Newsletter

Abonnements

Chinas Banken kommen nach Europa

Inzwischen kann fast jeder ein Lied von Chinas Übernahme der Welt singen. Dieses Lied bekommt nun eine neue Strophe. Sie handelt von chinesischen Banken, die europäische Unternehmen finanzieren. Vor Kurzem unterzeichnete der Finanzvorstand der dänischen Reederei Maersk einen 500-Millionen-Dollar-Vertrag mit der China Development Bank (CDB), um Container von einem chinesischen Hersteller zu kaufen. Durch den Deal steigt die Gesamtsumme, der von Maersk bei der CDB aufgenommenen Kredite auf 1 Milliarde US-Dollar.

Die wachsende Rolle der chinesischen Banken in Europa ist eine Erweiterung des zunehmenden Einflusses, den sie bereits in anderen Volkswirtschaften spielen. In Australien beispielsweise haben chinesische Banken, zusammen mit ihren japanischen Kollegen, laut der Bank of America Merrill Lynch etwa 21% der neuen Konsortialkredite in diesem Jahr ausgegeben. Dabei nahmen sie den sich zurückziehenden europäischen Banken erhebliche Marktanteile ab.
 
Für den europäischen Markt aber ist die Ankunft mächtiger Banken, die nicht aus den USA oder Europa stammen, ein Novum. Die Schwäche der europäischen Finanzindustrie bietet chinesischen Kreditgebern lukrative Ansatzpunkte, in einem der weltweit wettbewerbsintensivsten Finanzmärkte Fuß zu fassen.

Dabei können die chinesischen Institute mit noch nie dagewesener Stärke protzen. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie fast ein Drittel der weltweiten Bankenprofite, berechnete kürzlich das Banker-Magazin, gegenüber 4 Prozent im Jahr 2007. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die China Construction Bank (CCB) und die Bank of China (BOC) besetzen die ersten drei Plätze des weltweiten Rankings.

Selbst reine Onshore-Banken wie die CDB haben ihre Auslandsaktivitäten erheblich erhöht. Die Überseekreditvergabe der CDB schoss von 155 Milliarden Yuan (20 Milliarden Euro) im Jahr 2006 auf 935 Milliarden Yuan im vergangenen Jahr. "Die CDB hat sich in letzter Zeit an einer Reihe von hochkarätigen Transaktionen im Ausland beteiligt, mit der sie sich fest in der Bankenlandschaft etabliert hat“, kommentiert John Shum, Partner der Anwaltskanzlei White & Case in der Niederlassung Hongkong. Laut seinen Angaben ist White & Case ein Kernberater der CDB bei vielen dieser Transaktionen.

Dies signalisiert auch eine Tendenz der Bank weg von politisch motiviertem Finanzierungsgeschäft und hin zu einer profitorientierten Kreditvergabe. Dennoch warnt Shum, dass "zumindest praktisch gesprochen, chinesische Kreditgeber immer noch an politischen Vorgaben orientiert" seien. Sie würden immer ein „chinesisches Element“ bei Transaktion sehen wollen, wie den Kauf von Produkten aus China oder die Beschäftigung chinesischer Unternehmen.

Wie die wiederholte Nutzung des CDB-Angebots durch Maersk zeigt, scheinen dann aber attraktive Konditionen möglich zu sein. "Angesichts ihres Interesses an der Förderung chinesischer Exporte, sind die Bedingungen, die von den chinesischen Banken angeboten werden, ziemlich attraktiv", sagt Shum. Längere Kreditlaufzeiten seien zum Beispiel ein Bereich, in dem chinesischen Banken häufig Vorteile böten.

Es ist Zeit für die europäischen CFOs, einen genauen Blick auf die chinesischen Banken zu werfen. Angesichts schwächelnder europäischer Institute werden chinesische Banken immer häufiger zur Stelle sein, um ihre großen und soliden Bilanzen für Finanzierungen zur Verfügung stellen. Die Bereitschaft, ihr Engagement in europäischen Unternehmen zu erhöhen, ist vorhanden, insbesondere in als strategisch geltenden Branchen wie der Autoindustrie oder der Energieerzeugung. Es ist daher wahrscheinlich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis den hiesigen CFOs ein chinesisches Darlehen ebenso normal erscheint wie ein Kredit einer britischen oder französischen Bank.

steven.arons[at]finance-magazin.de