die Ankündigung durch S&P zieht auch längst nicht automatisch ein tatsächliches Downgrade nach sich. Doch führt in der noch immer höchst unsicheren Lage jede Negativbotschaft zu weitreichenden Implikationen.

CFOs beobachten Kontrahentenrisiko genau

Die Refinanzierungskosten für viele Banken sind trotz jüngster Beruhigung noch immer so hoch und die Kapitalmarktzinsen für solide Industrieunternehmen so niedrig, dass viele Finanzvorstände längst lieber direkt an den Kapitalmarkt gehen. Mit jeder Ratingabwertung geht die Schere wieder zu Ungunsten der Banken auseinander. Das trifft die im Mittelstandskreditgeschäft traditionell so starke Commerzbank besonders und könnte auch noch ihr letztes – ausweislich der Bilanzzahlen – starkes Geschäftsfeld bedrohen. Hinzu kommt, dass viele CFOs in der Krise ihr Bewusstsein für Kontrahentenrisiken ge- und ihre internen Richtlinien zur Zusammenarbeit mit Banken verschärft haben. Mit jedem weiteren Notch nach unten droht gerade der Commerzbank daher nicht nur von den Investoren, sondern auch von Kundenseite weiteres Ungemach. A- gilt als letztes akzeptables Rating für sichere Anlagen. Zudem ist die Commerzbank bereits jetzt schwächer geratet als die ebenfalls gebeutelte Deutsche Bank.

Noch steht die Bank nur unter Beobachtung. Doch gerade bei der Commerzbank drohen entsprechende Ankündigungen zu selbsterfüllenden Prophezeiungen zu werden, sollten sich Investoren und Kunden nur aufgrund der Aussicht auf eine Ratingabwertung nach anderen Dienstleistern umsehen. Die Bank spürt die Zweifel und bemüht sich um Vertrauensstiftung: Der Großteil der Investitionen bis 2016 wird in die Mittelstandsbank fließen. Das ist immerhin ein Anfang, aber noch kein Befreiungsschlag.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de

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